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Sprungbrett Sozialassistent

Unser Schüler Lukas* sattelte um – vom Metalltechniker zum Sozialassistent. Im Mai 2020 startete er seine Ausbildung bei Campus Berlin. Aber Lukas bringt nicht nur seinen Rucksack mit in die Schule sondern auch zwei Dolmetscher

* Name von der Redaktion geändert


Seine Interessen lagen immer mehr bei den Naturwissenschaften. Er schloss die Ausbildung zum Metallmechaniker ab und begann sich zu bewerben. Doch beim Metallmechanikerberuf. gab es zu viele Barrieren. Denn Lukas ist gehörlos und sah sich im technischen Bereich nicht aufgehoben.

Gemeinsam mit seiner Arbeitsassistenz entschied er, sich verschiedene Bereiche anzuschauen. Dann stellten sie fest, dass der soziale Bereich gut zu ihm passen könnte – denn hier ist er nicht auf sich gestellt und kann mit und für Menschen arbeiten. Also absolvierte er verschiedene Praktika und bekam anschließend die Empfehlung im sozialen Bereich eine Ausbildung zu machen. Nach einiger Recherche entschied er sich, seine Ausbildung zum Sozialassistenen bei Campus zu beginnen. Die Entscheidung fiel auf Campus Berlin, weil unsere  Schule bei Lukas einen guten Eindruck erweckte. Ihm gefiel das „Auftreten“ der Schule und er hatte das Gefühl, dass er hier gut aufgehoben ist. Besonders die Möglichkeit mit der Ausbildung zum Sozialassistenten seinen MSA nachzuholen und den Unterricht mit Dolmetscher besuchen zu können, überzeugte ihn davon diesen Beruf an unserer Schule zu erlernen.

Ausbildungsstart in besonderen Zeiten

Aufgrund der Umstände, welche durch die Corona Pandemie entstanden, war der Schulalltag zunächst anders als erwartet. Die Klasse wurde in zwei Hälften geteilt oder arbeitete auch von zu Hause.

Nach so kurzer Zeit lässt sich schwer sagen, welche Fächer Lukas‘ Lieblingsfächer sind. Früher waren das Erdkunde und Naturwissenschaften – nun muss er sich neu orientieren. Besonders gefällt Lukas das Lernfeld 1, denn hier geht es um persönliche Erfahrungen. Auch die Vielfalt der Fächer sagt Lukas zu. Jedoch bringt das auch Herausforderungen mit sich. So muss Lukas nun eine lange Liste an unbekannten Wörtern lernen. Dies verspricht allerdings mit der Routine und der zunehmenden Bekanntheit der Thematik besser zu werden.

Der Schulalltag in einer hörenden Klasse ist durchaus von Herausforderungen geprägt. Um keine Informationen zu verpassen ist eine ständige Fixierung auf die Dolmetscher notwendig. Wenn jedoch die Lehrkraft spricht und es gleichzeitig erforderlich ist, etwas mitzuschreiben oder zu lesen, dann entsteht ein Gefühl der Überforderung. Hinzu kommen die unbekannten Fachwörter, welche er notieren muss. Dabei dem Unterricht zu folgen ist äußerst schwierig.

Unterricht mit Dolmetscher

Besonders problematisch ist das, wenn Lehrende sowie Schüler*innen sehr schnell sprechen oder nicht auf die Kommunikationswege achten. Hier muss dann darauf hingewiesen werden, dass es wichtig ist, gut hörbar für die Dolmetscher, hintereinander und in einem angemessenen Tempo zu sprechen. Andernfalls gehen Informationen verloren, oder kommen erst später bei Lukas an.

Die Zusammenarbeit mit den beiden Dolmetschern verläuft gut für ihn, sie schreiben auch Beispiele auf oder Definitionen auf, falls dort Bedarf besteht. Auch die Lehrkräfte erweitern ihren Unterricht, um diese Barrieren zu durchbrechen. So gibt es die Bereitschaft langsamer zu sprechen und bestimmte Wörter genauer zu erklären. Jedoch fällt dies nicht jedem Lehrenden leicht. So gibt es auch schwierige Situationen, erklärt Lukas. Es scheint, als habe nicht jede Lehrkraft ausreichend Wissen über Gehörlosigkeit um den Unterricht entsprechend gestalten zu können. Das verursacht Unsicherheiten. Probleme die auftreten können, sind unter anderem die verzögerte Kommunikation, auf die Rücksicht genommen werden müsste. Außerdem braucht Lukas Beispiele um alles zu verstehen und inhaltlich gut folgen zu können. Und auch bei anderen Situationen fühlt sich Lukas noch nicht ausreichend verstanden. So bekam er bei einem Test keinen Nachteilsausgleich und er konnte die Begründung der Lehrkraft – nämlich das alle gleich behandelt werden sollen – nicht ausreichend nachvollziehen.

Hier ist es gut, dass der Schüler mit seinem Klassenlehrer einen vertrauen Ansprechpartner hat. Mit ihm war er von Beginn an regelmäßig in 4 – Augen Gesprächen um Bedürfnisse zu besprechen und Erforderlichkeiten zu prüfen. Diese Gespräche sind immer wieder von Nöten, erklärt Lukas. Denn nur wenn das, was er braucht auch immer wieder erklärt, besteht eine Chance, dass die Situation für ihn einfacher wird. Das sei anstrengend, so Lukas, aber unabdingbar.


Du willst mehr über unsere Schüler*innen erfahren? Marco ist Heilerziehungspfleger und hat einen Preis gewonnen. 

Die Lernwerkstatt bei Campus

Das übergreifende Schulkonzept für eine Lernwerkstatt wurde am Standort Geneststraße erfolgrreich umgesetzt. Für jeden Bildungsgang (Erzieher, Sozialassistent, Heilerziehungspflege, Altenpflege ( Pflegefachkraft) sowie für die Fort- und Weiterbildungen sind Konzepte und Mustersituationen entwickelt worden.

Die Lernwerkstatt ist als Raum gedacht, in dem sich Schüler*innen und Lehrkräfte gleichermaßen mit den Materialien beschäftigen und sich individuell und selbstständig fortbilden können.

Ein Raum für selbstständiges Fortbilden

Die Lehrkräfte von Campus Berlin haben hierfür Methoden und Sequenzen entwickelt, welche nun selbstständig bearbeitet werden können. Die Methoden wurden für die Bereiche Sprache, Naturwissenschaften, Mathematik und Digitale Medien entwickelt.

Im Bereich Digitale Medien kann man seine Grundkompetenzen hinterfragen und diese enstprechend fördern. Das erfolgt in verschiedenen Abstufungen und orientiert sich am Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke, welches sich aus den Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung definiert.

Mathe lernen leicht gemacht

Im Bereich Mathematik hat man ein Konzept entwickelt, um Prozentrechnung zu erlernen. Dabei orientierte sich die Gruppe an einer visuellen Methode, die den Wunsch danach diese Rechenart zu beherrschen verstärken soll, indem zum Beispiel ausgedrückt werden möchte, wieviel Prozent Frauen auf einem bestimmten Bild zu sehen sind. Eingesetzt werden weiterhin, beispielsweise Würfelspiele, Formelkärtchen. Zudem wird die Nutzung einer Mathe-App angestrebt.

Naturwissenschaft praxisnah

In der Gruppe Naturwissenschaft beschäftigte man sich mit einer Methode, welche auf Stationenarbeit basiert. Durch praktisches Tun soll das Interesse und Verständnis gefördert werden, die einzelnen Methoden werden in Schränken aufbewahrt, welche flexibel einsetzbar sein sollen. Es soll eine mobile Entspannungsecke geben um die Kreativität der Lernenden zu fördern.  Bei dieser Gruppe soll zudem die Idee des Schüler*innenmenorats greifen. In Planung ist die Einrichtung eines Aquariums oder Terrariums, gepflegt durch die Schüler*innen.

Im Bereich Deutsch hat man sich mit der Förderung von Grundkompetenzen im Bereich Rechtschreibung über Musik beschäftigt. Die Lieder werden von den Schüler*innen gehört und mit einem Lückentext vervollständigt. Mit einer Korrekturschablone kann selbstständig korrigiert werden.

 

Digitalisierung bei Campus Berlin

Bei Campus Berufsbildung e.V. wurde die Digitalisierung schon vor Corona groß geschrieben. Mit Förderungen hat die Schule viel daran gesetzt, die Ausstattung mit digitalen Geräten zu erweitern. Mittlerweile gibt es iPads, die vor Ort genutzt werden können und neue Schülernotebooks. Außerdem ist das Wlan an den Standorten Südkreuz und Alboin nun schneller und auch im Werkraum verfügbar.

Tablets statt Papier

Anfang des Jahres hat Frau Dr. Behr bereits mit ihrer Klasse erfolgreich eine iPad basierten Unterricht durchgeführt. Hier wurde der Themenbereich Pflegetheorie mit der Möglichkeit der Eigenrecherche und dem individuellen Erstellen einer Präsentation bearbeitet. Dadurch konnten komplexe  Themen in der Gruppe bearbeitet und kreativ aufbereitet werden.

Durch die bei Campus am Südkreuz bereits etablierte Anwendung von Apple TVs, ist es besonders leicht, Präsentationen von den verschiedenen iPads an die Wand zu projizieren. Dadurch sind Prozesse der Ergebnissicherung und Präsentation bei den Unterrichtseinheiten spielend leicht durchführbar.

Bigpads erleichtern den Unterricht

Auch die neuen Bigpads, erleichtern die Arbeit im Unterrichtsalltag. Die Qualität der Bildschirme machen das Zeigen von Lernvideos und Co deutlich attraktiver. Außerdem kann man über die vorhandenen Programme darauf auch wie auf einer Tafel schreiben und sehr leicht mobile Endgeräte anschließen.

All die vorher bereits über Arbeitsgruppen etablierten Prozesse im Team, machte es unseren Lehrkräften leichter, die Herausforderungen des Fernunterrichts zu meistern. Mittlerweile hat auch unser schuleigenes Moodle, eine neue bedienungsfreundlichere Oberfläche, sodass die nun zum elementaren Bestandteil gehörenden Arbeitsaufträge besser abgewickelt werden können. Die Videotelefonie, über die unsere Lehrkräfte ihren Stoff an die Klasse vermitteln, ist sicher nicht die idealste Unterrichtsform, aber in diesen Zeiten unverzichtbar. Der Unterricht über diese Plattformen wird weiterhin im Wechsel mit Präsenzunterricht in kleinen Gruppen stattfinden. Dem Feedback der Lehrkräfte ist zu entnehmen, dass der Unterricht über die Plattform Zoom alles in allem gut funktioniert. Auch die Schüler*innen geben hierzu positive Rückmeldung.

Es bleibt natürlich dennoch zu sagen: trotz all dieser Möglichkeiten freuen wir uns bereits jetzt auf die Zeit in der wir mit vollen Klassen im Präsenzunterricht und im direkten Kontakt wieder richtig durchstarten können. Bis dahin ist Campus Berlin bestens aufgestellt.

Zwischen den Fluren

Was Alltag in der Pflege bedeuten kann

Ein Erfahrungsbericht

Unsere Mitarbeiterin Friederike Aps hat vor Jahren einige Monate in einem Seniorenheim in der Küche gearbeitet. Nun hat sie diese Zeit reflektiert. Von der Pflege, Gefühlen, Überforderung, Schmerz und schönen Momenten


Der emotionalste und intensivste Job, den ich gemacht habe, war die Arbeit in einer Küche für ein Pflegeheim in Berlin Charlottenburg. Nie hat mich ein Job so dermaßen an meine körperlichen und mentalen Grenzen gebracht, nie hat ein Job so mein Herz erfüllt wie dieser. Die Schichten waren brutal. Die Bedingungen streng. Wir durften das Essen nach der Ausgabe nicht anrühren, auch wenn wir kurz davor waren es zu entsorgen. Natürlich haben wir es trotzdem gegessen, heimlich in den verstecken Ecken der Katakomben der Küche. Wir durften keine Trinkflaschen bei uns tragen. In der Nachmittagsschicht war ein Küchenangestellter allein für das fünfstöckige Haus verantwortlich. Kaffee, Abendbrot, kompletter Abwasch. Nach meiner Schicht war mir manchmal schwarz vor Augen, ich konnte nicht mehr richtig stehen. Tagtäglich habe ich mich an meine Grenzen gebracht, für Mindestlohn.

Um mich herum waren die Pfleger. Kraftvoll sind sie von Zimmer zu Zimmer, flogen durch die Flure. Ich erinnere mich an diese unerschütterliche Energie, diese Stärke, die sie von irgendwo her nahmen. Es ist ein Wahnsinnsjob. Ich war als Küchenmitarbeitern das letzte Glied der Kette. In den ersten Wochen kam mir die Arbeit vor wie ein kontinuierliches Getöse. Schreiende Pfleger, schreiende Bewohner und die meisten Küchenmitarbeiter haben auch geschrien. Einige Schichten haben sich angefühlt, wie ein andauernder Nervenzusammenbruch.

Zigarettenstummel wurden leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt

Der Anker in der Pflege ist die Zeit. Wenn man gut in der Zeit war, also pro Bewohner nur die angemessene Zeit verbracht hat (bei der Essenausgabe konnte man maximal drei Minuten pro Tür verbringen) dann hatte man alles im Griff. Unsere Körper waren Maschinen. Jeden Tag haben wir versucht die Zeit zu beherrschen, unsere Körper weiter zu drillen, ein bisschen schneller die Brote zu schmieren, ein bisschen schneller zu laufen, ein bisschen schneller die Wägen zu schieben. Es war ein Wettkampf. Unsere Beine trugen uns jeden Tag ein bisschen schneller durch die Flure, unsere Hände arbeiteten jeden Tag ein bisschen effektiver.

Die einzigen Momente der Stille, radikale Zäsuren mitten im Getöse, waren die Zigarettenpausen. Dort saßen wir alle beisammen, Pfleger und Küchenmitarbeiter. Die Kollegen klammerten sich an ihre Zigaretten als würden sie ihnen Halt geben. Die Pfleger redeten über die Bewohner. Sie werteten aus, wer gekratzt oder gebissen worden ist, sprachen über Krankenhäuser, den Tod, die Abläufe, die Wut auf die Chefetage. Dann erwähnten sie belanglose Privatthemen, mit dem Blick nach draußen, in die ferne Freiheit. Wir konnten sie nicht sehen. Zigarettenstummel wurden einer Zeremonie gleichend leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt, die Beine wieder auf dem Sprung, die Schlüsselbänder ragten aus den Hosen hervor, die Zigarettenschachteln wurden verstaut und dann ging es weiter, rein ins Getöse und wir sind ihnen gefolgt mit unseren Mittagswägen.

Irgendwann fühlte ich das, was die Pflege zu einem tollen Beruf macht

Mit der Zeit habe ich mich an die Abläufe und den Alltag der Küche und Pflege gewöhnt und die Routine trat ein. Damit hatte ich die Möglichkeit Geschichten und Gesichter hinter den Türen zu sehen. Ich habe wahrhaftig Menschen sehen können. Die Freude und das Strahlen in den Augen, wenn man mit ihrem Lieblingsessen vor ihnen stand. Ich sah die Dankbarkeit, das ehrliche Lob wenn man alles richtig aufgetischt und wenn man sich Wünsche gemerkt hat.

Ich bekam die begeisterte Begrüßung von Lieblingsbewohnern, welche sich an mich erinnerten und mich bevorzugten. Sie sahen morgens zum Frühstück augenzwinkernd zu mir rüber und erklärten begeistert ihren Nachbarinnen, dass sie heute ein besonders schönes Frühstück bekommen würden, da ich ja nun da wäre und ich wisse genau was gewollt ist. Ich gab besonders viel Marmelade auf das Brot und Frischkäse dazu. Sie liebten den Frischkäse und wollten immer ein extra Schälchen. Das sie eigentlich gar nicht kriegen durften. Am Tisch am Fenster musste der Früchtetee immer gefüllt bleiben, kalt werden. Nie durfte nachgeschenkt werden. Die anderen Tische waren Koffeinsüchtig. Und für drei besonders nette Damen gab es immer ein bisschen extra Obstsalat. Über das Gezeter der Bewohnerin ganz hinten links, konnte ich  (und musste ich) irgendwann einfach hinweghören.

Elegant bin ich an den Rollstuhlgriffen vorbei getänzelt. Niemals hängen bleiben, niemals anrempeln. Nicht zu sehr runterbeugen, nicht zu laut reden, aber immer beherzt und freundlich. Und schneller, schneller, schneller, damit Zeit für das Eigentliche bleibt. Hände auf Schultern. Einen kleinen Schnack im Vorbeirennen halten. Den Pflegern beruhigend die fertig gemachten Teller in die Hand drücken und ihnen Mut zu sprechen. Irgendwann war ich eine Meisterin in diesem Job. Ich fühlte das was die Pflege auszumachen scheint. Das was zurückkommt, dass was einem die Energie dafür gibt. 

Völlig allein am Kaffeetisch

Es gab einen Bewohner, den ich nie vergessen werde. Ich sah ihn nie lächeln. Der Depression folgt die Isolation. Er war zornig und grummelig, dadurch unbeliebt, man wollte mit ihm nicht viel zu tun haben. Dabei war er Opfer seiner Trauer, seine Frau längst von ihm gegangen. Diesem, für die Pflege alltäglichem Geschehen, konnte man nicht die Empathie entgegenbringen, die er gebraucht hätte. Er wirkte allein und isoliert, seiner Trauer und seiner Depression ausgesetzt. Sein Anblick war der einer personifizierten Bitterkeit. Das alt sein, das Warten auf den Tod ist ungnädig, brutal und schmerzerfüllt.

Ich ging mit ihm um wie mit jedem der Bewohner. Unerschüttert und vollgepumpt mit Adrenalin begrüßte ich ihn täglich voller Inbrunst, stürmte in seine Welt, lächelte ihn an, aber ging dann nicht weiter auf ihn ein. Ich ermunterte ihn nicht, ich versuchte ihm lediglich meine Wärme in den Raum zu stellen, ohne sie ihm ungewollt an den Kopf zu werfen und eine Reaktion zu erwarten. Eines Tages saß er völlig allein am Kaffeetisch. Noch heute kommen mir mit diesem Bild die Tränen. Ich brachte ihn seinen Kaffee. Es war Kekstag, wie immer streng abgezählt. Ich sagte etwas Herzliches, und er aß seinen Keks schnell auf. Ich war, angesichts meines strengen Zeitablaufs, längst über alle Berge. Dennoch ging ich nochmal zu ihm zurück und ich legte ihm lächelnd ein paar weitere Kekse auf den Teller. Ich erinnere mich daran, wie er ihn in die Hand nahm. Ich drehte mich um und der Bewohner, der niemals lacht, grinste mich freundlich an.


Du hast auch eine bewegende Geschichte zu erzählen? Du möchtest deine Gedanken zu deinem Beruf mit uns teilen? Dann schreib uns! Wir freuen uns auf dich. #wirsinddiepflege

Neugierig auf die angehenden Pfleger bei Campus? Unsere Besten wurden kürzlich gekürt. Schaut hier

Auszeichnung für Campus Absolvent

Marko Stocks bekommt Preis der Ludwig Schlaich Stiftung

Ein Text von Friederike Aps 

Ein Anfang kann vielerlei bedeuten. Ängste, Herausforderungen, aber auch Vorfreude. Wenn man etwas anfängt, steht die Frage im Raum: Wie mache ich das? Die Antwort ist immer die gleiche: einfach loslegen. Denn wenn man das geschafft hat, ist man schon mitten drin. So verhält es sich auch mit der Abschlussarbeit am Ende einer Ausbildung. Sie soll bestenfalls der Meilenstein sein, das glorreiche Ende, das Aushängeschild auf dem Weg zum Beruf. Oder einfach der sehnlichst erwünschte Abschluss, die letzte Pflicht die man noch zu erfüllen hat, bevor man das Zeugnis in den Händen halten darf. Marko Stocks, Heilerziehungspflegeabsolvent des Campus Berufsbildung e.V. stand ebenfalls vor dieser Herausforderung. Er verfasste seine Arbeit zum Thema: „Besser verstanden und gehört werden – Förderung kommunikativer Fähigkeiten bei infantiler Cerebralparese und Dysarthrie“.

Eine Abschlussarbeit mit Perspektive

Eine Abschlussarbeit kann auch als Beitrag zum jeweiligen fachlichen Diskurs fungieren. Dem gibt die Verleihung des Stiftungspreises der Dr. Ludwig Schlaich Stiftung bei der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung (BAG HEP e.V. ) eine Plattform. Indem Projekte und Facharbeiten aus dem Bereich der Heilerziehungspflege gefördert werden, können diese nach außen getragen und damit perspektivisch die Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen verbessert werden. Ein toller Motivator, dem sich Marko Stocks beim Verfassen seiner Arbeit noch gar nicht bewusst war.

Stocks bekommt Auszeichnung für Abschlussarbeit

Marko Stocks, Heilerziehungspfleger

Marko Stocks hat seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bei Campus berufsbegleitend absolviert. Er arbeitet bei der Neue Lebenswege GmbH Berlin. Für die Wahl seines Themas war unter anderem sein Interesse am Fach Medizin ausschlaggebend. Konkret entwickelte sich das Projekt basierend auf den Wünschen seines Assistenznehmers, ein junger Mann mit infantiler Cerebralparese und Dysarthrie. Er äußerte gegenüber Stocks den Wunsch, bei seiner Teilnahme in Laientheatergruppen einen größeren Sprechanteil bekommen zu können. Daraus entwickelte sich das Vorhaben eines systematischen Sprechtrainings. In Verbindung mit dem für Stocks als inspirierend empfundenen Unterricht bei Dr. Jens Hüsemann, der das Interesse am Fach Medizin bei Stocks förderte, entstand diese beeindruckend detaillierte und fachlich äußerst versierte Abschlussarbeit. Die Preiswürdigkeit der Arbeit wurde von Dr. Hüsemann und vom Koordinator des Ausbildungsgangs Heilerziehungspflege Torsten Fähnrich erkannt. Gemeinsam entschieden sich Fähnrich, Stocks und Dr. Hüsemann die Arbeit einzureichen – mit Erfolg.

Zukunftsfragen der Heilerziehungspflege

Der Beruf Heilerziehungspflege ist ein Beruf, der von außen schwer zu greifen ist. Wenn man sich mit der Berufsbezeichnung auseinandersetzt, stellt man schnell fest, dass hier versucht wurde, einige Teilgebiete aus dem Beruf in einem Begriff zusammen zu würfeln. Dass man mit dem Begriff Heilerziehungspflege dem Anspruch einer Arbeit auf Augenhöhe nicht gerecht werden kann, wurde auch bei der Jahrestagung Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung in der Bundesrepublik Deutschland BAG HEP e.V.  diskutiert. Eine kurze Zusammenfassung dieser definitorischen Debatte könnte sein: weg mit dem Heilbegriff, her mit der Teilhabe. Der Weg zur wahrhaftigen Augenhöhe und einer inklusiven Gesellschaft ist ein langer und steiniger Weg.

In Berlin steht die Ausbildung zu diesem Beruf derweil ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Die Aspekte der Prüfungsordnung im Land und ihre benachteiligenden Aspekte für die Schüler*innen sind auch in der Ausbildungszeit von Stocks nicht unbemerkt geblieben. Durch das Wissen darüber, dass im Falle eines Scheiterns im Kolloquium ein gesamtes Schuljahr wiederholt werden muss, entsteht ein enormer Druck. Schließlich ist die Durchführung einer Ausbildung nicht nur eine Frage des Erlernens bestimmter Inhalte, sondern auch eine Herausforderung finanzieller Natur. Ein Jahr verlängern zu müssen, wäre also auf vielerlei Ebenen dramatisch und auch aus pädagogischer Sicht völlig unnötig. Welche weiteren Hürden auf dem Weg zum*zur Heilerziehungspfleger*in erklommen werden müssen, kann hier nachgelesen werden.

Stocks hat diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Wie er Campus mitteilte, war die Berufswahl zunächst eine Entscheidung um sich sein tägliches Brot zu verdienen. Im Laufe der Zeit, entwickelte sich eine Liebe zu seinem Beruf. Die Qualifikation durch seine Ausbildung bei Campus öffnet ihm nun Türen in seiner zukünftigen Arbeit mit Menschen mit Behinderungen.

Das Projekt zur Abschlussarbeit

Stocks Facharbeit rankt sich um ein theoretisches Gerüst zu Sprache und Sprechen bei gesunden Menschen.  In Zusammenarbeit mit dem Assistenznehmer und seiner Sprachtherapeutin führte er dann über mehrere Wochen Übungseinheiten mit dem übergreifenden Ziel der Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten zur Förderung der sozialen Teilhabe durch. Stocks fasst zusammen, dass beim Assistenznehmer eine deutliche Zunahme des Stimmvolumens sowie der Betonung von Emotionen beim lauten Lesen festzustellen ist. Zudem betont Stocks, dass eine zunehmende Eigenverantwortlichkeit bei der Durchführung des Projekts durch den Assistenznehmer stattgefunden hat. Durch die in der Arbeit erworbenen medizinischen Fachkenntnisse, konnte Stocks Möglichkeiten und Grenzen des Assistenznehmers ausloten die ihm vorher so nicht bewusst waren. Ihn begleitete daher auch die Frage nach der Individualität in der heilerziehungspflegerischen Arbeit. Wann muss man Grenzen anerkennen und wann sind sie verschiebbar?

Schlaich Preis Verleihung

Marko Stocks bei der Verleihung des Schlaich-Preises im November 2019

Im Rahmen dieses Projekts wurden zweifelsfrei Grenzen verschoben. Seinen Abschluss fand das Projekt dort, wo das Niederreißen von Grenzen und die Sehnsucht nach Freiheit programmatisch ist – auf einer Theaterbühne. Im Rahmen einer theatralischen Lesung im Theaterhaus Berlin Mitte las der Assistenznehmer aus “Der kleine Prinz”. Marko Stocks stellte im November 2019 seine Arbeit bei der Verleihung des Schlaich Preises in Potsdam vor. Den Abschluss bei Campus hatte er da schon länger in der Tasche. Die Begegnung mit Dr. Hüsemann und Torsten Fähnrich war also auch eine kleine Wiedersehensfeier. Eine Erinnerung an den Abschluss, während schon längst neue Anfänge gemacht sind.

 

Neue Ausstattung im Alboin Kontor des Standorts Südkreuz

Am Standort Alboin, Nebenstandort von Campus Südkreuz, gibt es mittlerweile eine neue Ausstattung. Nachdem dieser Nebenstandort bereits im Sommer 2018 vollständig saniert wurde, sind im Laufe des Jahres 2019 neue Möbel eingetroffen. Der Alboin Kontor wurde nach dem Design von byandydesign saniert und mit neuen Möbeln von softlinefurniture ausgestattet. Im Werkraum, der sich im Erdgeschoss befindet, können die Schüler*innen nun an massiven Tischen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und die leichten, rollenden Stühle machen sich ideal für handwerkliche Tätigkeiten. Dies stellen unsere Schüler*innen regelmäßig mit tollen Projekten unter Beweis, zum Beispiel beim Skulpturworkshop der SOR-Tage oder beim Erstellen von Traumwelten. Im großen Raum des Standorts befinden sich bequeme Bürostühle. Die neue Technik dafür steht bereits in den Startlöchern! Außerdem hat der Standort eine neue Küche bekommen. Diese wird sowohl von Schüler*innen als auch Lehrer*innen genutzt. Für Gruppenarbeiten, sportliche Aktivitäten oder sonstige Bedürfnisse nach alternativem Sitzen haben die Räumlichkeiten weiterhin Sitzhocker verschiedener Größen. So macht Schule Spaß!

 

       

 

Courage meets Soul

Ein Text von Friederike Aps 

Die Aktionstage als Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage (kurz SOR) 2019 sind am Samstag den 12.10. zu Ende gegangen. Dank einer konzentrierten Lernatmosphäre konnten nachhaltige Diskussionen geführt und tolle Lernerfolge erzielt werden. Wie jedes Jahr, fanden Workshops zu den Themen Zivilcourage sowie Rassismus und Diskriminierung im Alltag statt. Dieses Jahr fokussierten sich die Veranstalter der Campus SOR Tage auf das Thema Menschenrechte. Es gab unter anderem Workshops zum Thema Diversität in Comics, einen Crashkurs für Gebärdensprache und Kurse die sich mit unterschiedlichen Ansätzen, dem Thema Menschenrechte annäherten. Simone Zaugg, Kunstlehrerin, hat in den Jahren zuvor mit einem Graffitiworkshop die SOR Themen auf beeindruckende Weise visualisiert. In diesem Jahr entschied sie sich für einen neuen Ansatz. Sie gestaltete einen Kurs, der sich mit der Sprache der Plakate im Zeitalter von YouTube und Influencern beschäftigte. Besonders beliebt war der Workshop Transmenschen in der Pflege, wo sich der Frage nach dem Geschlecht angenähert wurde. Auch die SOR-Klassiker haben stattgefunden: es wurden wieder ungeahnte Schauspieltalente und tolle Sänger*innen unter den Schüler*innen entdeckt.

Boussa Thiam bringt SOR Soul bei

Campus Berlin kann sich über eine neue SOR- Patin freuen – die Moderatorin und Sängerin Boussa Thiam. An den Workshoptagen im September hat Boussa die Schule besucht und mit den Stimmen der Schüler*innen einen spannenden Podcast erstellt. Die enorme Sensibilität gegenüber den Themen Diskriminierung und Alltagsrassismus der Schüler*innen ist absolut bemerkenswert und spiegelt sich im Podcast wider. Den gab es am Präsentationstag auch direkt auf die Ohren – SOR von Schüler*innen für Schüler*innen. Das Bühnenprogramm wurde von den Teilnehmenden leidenschaftlich getragen und zeigte die Potentiale der Berufsschüler*innen von Campus Berlin auf vielfältige Weise. Der Auftritt von Boussa und ihrer Schwester N’gone als The Thiams war ein souliger Ausklang arbeitsreicher Projekttage: bei den kühlen Temperaturen lassen sich die Gründe für die geringe Teilnehmerzahl gegen Ende erahnen. The Thiams sind ein stimmgewaltiges Frauenduo mit tollen Vibes, welche die Energie vom Campus SOR Projekt weitertragen.

SOR erstmals für Teilzeitklassen

Es gab eine Besonderheit in diesem Jahr: da die berufsbegleitenden Klassen zuvor nicht an den SOR Tagen teilnehmen konnten, wurde beschlossen, einen weiteren SOR Tag an einem Samstag anzubieten. Samstag, der 12. Oktober stand also dieses Jahr ganz unter dem Motto Courage. Mit dieser Botschaft kann man nie deutlich genug werden – mit einer Schweigeminute wurde an diesem Tag den Opfern des Terroranschlags in Halle gedacht, der am Mittwoch zuvor zwei Menschen aus dem Leben riss.

Alltag einer Schulleiterin

Frau Philbert-Hasucha, Schulleiterin des Standortes Berlin Südkreuz von Campus Berlin, hat zehn Tage lang die Geschehnisse aus Ihrem Alltag notiert

So mancher fragt sich, was eine Schulleitung eigentlich den ganzen Tag macht. Ich mache selten Unterricht, begrüße hin und wieder neue Klassen oder verabschiede Examensklassen mit einem Glas Sekt. Ansonsten sieht man mich mit meiner Hündin Mila und in der Küche, wenn ich mir einen Kaffee hole. Ich kann Sie aber beruhigen – meine Chefs passen in der Tat auf, dass ich auch arbeite. Am besten versteht man wahrscheinlich den Alltag einer Schulleitung wenn man sich mal den Ablauf einzelner Tage anschaut. Deshalb habe ich einmal zehn Tage lang für Sie Tagebuch geführt!

MONTAG

Ein langer Wochenstart

Die Facharbeiten der Erzieher stehen an. Ich hatte eine Besprechung mit der Koordination für die Erzieherausbildung bezüglich der Themen. Im Anschluss bekamen wir Besuch von einem Kooperationspartner aus der Pflege, mit einer kleinen Delegation aus der Ukraine. Die Leitung der ukrainischen Pflegeschule ist sehr interessiert an unseren Ausbildungen. Für ein Treffen in der Senatsverwaltung, welche am Donnerstag ansteht, musste ich ein Konzept ausarbeiten.

Am Abend war ich bei einem informellen Abendessen des Vorstandes vom Pflegeschulbund (dem ich angehöre) und Vertretern der Senatsverwaltung Bildung  sowie der Senatorin Kalayci (früher Kolat) mit ihrer Staatssekretärin. Das Treffen fand anlässlich der Pflegeausbildungsreform statt. Die neue Ausbildung soll im Frühjahr 2020 starten und finanzielle sowie organisatorische Probleme sind zu besprechen.

Schulleiterin Philbert-Hasucha

Frau Philbert-Hasucha und Herr Griesbaum

DIENSTAG

Ein neuer Tag

Nach diesem langen Montag (das Essen ging bis 23 Uhr) war ich heute etwas müde. Aber der Alltag geht selbstverständlich weiter! Der Morgen begann mit einem Gespräch mit meinem Chef über diverse organisatorische Dinge. Anschließend hatte ich ein weiteres Gespräch mit unserer neuen SOR Patin Boussa Thiam. Es ging um ihre möglichen Aktivitäten und ihre Teilnahme am SOR-Tag im September. Danach hatte ich ein Gespräch mit der Lehrerin, welche für das Bonusprogramm zuständig ist, zur Abstimmung des Konzeptes für das Bonusprogramm, das wir am Donnerstag in der Senatsverwaltung vorstellen müssen. Am Nachmittag habe ich eine Lehrprobe begleitet. Eigentlich wäre da noch ein Nachmittagstermin zum „Salongespräch des Berliner Bündnisses für Pflege“ gewesen. Aber dazu war es dann zu spät.

MITTWOCH

Kalender sind das A und O

Heute habe ich mit Herrn Fähnrich, Koordinator für die Heilerziehungspflege, die Dokumente für die neue Zertifizierung des Leitungslehrganges besprochen. Es mussten Kalender für die zwei neuen Sozialassistentenklassen erstellt werden und auch eine Abstimmung mit dem Raumplan war erforderlich. Ich habe den Kalender für die neue berufsbegleitende Klasse im September erstellt und ausprobiert ob wir einen Tageskurs anbieten können. Das Ergebnis: ja das geht! Die Räume reichen aus. Danach habe ich mich mit unserem Administrator getroffen um die Verteilung und Registrierung von Schlüsseln und diverse Kleinigkeiten zu besprechen. Am Nachmittag war große Teamsitzung mit allen Mitarbeitern.

DONNERSTAG

Der Tag der Entscheidung

Heute war der große Tag! Es fiel die Entscheidung, ob unser Konzept für die Gelder aus dem Bonusprogramm angenommen wird. Dazu hatte ich einen Termin mit meinem Chef und der verantwortlichen Mitarbeiterin für die Lernwerkstatt bei der Senatsverwaltung für Bildung. Hurra! Das Konzept wurde angenommen. Das bedeutet, dass wir Gelder für den Aufbau einer Lernwerkstatt erhalten.

Am Nachmittag habe ich zu Hause einen ersten Entwurf für ein Anschreiben verfasst, welches an mögliche zukünftige Kooperationspartner für die neue Pflegeausbildung gehen soll. Ich habe noch ein paar Mails beantwortet aber dann früh Feierabend gemacht und war lange mit Mila spazieren.

Freitag und Samstag

Pflege im Umbruch

Es fand die Delegiertenversammlung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBFK) statt. Daran nahm ich als Vorstandsmitglied des DBFK Nord-Ost teil. Das wichtigste Thema war das Aktionsprogramm des Verbandes ‚Pflege 2020-2030‘.

Und wieder MONTAG

Alltag im Büro

Heute hatte ich keine festen Termine. Daher konnte ich diverse Büroarbeiten erledigen, wie zum Beispiel Zeugnisse und Verträge unterschreiben und Anfragen von Mitarbeitern beantworten. Ich habe den Brief für mögliche Kooperationspartner der neuen Pflegeausbildung fertig gestellt und die Absichtserklärung formuliert. Außerdem habe ich alle Mitarbeiter über das Vorgehen im Projekt Bonusprogramm‘ informiert. Dazu habe ich auch den Mitarbeiterworkshop zur Lernwerkstatt im August geplant.

DIENSTAG

Die Zukunft der Sozialassistenz

Der Alltag geht weiter: am Vormittag war der Hauptstadtkongress Pflege und Gesundheit. Am Nachmittag hatte ich eine Besprechung mit dem Sozialassistenten – Team über einen möglichen veränderten Schwerpunkt der Ausbildung. Anschließend habe ich neue Kurse und Mitarbeiter in Moodle Plattform eingepflegt.

MITTWOCH

Tag der Inspiration

Ich war wieder beim Hauptstadtkongress. Es fanden Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen und dem LaGeSo über die die Finanzierung der Pflegeschulen im Rahmen der neuen Pflegeausbildung statt. In den Verhandlungspausen, in denen sich die Krankenkassenvertreter langwierig beraten, habe ich diesen Blogbeitrag über meine Tätigkeiten geschrieben. Am Abend habe ich noch die Post gelesen und die wichtigsten Dinge beantwortet.

So schnell vergehen zehn Tage –  und damit endet mein öffentliches Tagebuch.

Die Heilerziehungspflege in Berlin: ein steiniger Weg

Ein Text von Friederike Aps 

Die Heilerziehungspflege ist ein Zukunftsberuf. Menschen mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen in ihrem täglichen Leben zu begleiten, macht Inklusion und Teilhabe möglich und damit das Ziel einer inklusiven Gesellschaft. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungender Vereinten Nationen ist seit mehr als zehn Jahren in Kraft. Seitdem wird fleißig geschraubt und gedreht, um Inklusionen in allen Lebensbereichen nachhaltig umzusetzen. Dafür wird gut ausgebildetes Fachpersonal benötigt. Doch diesbezüglich scheint man in Berlin anderer Meinung zu sein. Denn wer hier die Fachkraft für die Arbeit mit Behinderten werden will, wird nicht – wie anzunehmen wäre gefördert, sondern muss die Zähne zusammenbeißen. Viele Interessenten schrecken schon in der Bewerbungsphase zurück.

Ausbildung Heilerziehungspflege – ein Beruf mit Zukunft wird lebendig begraben

Da ist zum einen das Problem der Finanzierung. Auszubildende der Heilerziehungspflege sind weiterhin zur Zahlung von Schulgeld verpflichtet, während dies bei den Pflegeberufen und seit kurzem auch bei der Ausbildung Sozialpädagogik (Erzieher*in)abgeschafft wurde. Die berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflege dauert außerdem vier Jahre und ist damit ein Jahr länger als die zum/zur Erzieher*in. Als Erzieher*in kann man später auch im Bereich der Heilerziehungspflege arbeiten. Sie werden als Fachkräfte in der Behindertenhilfe anerkannt, obwohl sich Ausbildungsinhalte, die darauf vorbereiten, auf ein Minimum beschränken. Umgekehrt dürfen aber Heilerziehungspfleger*innen trotz einer umfangreichen pädagogischen Grundausbildung nicht in Kitas arbeiten. Und auch eine weitere Hürde macht die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger weniger attraktiv: Es ist in der Heilerziehungspflege laut der Ausbildungsprüfungsverordnung nicht möglich, das Kolloquium zur Facharbeit direkt zu wiederholen. Man müsste im Fall eines nicht bestandenen Kolloquiumsnoch ein halbes Jahr wiederholen, um seine Facharbeit nachzuschreiben und drei schriftliche Prüfungen erneut abzulegen. In der Praxis bedeutet das eine Verlängerung um ein Jahr, da die Ausbildung nicht halbjährlich angeboten wird. Angehende Erzieher*innen können ihren zweiten Versuch direkt starten. Interessenten der Heilerziehungspflege entscheiden sich also eher für die Erzieherausbildung.

Auch im Rahmen der generalistischen Pflege, welche 2020 in Kraft tritt, wird der Heilerziehungspflege kaum Beachtung geschenkt. Zusätzlich machen die neuen 2+2-Modelle Sorgen. Diese ermöglichen, dass man über die Ausbildung zum Sozialassistenten beziehungsweise Sozialpädagogen innerhalb von vier Jahren Erzieher*in werden kann. Das soll radikal vereinfachen, Erzieher*in ohne Abitur zu werden: bislang eine große Hürde auf dem Weg zu dieser Ausbildung. Die Modelle ermöglichen außerdem in der Sozialpädagogik, einen Bachelor zu machen. Dann hätte man zwei Abschlüsse in vier Jahren, während man bei der Heilerziehungspflegeausbildung nur einen Abschluss in der gleichen Zeit absolvieren würde.  Somit wäre es noch weniger attraktiv,die anspruchsvolle Ausbildung zum/r Heilerziehungspfleger*inzu absolvieren.

Heilerziehungspflegende wollen Zukunft mitgestalten

Ist das fair? Torsten Fähnrich, Koordinator für die Heilerziehungspflege bei Campus Berufsbildung e.V.,schüttelt resigniert den Kopf. Die politisch forcierten Hindernisse seien frustrierend, eine Erhöhung der Attraktivität dieses Berufs ist nicht abzusehen. Fähnrich ist seit 1996 in diesem Berufsfeld tätig. Zunächst in Form des Zivildienstes entdeckte er diese Arbeit schließlich für sich, man erfahre viel Dankbarkeit. Die Einsatzmöglichkeiten nach dieser Ausbildung sind sehr vielfältig. Es ist möglich in Wohneinrichtungen, betreuten Wohngemeinschaften, Beschäftigungs- und Fördereinrichtungen, in der Reisebegleitung oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Viele entscheiden sich nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder Bundesfreiwilligendienst für die Berufsausbildung. Einige möchten sich auch aus dem Beruf heraus weiter qualifizieren. Aber als Koordinator für diesen Ausbildungsgang muss Fähnrich oft tatenlos zuschauen, wie Interessierte sich trotz ihrer Motivation wieder gegen den Beruf entscheiden. Die Ausbildung birgt zu viele Hürden. Noch entstehen aktuell kontinuierlich Klassen, wenn auch mit geringer Schülerzahl. Es ist allerdings fraglich, ob es dabei bleiben wird, denn bald wird man in der Erzieherausbildung nicht nur vom Schulgeld befreit, sondern auch bezahlt. Das könnte für die Ausbildung der Heilerziehungspflege den Todesstoß bedeuten.

Was der Senat damit erreichen will ist eindeutig: dem akuten Notstand in den Kitas entgegenwirken. Aber muss das wirklich auf Kosten eines anderen Bildungsganges geschehen? Denn die Heilerziehungspflege ist ein lebendiger Beruf mit guten Jobperspektiven und vielen motivierten Bewerber*innen. Das Ansehen des Berufs würde angesichts der Inklusionsziele perspektivisch steigen. Es wäre weitaus klüger, diese Berufsausbildung zu fördern, anstatt interessierte und fähige Bewerber*innen zu verprellen. Fähnrich schlägt zum Beispiel vor, in einem weiteren 2+2-Modell, analog zur Sozialpädagogik einen Bachelor-Abschlussin Sonderpädagogik zu ermöglichen. Dann hätten ausgebildete Heilerziehungspfleger*innen an Schulen mit Inklusionsklassen attraktive Einsatzmöglichkeiten. Angesichts der Überforderung auf Seiten der Lehrer*innen wäre das sicher gern gesehen. Doch das erste Ziel der Politik scheint zu sein, den Mangel an Kitaplätzen zu beheben, ohne dabei Verluste auf anderen Ebenen zu berücksichtigen. Da den Ausbildungsbetrieben bewusst ist, dass ausgebildete Erzieher*innen auch als Fachkraft der Behindertenhilfe arbeiten dürfen, sehen auch diese keinen Handlungsbedarf – und das, obwohl es Erzieher*innen an einer elementaren Grundausbildung im medizinischen und pflegerischen Bereich mangelt. Spätestens an dieser Stelle müsste auch den Betrieben die Problematik klar werden.

Fähnrich beschreibt seinen Beruf als eine Arbeit, bei der kein Tag dem anderen gleiche. Eine Tätigkeit voller Herausforderungen, bei der man auf allen Ebenen, von der Medizin bis zur Pädagogik, Wissen abrufen und danach handeln sowie sich mit vielen, unterschiedlichen Krankheitsbildern, pädagogischen Ansätzen und Maßnahmen auseinandersetzen müsse. Der Beruf habe sich in den letzten 30 Jahren massiv gewandelt, die Bedingungen in den Einrichtungen haben sich grundlegend geändert. Top ausgebildete Heilerziehungs-pfleger*innen, sollten gefragter sein denn je. Blieben die Bedingungen in Berlin allerdings so wie aktuell, konstatiert Fähnrich, dann überlebe die Ausbildung nicht mehr das Jahr 2020.

Jamil Hammoud erzählt was er bei Campus besonders toll fand und wo er heute arbeitet

Jamil Hammoud wollte sich weiterbilden und interessierte sich außerdem für kaufmännische Berufe – perfekte Voraussetzungen für eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten bei Campus. Dieser Abschluss macht nun den Weg zu seinem Ziel frei, Automobilverkäufer zu werden. Er befindet sich derzeit in dieser Berufsausbildung. Daran macht ihm am meisten der Umgang mit den Kunden Freude – und dass er seine Leidenschaft für Autos zum Beruf machen kann. Bei Campus hat ihm am Besten gefallen, dass der Stundenplan in wöchentliche Module eingeteilt wurde. Denn mit diesem System konnte man sich immer voll und ganz auf ein Thema konzentrieren. Am Ende der Woche wurde der Themenblock mit einer Klausur abgeschlossen. Besonders nützlich für seine derzeitige Tätigkeit, ist für ihn das bei Campus unterrichtete Business English, welches ihm beim Erstellen von Fahrzeugangeboten für Kunden aus dem Ausland hilft. Auch der Unterricht im Umgang mit Excel und die Fächer, welche rechtliche Grundlagen rund um das Erstellen von Verträgen behandelt haben, sind für seine derzeitigen Alltag im Beruf wichtig. Damit hat die Ausbildung bei Campus eine elementare Grundlage für seine berufliche Expertise geschaffen. Besonders die Lehrer*innen, welche mit Freude und Lebensenergie an den Unterricht herangehen, haben Jamil im Laufe seiner Ausbildung bei Campus motiviert. Eine tolle Erfahrung war außerdem der Herbstball, eine Veranstaltung mit schönen Momenten. Außerdem haben die Lehrer*innen Frau Schilli, Frau Hirt, Herr Bergemann und viele weitere seine Ausbildungszeit zu einer besonderen Zeit gemacht – sowie sein leider im Jahr 2014 verstorbener Klassenkamerad Ayman, ohne den die Zeit bei Campus nur halb so schön gewesen wäre.