Archiv für den Tag: 10. Februar 2011

Zum Lehrer geboren

Bildung ist bereits seit Jahrzehnten ein vieldiskutiertes Thema und insbesondere Gegenstand zahlreicher Reformdebatten. Beinahe täglich gibt es neue Ansätze, neue Modifikationen des deutschen Bildungssystems, jedoch hat sich die Situation in den Schulen weitgehend nicht verbessert.

Das Bildungsniveau sinkt, die Motivation der Schüler nimmt ab, aber was noch viel dramatischer ist, die der Lehrer auch. Burn-out-Syndrom und Totalausfälle sind schon lange keine Seltenheit.

Das Magazin GEO veröffentlichte in der letzten Ausgabe zum Thema Bildung einen überaus interessanten Artikel „Die guten Lehrer – Es gibt sie doch!“.

Christoph Kucklick, der Autor des Artikels, bringt es auf den Punkt:„Lehrer müssen Multikönner und Multitasker sein“.

Infolgedessen ergibt sich die Frage: Welche Kompetenzen sollte ein guter Lehrer haben? Ist das Lehramtstudium ausreichend für die Ausübung des Berufes oder sollte man zum Lehrer geboren sein?

Fakt ist, dass ein überragendes Fachwissen verknüpft mit didaktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten von enormer Wichtigkeit sind, aber bei Weitem nicht ausreichen. Was entscheidend ist und den Unterschied ausmacht, ist die Begeisterung für das Fach, aber auch die Gewandtheit, diese Begeisterung, diese Leidenschaft auf die Schüler zu übertragen, ohne sich andererseits von dem Stress überwältigen zu lassen.

Darüber hinaus ist es der soziale Aspekt, an dem die meisten scheitern. Der Umgang mit den Schülern und deren Eltern, die sozialen Hintergründe zu verstehen und auf die Schüler als Individuum einzugehen – diese Kompetenzen werden bislang im Studium vernachlässigt, denn der erste Kontakt mit den Schülern erfolgt erst nach dem Studium.

Falsche Beweggründe für ein Lehramtstudium, schwächere Lehrer werden schwächeren Schülern zugeteilt und Unterrichtsmaterialien, die bereits seit 30 Jahren eingesetzt werden, sind nur einige Beispiele, die die zugespitzte Situation im Bildungssystem demonstrieren.

Fazit:

Tatsache ist, dass nicht jeder für diesen Beruf geeignet ist. Zweifellos können sich während des Studiums gewisse Fertigkeiten angeeignet werden, jedoch nicht die Leidenschaft und die Entschlossenheit, junge Menschen zu motivieren, zu inspirieren und zu offenbaren, dass jeder zu Spitzenleistungen fähig ist.

Mit den Worten von Professor Dr. Eberhard Meumann abschließend:

„Erfolge institutionalisierter Bildung sind weitgehend abhängig von der Qualität der Lehre, und diese wird wesentlich bestimmt durch die Qualifikation der Lehrkräfte. Qualifikation ist hier im umfassenden Sinne zu verstehen, geht es doch um

  • die persönliche Ausstrahlung,
  • die soziale Kompetenz,
  • das fachliche Know-how und
  • das pädagogisch-psychologische Wissen und Können, die didaktischen Fähigkeiten der Lehrkräfte.“

 „Eine Schule ist so gut wir ihre Lehrer. Dies gilt für die Grundschule ebenso wie für das Gymnasium oder die Hochschule und natürlich auch für private Bildungsanbieter.“

(aus E. Meumann: „Kurzer Leitfaden für Lehrkräfte des beruflichen Gymnasiums und der Berufsfachschulen für kaufmännische und technische Assistenten“ , Berlin 2010)