Archiv für den Monat: Juni 2019

Der Weg zum „Ende der Welt“ im Norden Sibiriens

„Was wollt Ihr denn da?“
„Seid Ihr verrückt?“
„Ist das nicht gefährlich?“

Genau solche Fragen hörten Frau Ladenkova und Frau Schulz öfters. Aber wer ein Abenteuer will, lässt sich davon nicht abbringen!

Das Abenteuer beginnt schon in Berlin

Flug buchen (easy!), Hinfahrt in eine abgeschiedene Gegend organisieren (mit vorhandenen Russischkenntnissen – in Ordnung!), Visum beantragen (auch in Ordnung!) und passende Kleidung beschaffen (oh oh…).
Der Weg zum „Ende der Welt“ im Norden SibiriensWas zieht man bloß bei bis zu minus -35 Grad Celsius an?

Zum Glück hat man Freunde, die gerne in den Winterurlaub fahren und einen was leihen können. Ein bisschen Shopping ist ja auch nicht schlimm 😉

Sie sind für alles gewappnet und es kann losgehen!

 

Der Weg zum nördlichen Polarkreis ist anstrengend und lang:

  • Flug von Berlin nach Moskau
  • eine lange Nacht am Flughafen in Moskau
  • nächster Flug nach Salekhard

Klingt doch nicht so schlimm…

Der abenteuerliche Teil kommt jetzt:  

Mit einer Jeep Karawane geht es vom Flughafen losWas für große Autos! Müde, aber voller Spannung freuen sie sich auf die 5-stündige Fahrt in den Ort Salemal.

Die Fahrt führte über den zugefrorenen Fluss Obj. Es ist doch etwas wärmer als normalerweise um diese Zeit des Jahres. Ist doch toll – Muss man sich nicht ganz so dick einpacken!

Leider heißt es auch, dass die Flüsse antauen. Der Jeep der beiden bleibt stecken! Sie sind mitten in Sibirien bei Minusgraden und keinen Städten weit und breit.

„Was ist, wenn wir hier nicht mehr rauskommen? Wenn wir erfrieren? Verhungern? Wenn die Bären oder Wölfe kommen?„

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Campus im Norden Sibiriens

Die Jamal-Halbinseln befinden sich weit über dem nördlichen Polarkreis im Norden Sibiriens –  ein abgeschiedener Ort mitten im Permafrost. Es herrschen Temperaturen bis zu minus 70 Grad Celsius. Das ist die Heimat der Nenzen, die als nomadische Rentierhirten noch immer durch die Tundra ziehen.

Campus in Sibirien

Unsere Mitarbeiterinnen Frau Ladenkova und Frau Schulz vom Campus Charlottenburg sind abenteuerlustige Frauen. Sie entdecken gemeinsam die Welt – und diesmal sogar das Ende der Welt, denn genau das bedeutet Jamal in der Sprache der Einheimischen.

Lesen Sie in unserem Blog, wie die beiden von Berlin nach Sibirien kamen, die Autofahrt auf einem zugefrorenen Fluss überstanden und die traditionelle Lebensweise des Volkes der Nenzen kennenlernten!

Der zugefrorene Fluss Campus Berlin

 

Die Heilerziehungspflege in Berlin: ein steiniger Weg

Die Heilerziehungspflege ist ein Zukunftsberuf. Menschen mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen in ihrem täglichen Leben zu begleiten, macht Inklusion und Teilhabe möglich und damit das Ziel einer inklusiven Gesellschaft. Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungender Vereinten Nationen ist seit mehr als zehn Jahren in Kraft. Seitdem wird fleißig geschraubt und gedreht, um Inklusionen in allen Lebensbereichen nachhaltig umzusetzen. Dafür wird gut ausgebildetes Fachpersonal benötigt. Doch diesbezüglich scheint man in Berlin anderer Meinung zu sein. Denn wer hier die Fachkraft für die Arbeit mit Behinderten werden will, wird nicht – wie anzunehmen wäre gefördert, sondern muss die Zähne zusammenbeißen. Viele Interessenten schrecken schon in der Bewerbungsphase zurück.

Ausbildung Heilerziehungspflege – ein Beruf mit Zukunft wird lebendig begraben

Da ist zum einen das Problem der Finanzierung. Auszubildende der Heilerziehungspflege sind weiterhin zur Zahlung von Schulgeld verpflichtet, während dies bei den Pflegeberufen und seit kurzem auch bei der Ausbildung Sozialpädagogik (Erzieher*in)abgeschafft wurde. Die berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflege dauert außerdem vier Jahre und ist damit ein Jahr länger als die zum/zur Erzieher*in. Als Erzieher*in kann man später auch im Bereich der Heilerziehungspflege arbeiten. Sie werden als Fachkräfte in der Behindertenhilfe anerkannt, obwohl sich Ausbildungsinhalte, die darauf vorbereiten, auf ein Minimum beschränken. Umgekehrt dürfen aber Heilerziehungspfleger*innen trotz einer umfangreichen pädagogischen Grundausbildung nicht in Kitas arbeiten. Und auch eine weitere Hürde macht die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger weniger attraktiv: Es ist in der Heilerziehungspflege laut der Ausbildungsprüfungsverordnung nicht möglich, das Kolloquium zur Facharbeit direkt zu wiederholen. Man müsste im Fall eines nicht bestandenen Kolloquiumsnoch ein halbes Jahr wiederholen, um seine Facharbeit nachzuschreiben und drei schriftliche Prüfungen erneut abzulegen. In der Praxis bedeutet das eine Verlängerung um ein Jahr, da die Ausbildung nicht halbjährlich angeboten wird. Angehende Erzieher*innen können ihren zweiten Versuch direkt starten. Interessenten der Heilerziehungspflege entscheiden sich also eher für die Erzieherausbildung.

Auch im Rahmen der generalistischen Pflege, welche 2020 in Kraft tritt, wird der Heilerziehungspflege kaum Beachtung geschenkt. Zusätzlich machen die neuen 2+2-Modelle Sorgen. Diese ermöglichen, dass man über die Ausbildung zum Sozialassistenten beziehungsweise Sozialpädagogen innerhalb von vier Jahren Erzieher*in werden kann. Das soll radikal vereinfachen, Erzieher*in ohne Abitur zu werden: bislang eine große Hürde auf dem Weg zu dieser Ausbildung. Die Modelle ermöglichen außerdem in der Sozialpädagogik, einen Bachelor zu machen. Dann hätte man zwei Abschlüsse in vier Jahren, während man bei der Heilerziehungspflegeausbildung nur einen Abschluss in der gleichen Zeit absolvieren würde.  Somit wäre es noch weniger attraktiv,die anspruchsvolle Ausbildung zum/r Heilerziehungspfleger*inzu absolvieren.

Heilerziehungspflegende wollen Zukunft mitgestalten

Ist das fair? Torsten Fähnrich, Koordinator für die Heilerziehungspflege bei Campus Berufsbildung e.V.,schüttelt resigniert den Kopf. Die politisch forcierten Hindernisse seien frustrierend, eine Erhöhung der Attraktivität dieses Berufs ist nicht abzusehen. Fähnrich ist seit 1996 in diesem Berufsfeld tätig. Zunächst in Form des Zivildienstes entdeckte er diese Arbeit schließlich für sich, man erfahre viel Dankbarkeit. Die Einsatzmöglichkeiten nach dieser Ausbildung sind sehr vielfältig. Es ist möglich in Wohneinrichtungen, betreuten Wohngemeinschaften, Beschäftigungs- und Fördereinrichtungen, in der Reisebegleitung oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Viele entscheiden sich nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder Bundesfreiwilligendienst für die Berufsausbildung. Einige möchten sich auch aus dem Beruf heraus weiter qualifizieren. Aber als Koordinator für diesen Ausbildungsgang muss Fähnrich oft tatenlos zuschauen, wie Interessierte sich trotz ihrer Motivation wieder gegen den Beruf entscheiden. Die Ausbildung birgt zu viele Hürden. Noch entstehen aktuell kontinuierlich Klassen, wenn auch mit geringer Schülerzahl. Es ist allerdings fraglich, ob es dabei bleiben wird, denn bald wird man in der Erzieherausbildung nicht nur vom Schulgeld befreit, sondern auch bezahlt. Das könnte für die Ausbildung der Heilerziehungspflege den Todesstoß bedeuten.

Was der Senat damit erreichen will ist eindeutig: dem akuten Notstand in den Kitas entgegenwirken. Aber muss das wirklich auf Kosten eines anderen Bildungsganges geschehen? Denn die Heilerziehungspflege ist ein lebendiger Beruf mit guten Jobperspektiven und vielen motivierten Bewerber*innen. Das Ansehen des Berufs würde angesichts der Inklusionsziele perspektivisch steigen. Es wäre weitaus klüger, diese Berufsausbildung zu fördern, anstatt interessierte und fähige Bewerber*innen zu verprellen. Fähnrich schlägt zum Beispiel vor, in einem weiteren 2+2-Modell, analog zur Sozialpädagogik einen Bachelor-Abschlussin Sonderpädagogik zu ermöglichen. Dann hätten ausgebildete Heilerziehungspfleger*innen an Schulen mit Inklusionsklassen attraktive Einsatzmöglichkeiten. Angesichts der Überforderung auf Seiten der Lehrer*innen wäre das sicher gern gesehen. Doch das erste Ziel der Politik scheint zu sein, den Mangel an Kitaplätzen zu beheben, ohne dabei Verluste auf anderen Ebenen zu berücksichtigen. Da den Ausbildungsbetrieben bewusst ist, dass ausgebildete Erzieher*innen auch als Fachkraft der Behindertenhilfe arbeiten dürfen, sehen auch diese keinen Handlungsbedarf – und das, obwohl es Erzieher*innen an einer elementaren Grundausbildung im medizinischen und pflegerischen Bereich mangelt. Spätestens an dieser Stelle müsste auch den Betrieben die Problematik klar werden.

Fähnrich beschreibt seinen Beruf als eine Arbeit, bei der kein Tag dem anderen gleiche. Eine Tätigkeit voller Herausforderungen, bei der man auf allen Ebenen, von der Medizin bis zur Pädagogik, Wissen abrufen und danach handeln sowie sich mit vielen, unterschiedlichen Krankheitsbildern, pädagogischen Ansätzen und Maßnahmen auseinandersetzen müsse. Der Beruf habe sich in den letzten 30 Jahren massiv gewandelt, die Bedingungen in den Einrichtungen haben sich grundlegend geändert. Top ausgebildete Heilerziehungs-pfleger*innen, sollten gefragter sein denn je. Blieben die Bedingungen in Berlin allerdings so wie aktuell, konstatiert Fähnrich, dann überlebe die Ausbildung nicht mehr das Jahr 2020.

Deine Campus Story – Ehemalige berichten

Diesmal: Jamil Hammoud erzählt was er bei Campus besonders toll fand und wo er heute arbeitet

Jamil Hammoud wollte sich weiterbilden und interessierte sich außerdem für kaufmännische Berufe – perfekte Voraussetzungen für eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten bei Campus. Dieser Abschluss macht nun den Weg zu seinem Ziel frei, Automobilverkäufer zu werden. Er befindet sich derzeit in dieser Berufsausbildung. Daran macht ihm am meisten der Umgang mit den Kunden Freude – und dass er seine Leidenschaft für Autos zum Beruf machen kann. Bei Campus hat ihm am Besten gefallen, dass der Stundenplan in wöchentliche Module eingeteilt wurde. Denn mit diesem System konnte man sich immer voll und ganz auf ein Thema konzentrieren. Am Ende der Woche wurde der Themenblock mit einer Klausur abgeschlossen. Besonders nützlich für seine derzeitige Tätigkeit, ist für ihn das bei Campus unterrichtete Business English, welches ihm beim Erstellen von Fahrzeugangeboten für Kunden aus dem Ausland hilft. Auch der Unterricht im Umgang mit Excel und die Fächer, welche rechtliche Grundlagen rund um das Erstellen von Verträgen behandelt haben, sind für seine derzeitigen Alltag im Beruf wichtig. Damit hat die Ausbildung bei Campus eine elementare Grundlage für seine berufliche Expertise geschaffen. Besonders die Lehrer*innen, welche mit Freude und Lebensenergie an den Unterricht herangehen, haben Jamil im Laufe seiner Ausbildung bei Campus motiviert. Eine tolle Erfahrung war außerdem der Herbstball, eine Veranstaltung mit schönen Momenten. Außerdem haben die Lehrer*innen Frau Schilli, Frau Hirt, Herr Bergemann und viele weitere seine Ausbildungszeit zu einer besonderen Zeit gemacht – sowie sein leider im Jahr 2014 verstorbener Klassenkamerad Ayman, ohne den die Zeit bei Campus nur halb so schön gewesen wäre.