Sprungbrett Sozialassistent

Unser Schüler Lukas* sattelte um – vom Metalltechniker zum Sozialassistent. Im Mai 2020 startete er seine Ausbildung bei Campus Berlin. Aber Lukas bringt nicht nur seinen Rucksack mit in die Schule sondern auch zwei Dolmetscher

* Name von der Redaktion geändert


Seine Interessen lagen immer mehr bei den Naturwissenschaften. Er schloss die Ausbildung zum Metallmechaniker ab und begann sich zu bewerben. Doch beim Metallmechanikerberuf. gab es zu viele Barrieren. Denn Lukas ist gehörlos und sah sich im technischen Bereich nicht aufgehoben.

Gemeinsam mit seiner Arbeitsassistenz entschied er, sich verschiedene Bereiche anzuschauen. Dann stellten sie fest, dass der soziale Bereich gut zu ihm passen könnte – denn hier ist er nicht auf sich gestellt und kann mit und für Menschen arbeiten. Also absolvierte er verschiedene Praktika und bekam anschließend die Empfehlung im sozialen Bereich eine Ausbildung zu machen. Nach einiger Recherche entschied er sich, seine Ausbildung zum Sozialassistenen bei Campus zu beginnen. Die Entscheidung fiel auf Campus Berlin, weil unsere  Schule bei Lukas einen guten Eindruck erweckte. Ihm gefiel das „Auftreten“ der Schule und er hatte das Gefühl, dass er hier gut aufgehoben ist. Besonders die Möglichkeit mit der Ausbildung zum Sozialassistenten seinen MSA nachzuholen und den Unterricht mit Dolmetscher besuchen zu können, überzeugte ihn davon diesen Beruf an unserer Schule zu erlernen.

Ausbildungsstart in besonderen Zeiten

Aufgrund der Umstände, welche durch die Corona Pandemie entstanden, war der Schulalltag zunächst anders als erwartet. Die Klasse wurde in zwei Hälften geteilt oder arbeitete auch von zu Hause.

Nach so kurzer Zeit lässt sich schwer sagen, welche Fächer Lukas‘ Lieblingsfächer sind. Früher waren das Erdkunde und Naturwissenschaften – nun muss er sich neu orientieren. Besonders gefällt Lukas das Lernfeld 1, denn hier geht es um persönliche Erfahrungen. Auch die Vielfalt der Fächer sagt Lukas zu. Jedoch bringt das auch Herausforderungen mit sich. So muss Lukas nun eine lange Liste an unbekannten Wörtern lernen. Dies verspricht allerdings mit der Routine und der zunehmenden Bekanntheit der Thematik besser zu werden.

Der Schulalltag in einer hörenden Klasse ist durchaus von Herausforderungen geprägt. Um keine Informationen zu verpassen ist eine ständige Fixierung auf die Dolmetscher notwendig. Wenn jedoch die Lehrkraft spricht und es gleichzeitig erforderlich ist, etwas mitzuschreiben oder zu lesen, dann entsteht ein Gefühl der Überforderung. Hinzu kommen die unbekannten Fachwörter, welche er notieren muss. Dabei dem Unterricht zu folgen ist äußerst schwierig.

Unterricht mit Dolmetscher

Besonders problematisch ist das, wenn Lehrende sowie Schüler*innen sehr schnell sprechen oder nicht auf die Kommunikationswege achten. Hier muss dann darauf hingewiesen werden, dass es wichtig ist, gut hörbar für die Dolmetscher, hintereinander und in einem angemessenen Tempo zu sprechen. Andernfalls gehen Informationen verloren, oder kommen erst später bei Lukas an.

Die Zusammenarbeit mit den beiden Dolmetschern verläuft gut für ihn, sie schreiben auch Beispiele auf oder Definitionen auf, falls dort Bedarf besteht. Auch die Lehrkräfte erweitern ihren Unterricht, um diese Barrieren zu durchbrechen. So gibt es die Bereitschaft langsamer zu sprechen und bestimmte Wörter genauer zu erklären. Jedoch fällt dies nicht jedem Lehrenden leicht. So gibt es auch schwierige Situationen, erklärt Lukas. Es scheint, als habe nicht jede Lehrkraft ausreichend Wissen über Gehörlosigkeit um den Unterricht entsprechend gestalten zu können. Das verursacht Unsicherheiten. Probleme die auftreten können, sind unter anderem die verzögerte Kommunikation, auf die Rücksicht genommen werden müsste. Außerdem braucht Lukas Beispiele um alles zu verstehen und inhaltlich gut folgen zu können. Und auch bei anderen Situationen fühlt sich Lukas noch nicht ausreichend verstanden. So bekam er bei einem Test keinen Nachteilsausgleich und er konnte die Begründung der Lehrkraft – nämlich das alle gleich behandelt werden sollen – nicht ausreichend nachvollziehen.

Hier ist es gut, dass der Schüler mit seinem Klassenlehrer einen vertrauen Ansprechpartner hat. Mit ihm war er von Beginn an regelmäßig in 4 – Augen Gesprächen um Bedürfnisse zu besprechen und Erforderlichkeiten zu prüfen. Diese Gespräche sind immer wieder von Nöten, erklärt Lukas. Denn nur wenn das, was er braucht auch immer wieder erklärt, besteht eine Chance, dass die Situation für ihn einfacher wird. Das sei anstrengend, so Lukas, aber unabdingbar.


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