Sprungbrett Sozialassistent

Unser Schüler Lukas* sattelte um – vom Metalltechniker zum Sozialassistent. Im Mai 2020 startete er seine Ausbildung bei Campus Berlin. Aber Lukas bringt nicht nur seinen Rucksack mit in die Schule sondern auch zwei Dolmetscher

* Name von der Redaktion geändert


Seine Interessen lagen immer mehr bei den Naturwissenschaften. Er schloss die Ausbildung zum Metallmechaniker ab und begann sich zu bewerben. Doch beim Metallmechanikerberuf. gab es zu viele Barrieren. Denn Lukas ist gehörlos und sah sich im technischen Bereich nicht aufgehoben.

Gemeinsam mit seiner Arbeitsassistenz entschied er, sich verschiedene Bereiche anzuschauen. Dann stellten sie fest, dass der soziale Bereich gut zu ihm passen könnte – denn hier ist er nicht auf sich gestellt und kann mit und für Menschen arbeiten. Also absolvierte er verschiedene Praktika und bekam anschließend die Empfehlung im sozialen Bereich eine Ausbildung zu machen. Nach einiger Recherche entschied er sich, seine Ausbildung zum Sozialassistenen bei Campus zu beginnen. Die Entscheidung fiel auf Campus Berlin, weil unsere  Schule bei Lukas einen guten Eindruck erweckte. Ihm gefiel das „Auftreten“ der Schule und er hatte das Gefühl, dass er hier gut aufgehoben ist. Besonders die Möglichkeit mit der Ausbildung zum Sozialassistenten seinen MSA nachzuholen und den Unterricht mit Dolmetscher besuchen zu können, überzeugte ihn davon diesen Beruf an unserer Schule zu erlernen.

Ausbildungsstart in besonderen Zeiten

Aufgrund der Umstände, welche durch die Corona Pandemie entstanden, war der Schulalltag zunächst anders als erwartet. Die Klasse wurde in zwei Hälften geteilt oder arbeitete auch von zu Hause.

Nach so kurzer Zeit lässt sich schwer sagen, welche Fächer Lukas‘ Lieblingsfächer sind. Früher waren das Erdkunde und Naturwissenschaften – nun muss er sich neu orientieren. Besonders gefällt Lukas das Lernfeld 1, denn hier geht es um persönliche Erfahrungen. Auch die Vielfalt der Fächer sagt Lukas zu. Jedoch bringt das auch Herausforderungen mit sich. So muss Lukas nun eine lange Liste an unbekannten Wörtern lernen. Dies verspricht allerdings mit der Routine und der zunehmenden Bekanntheit der Thematik besser zu werden.

Der Schulalltag in einer hörenden Klasse ist durchaus von Herausforderungen geprägt. Um keine Informationen zu verpassen ist eine ständige Fixierung auf die Dolmetscher notwendig. Wenn jedoch die Lehrkraft spricht und es gleichzeitig erforderlich ist, etwas mitzuschreiben oder zu lesen, dann entsteht ein Gefühl der Überforderung. Hinzu kommen die unbekannten Fachwörter, welche er notieren muss. Dabei dem Unterricht zu folgen ist äußerst schwierig.

Unterricht mit Dolmetscher

Besonders problematisch ist das, wenn Lehrende sowie Schüler*innen sehr schnell sprechen oder nicht auf die Kommunikationswege achten. Hier muss dann darauf hingewiesen werden, dass es wichtig ist, gut hörbar für die Dolmetscher, hintereinander und in einem angemessenen Tempo zu sprechen. Andernfalls gehen Informationen verloren, oder kommen erst später bei Lukas an.

Die Zusammenarbeit mit den beiden Dolmetschern verläuft gut für ihn, sie schreiben auch Beispiele auf oder Definitionen auf, falls dort Bedarf besteht. Auch die Lehrkräfte erweitern ihren Unterricht, um diese Barrieren zu durchbrechen. So gibt es die Bereitschaft langsamer zu sprechen und bestimmte Wörter genauer zu erklären. Jedoch fällt dies nicht jedem Lehrenden leicht. So gibt es auch schwierige Situationen, erklärt Lukas. Es scheint, als habe nicht jede Lehrkraft ausreichend Wissen über Gehörlosigkeit um den Unterricht entsprechend gestalten zu können. Das verursacht Unsicherheiten. Probleme die auftreten können, sind unter anderem die verzögerte Kommunikation, auf die Rücksicht genommen werden müsste. Außerdem braucht Lukas Beispiele um alles zu verstehen und inhaltlich gut folgen zu können. Und auch bei anderen Situationen fühlt sich Lukas noch nicht ausreichend verstanden. So bekam er bei einem Test keinen Nachteilsausgleich und er konnte die Begründung der Lehrkraft – nämlich das alle gleich behandelt werden sollen – nicht ausreichend nachvollziehen.

Hier ist es gut, dass der Schüler mit seinem Klassenlehrer einen vertrauen Ansprechpartner hat. Mit ihm war er von Beginn an regelmäßig in 4 – Augen Gesprächen um Bedürfnisse zu besprechen und Erforderlichkeiten zu prüfen. Diese Gespräche sind immer wieder von Nöten, erklärt Lukas. Denn nur wenn das, was er braucht auch immer wieder erklärt, besteht eine Chance, dass die Situation für ihn einfacher wird. Das sei anstrengend, so Lukas, aber unabdingbar.


Du willst mehr über unsere Schüler*innen erfahren? Marco ist Heilerziehungspfleger und hat einen Preis gewonnen. 

Zusammen meistern wir die Krise

Der schnelle Wechsel auf den Online-Unterricht hat das gesamte Team vor große Herausforderungen gestellt. Glücklicherweise haben wir mit Hilfe unseres IT-Administrators schnell die Technik in den Griff bekommen. Wir stehen seit Beginn der Corona-Krise in engem Kontakt zu unseren Klassen und haben individuelle Lösungen gesucht, wenn es mal mit der Technik nicht klappte oder sonstige Hindernisse gab.

Im Zuge dessen hatte ich als stellvertretende Schulleitung immer wieder Mailkontakt mit unseren Schülern und Schülerinnen. Einmal sollten sie im Deutschunterricht „Corona-Mails“ schreiben –sie sollten beschrieben, wie es ihnen ging in der (Anfangs)Situation, wie sie damit umgegangen sind usw. Außerdem haben manche Klassen oder einzelne Schüler Anfragen geschickt oder hatten Klärungsbedarf.

Hier einige Statements aus dieser Korrespondenz:

Statement Krise KBM1 Statement Krise KBM2 Statement Krise KBM3 Statement Krise KBM4 Statement Krise KBM5 Statement Krise KBM6

Ohne die Mitarbeit aller Beteiligten, also der Lehrkräfte,  der Schülerschaft und der Verwaltungsmitarbeiter und –mitarbeiterinnen hätten wir das nicht geschafft.

Ein großes Dankeschön an alle!

Peggy Fehily
Stellvertretende Schulleitung, Dreijährige Kaufmännische Berufsfachschule

Die Lernwerkstatt bei Campus

Das übergreifende Schulkonzept für eine Lernwerkstatt wurde am Standort Geneststraße erfolgrreich umgesetzt. Für jeden Bildungsgang (Erzieher, Sozialassistent, Heilerziehungspflege, Altenpflege ( Pflegefachkraft) sowie für die Fort- und Weiterbildungen sind Konzepte und Mustersituationen entwickelt worden.

Die Lernwerkstatt ist als Raum gedacht, in dem sich Schüler*innen und Lehrkräfte gleichermaßen mit den Materialien beschäftigen und sich individuell und selbstständig fortbilden können.

Ein Raum für selbstständiges Fortbilden

Die Lehrkräfte von Campus Berlin haben hierfür Methoden und Sequenzen entwickelt, welche nun selbstständig bearbeitet werden können. Die Methoden wurden für die Bereiche Sprache, Naturwissenschaften, Mathematik und Digitale Medien entwickelt.

Im Bereich Digitale Medien kann man seine Grundkompetenzen hinterfragen und diese enstprechend fördern. Das erfolgt in verschiedenen Abstufungen und orientiert sich am Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke, welches sich aus den Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung definiert.

Mathe lernen leicht gemacht

Im Bereich Mathematik hat man ein Konzept entwickelt, um Prozentrechnung zu erlernen. Dabei orientierte sich die Gruppe an einer visuellen Methode, die den Wunsch danach diese Rechenart zu beherrschen verstärken soll, indem zum Beispiel ausgedrückt werden möchte, wieviel Prozent Frauen auf einem bestimmten Bild zu sehen sind. Eingesetzt werden weiterhin, beispielsweise Würfelspiele, Formelkärtchen. Zudem wird die Nutzung einer Mathe-App angestrebt.

Naturwissenschaft praxisnah

In der Gruppe Naturwissenschaft beschäftigte man sich mit einer Methode, welche auf Stationenarbeit basiert. Durch praktisches Tun soll das Interesse und Verständnis gefördert werden, die einzelnen Methoden werden in Schränken aufbewahrt, welche flexibel einsetzbar sein sollen. Es soll eine mobile Entspannungsecke geben um die Kreativität der Lernenden zu fördern.  Bei dieser Gruppe soll zudem die Idee des Schüler*innenmenorats greifen. In Planung ist die Einrichtung eines Aquariums oder Terrariums, gepflegt durch die Schüler*innen.

Im Bereich Deutsch hat man sich mit der Förderung von Grundkompetenzen im Bereich Rechtschreibung über Musik beschäftigt. Die Lieder werden von den Schüler*innen gehört und mit einem Lückentext vervollständigt. Mit einer Korrekturschablone kann selbstständig korrigiert werden.

 

Schritt für schritt zurück

Schritt für Schritt zurück

Nach vielen Wochen im Home-Schooling kehren auch wir nun langsam zum Präsenzunterricht zurück. Wir werden dies in kleinen Schritten und unter strikter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln tun.

Wir freuen uns darauf, Sie nach langer Zeit wieder persönlich zu sehen. Jedoch ist uns das Wohl aller Schüler, Teilnehmer, Lehrer, Dozenten und Mitarbeiter ein überaus wichtiges Anliegen. Daher wurden bereits umfangreiche Vorkehrungen für die Abstandswahrung und die Hygiene getroffen.
Auch wird es einige Regeln geben, an die Sie und wir uns im Interesse aller halten werden.

Über diese Regeln sowie auch die Termine, an denen Ihre Klasse Präsenzunterricht hat, werden Sie von Ihrer Teilnehmerbetreuung bzw. Ihrer Klassenleitung informiert.

Lassen Sie uns gemeinsam und aufeinander achtend den Weg zurück zur Normalität beschreiten, an dessen Ende weiterhin als wichtigstes Ziel Ihr erfolgreicher Abschluss steht.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Campus-Team

Digitalisierung bei Campus Berlin

Bei Campus Berufsbildung e.V. wurde die Digitalisierung schon vor Corona groß geschrieben. Mit Förderungen hat die Schule viel daran gesetzt, die Ausstattung mit digitalen Geräten zu erweitern. Mittlerweile gibt es iPads, die vor Ort genutzt werden können und neue Schülernotebooks. Außerdem ist das Wlan an den Standorten Südkreuz und Alboin nun schneller und auch im Werkraum verfügbar.

Tablets statt Papier

Anfang des Jahres hat Frau Dr. Behr bereits mit ihrer Klasse erfolgreich eine iPad basierten Unterricht durchgeführt. Hier wurde der Themenbereich Pflegetheorie mit der Möglichkeit der Eigenrecherche und dem individuellen Erstellen einer Präsentation bearbeitet. Dadurch konnten komplexe  Themen in der Gruppe bearbeitet und kreativ aufbereitet werden.

Durch die bei Campus am Südkreuz bereits etablierte Anwendung von Apple TVs, ist es besonders leicht, Präsentationen von den verschiedenen iPads an die Wand zu projizieren. Dadurch sind Prozesse der Ergebnissicherung und Präsentation bei den Unterrichtseinheiten spielend leicht durchführbar.

Bigpads erleichtern den Unterricht

Auch die neuen Bigpads, erleichtern die Arbeit im Unterrichtsalltag. Die Qualität der Bildschirme machen das Zeigen von Lernvideos und Co deutlich attraktiver. Außerdem kann man über die vorhandenen Programme darauf auch wie auf einer Tafel schreiben und sehr leicht mobile Endgeräte anschließen.

All die vorher bereits über Arbeitsgruppen etablierten Prozesse im Team, machte es unseren Lehrkräften leichter, die Herausforderungen des Fernunterrichts zu meistern. Mittlerweile hat auch unser schuleigenes Moodle, eine neue bedienungsfreundlichere Oberfläche, sodass die nun zum elementaren Bestandteil gehörenden Arbeitsaufträge besser abgewickelt werden können. Die Videotelefonie, über die unsere Lehrkräfte ihren Stoff an die Klasse vermitteln, ist sicher nicht die idealste Unterrichtsform, aber in diesen Zeiten unverzichtbar. Der Unterricht über diese Plattformen wird weiterhin im Wechsel mit Präsenzunterricht in kleinen Gruppen stattfinden. Dem Feedback der Lehrkräfte ist zu entnehmen, dass der Unterricht über die Plattform Zoom alles in allem gut funktioniert. Auch die Schüler*innen geben hierzu positive Rückmeldung.

Es bleibt natürlich dennoch zu sagen: trotz all dieser Möglichkeiten freuen wir uns bereits jetzt auf die Zeit in der wir mit vollen Klassen im Präsenzunterricht und im direkten Kontakt wieder richtig durchstarten können. Bis dahin ist Campus Berlin bestens aufgestellt.

Zwischen den Fluren

Was Alltag in der Pflege bedeuten kann

Ein Erfahrungsbericht

Unsere Mitarbeiterin Friederike Aps hat vor Jahren einige Monate in einem Seniorenheim in der Küche gearbeitet. Nun hat sie diese Zeit reflektiert. Von der Pflege, Gefühlen, Überforderung, Schmerz und schönen Momenten


Der emotionalste und intensivste Job, den ich gemacht habe, war die Arbeit in einer Küche für ein Pflegeheim in Berlin Charlottenburg. Nie hat mich ein Job so dermaßen an meine körperlichen und mentalen Grenzen gebracht, nie hat ein Job so mein Herz erfüllt wie dieser. Die Schichten waren brutal. Die Bedingungen streng. Wir durften das Essen nach der Ausgabe nicht anrühren, auch wenn wir kurz davor waren es zu entsorgen. Natürlich haben wir es trotzdem gegessen, heimlich in den verstecken Ecken der Katakomben der Küche. Wir durften keine Trinkflaschen bei uns tragen. In der Nachmittagsschicht war ein Küchenangestellter allein für das fünfstöckige Haus verantwortlich. Kaffee, Abendbrot, kompletter Abwasch. Nach meiner Schicht war mir manchmal schwarz vor Augen, ich konnte nicht mehr richtig stehen. Tagtäglich habe ich mich an meine Grenzen gebracht, für Mindestlohn.

Um mich herum waren die Pfleger. Kraftvoll sind sie von Zimmer zu Zimmer, flogen durch die Flure. Ich erinnere mich an diese unerschütterliche Energie, diese Stärke, die sie von irgendwo her nahmen. Es ist ein Wahnsinnsjob. Ich war als Küchenmitarbeitern das letzte Glied der Kette. In den ersten Wochen kam mir die Arbeit vor wie ein kontinuierliches Getöse. Schreiende Pfleger, schreiende Bewohner und die meisten Küchenmitarbeiter haben auch geschrien. Einige Schichten haben sich angefühlt, wie ein andauernder Nervenzusammenbruch.

Zigarettenstummel wurden leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt

Der Anker in der Pflege ist die Zeit. Wenn man gut in der Zeit war, also pro Bewohner nur die angemessene Zeit verbracht hat (bei der Essenausgabe konnte man maximal drei Minuten pro Tür verbringen) dann hatte man alles im Griff. Unsere Körper waren Maschinen. Jeden Tag haben wir versucht die Zeit zu beherrschen, unsere Körper weiter zu drillen, ein bisschen schneller die Brote zu schmieren, ein bisschen schneller zu laufen, ein bisschen schneller die Wägen zu schieben. Es war ein Wettkampf. Unsere Beine trugen uns jeden Tag ein bisschen schneller durch die Flure, unsere Hände arbeiteten jeden Tag ein bisschen effektiver.

Die einzigen Momente der Stille, radikale Zäsuren mitten im Getöse, waren die Zigarettenpausen. Dort saßen wir alle beisammen, Pfleger und Küchenmitarbeiter. Die Kollegen klammerten sich an ihre Zigaretten als würden sie ihnen Halt geben. Die Pfleger redeten über die Bewohner. Sie werteten aus, wer gekratzt oder gebissen worden ist, sprachen über Krankenhäuser, den Tod, die Abläufe, die Wut auf die Chefetage. Dann erwähnten sie belanglose Privatthemen, mit dem Blick nach draußen, in die ferne Freiheit. Wir konnten sie nicht sehen. Zigarettenstummel wurden einer Zeremonie gleichend leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt, die Beine wieder auf dem Sprung, die Schlüsselbänder ragten aus den Hosen hervor, die Zigarettenschachteln wurden verstaut und dann ging es weiter, rein ins Getöse und wir sind ihnen gefolgt mit unseren Mittagswägen.

Irgendwann fühlte ich das, was die Pflege zu einem tollen Beruf macht

Mit der Zeit habe ich mich an die Abläufe und den Alltag der Küche und Pflege gewöhnt und die Routine trat ein. Damit hatte ich die Möglichkeit Geschichten und Gesichter hinter den Türen zu sehen. Ich habe wahrhaftig Menschen sehen können. Die Freude und das Strahlen in den Augen, wenn man mit ihrem Lieblingsessen vor ihnen stand. Ich sah die Dankbarkeit, das ehrliche Lob wenn man alles richtig aufgetischt und wenn man sich Wünsche gemerkt hat.

Ich bekam die begeisterte Begrüßung von Lieblingsbewohnern, welche sich an mich erinnerten und mich bevorzugten. Sie sahen morgens zum Frühstück augenzwinkernd zu mir rüber und erklärten begeistert ihren Nachbarinnen, dass sie heute ein besonders schönes Frühstück bekommen würden, da ich ja nun da wäre und ich wisse genau was gewollt ist. Ich gab besonders viel Marmelade auf das Brot und Frischkäse dazu. Sie liebten den Frischkäse und wollten immer ein extra Schälchen. Das sie eigentlich gar nicht kriegen durften. Am Tisch am Fenster musste der Früchtetee immer gefüllt bleiben, kalt werden. Nie durfte nachgeschenkt werden. Die anderen Tische waren Koffeinsüchtig. Und für drei besonders nette Damen gab es immer ein bisschen extra Obstsalat. Über das Gezeter der Bewohnerin ganz hinten links, konnte ich  (und musste ich) irgendwann einfach hinweghören.

Elegant bin ich an den Rollstuhlgriffen vorbei getänzelt. Niemals hängen bleiben, niemals anrempeln. Nicht zu sehr runterbeugen, nicht zu laut reden, aber immer beherzt und freundlich. Und schneller, schneller, schneller, damit Zeit für das Eigentliche bleibt. Hände auf Schultern. Einen kleinen Schnack im Vorbeirennen halten. Den Pflegern beruhigend die fertig gemachten Teller in die Hand drücken und ihnen Mut zu sprechen. Irgendwann war ich eine Meisterin in diesem Job. Ich fühlte das was die Pflege auszumachen scheint. Das was zurückkommt, dass was einem die Energie dafür gibt. 

Völlig allein am Kaffeetisch

Es gab einen Bewohner, den ich nie vergessen werde. Ich sah ihn nie lächeln. Der Depression folgt die Isolation. Er war zornig und grummelig, dadurch unbeliebt, man wollte mit ihm nicht viel zu tun haben. Dabei war er Opfer seiner Trauer, seine Frau längst von ihm gegangen. Diesem, für die Pflege alltäglichem Geschehen, konnte man nicht die Empathie entgegenbringen, die er gebraucht hätte. Er wirkte allein und isoliert, seiner Trauer und seiner Depression ausgesetzt. Sein Anblick war der einer personifizierten Bitterkeit. Das alt sein, das Warten auf den Tod ist ungnädig, brutal und schmerzerfüllt.

Ich ging mit ihm um wie mit jedem der Bewohner. Unerschüttert und vollgepumpt mit Adrenalin begrüßte ich ihn täglich voller Inbrunst, stürmte in seine Welt, lächelte ihn an, aber ging dann nicht weiter auf ihn ein. Ich ermunterte ihn nicht, ich versuchte ihm lediglich meine Wärme in den Raum zu stellen, ohne sie ihm ungewollt an den Kopf zu werfen und eine Reaktion zu erwarten. Eines Tages saß er völlig allein am Kaffeetisch. Noch heute kommen mir mit diesem Bild die Tränen. Ich brachte ihn seinen Kaffee. Es war Kekstag, wie immer streng abgezählt. Ich sagte etwas Herzliches, und er aß seinen Keks schnell auf. Ich war, angesichts meines strengen Zeitablaufs, längst über alle Berge. Dennoch ging ich nochmal zu ihm zurück und ich legte ihm lächelnd ein paar weitere Kekse auf den Teller. Ich erinnere mich daran, wie er ihn in die Hand nahm. Ich drehte mich um und der Bewohner, der niemals lacht, grinste mich freundlich an.


Du hast auch eine bewegende Geschichte zu erzählen? Du möchtest deine Gedanken zu deinem Beruf mit uns teilen? Dann schreib uns! Wir freuen uns auf dich. #wirsinddiepflege

Neugierig auf die angehenden Pfleger bei Campus? Unsere Besten wurden kürzlich gekürt. Schaut hier

Auszeichnung für Campus Absolvent

Marko Stocks bekommt Preis der Ludwig Schlaich Stiftung

Ein Text von Friederike Aps 

Ein Anfang kann vielerlei bedeuten. Ängste, Herausforderungen, aber auch Vorfreude. Wenn man etwas anfängt, steht die Frage im Raum: Wie mache ich das? Die Antwort ist immer die gleiche: einfach loslegen. Denn wenn man das geschafft hat, ist man schon mitten drin. So verhält es sich auch mit der Abschlussarbeit am Ende einer Ausbildung. Sie soll bestenfalls der Meilenstein sein, das glorreiche Ende, das Aushängeschild auf dem Weg zum Beruf. Oder einfach der sehnlichst erwünschte Abschluss, die letzte Pflicht die man noch zu erfüllen hat, bevor man das Zeugnis in den Händen halten darf. Marko Stocks, Heilerziehungspflegeabsolvent des Campus Berufsbildung e.V. stand ebenfalls vor dieser Herausforderung. Er verfasste seine Arbeit zum Thema: „Besser verstanden und gehört werden – Förderung kommunikativer Fähigkeiten bei infantiler Cerebralparese und Dysarthrie“.

Eine Abschlussarbeit mit Perspektive

Eine Abschlussarbeit kann auch als Beitrag zum jeweiligen fachlichen Diskurs fungieren. Dem gibt die Verleihung des Stiftungspreises der Dr. Ludwig Schlaich Stiftung bei der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung (BAG HEP e.V. ) eine Plattform. Indem Projekte und Facharbeiten aus dem Bereich der Heilerziehungspflege gefördert werden, können diese nach außen getragen und damit perspektivisch die Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen verbessert werden. Ein toller Motivator, dem sich Marko Stocks beim Verfassen seiner Arbeit noch gar nicht bewusst war.

Stocks bekommt Auszeichnung für Abschlussarbeit

Marko Stocks, Heilerziehungspfleger

Marko Stocks hat seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bei Campus berufsbegleitend absolviert. Er arbeitet bei der Neue Lebenswege GmbH Berlin. Für die Wahl seines Themas war unter anderem sein Interesse am Fach Medizin ausschlaggebend. Konkret entwickelte sich das Projekt basierend auf den Wünschen seines Assistenznehmers, ein junger Mann mit infantiler Cerebralparese und Dysarthrie. Er äußerte gegenüber Stocks den Wunsch, bei seiner Teilnahme in Laientheatergruppen einen größeren Sprechanteil bekommen zu können. Daraus entwickelte sich das Vorhaben eines systematischen Sprechtrainings. In Verbindung mit dem für Stocks als inspirierend empfundenen Unterricht bei Dr. Jens Hüsemann, der das Interesse am Fach Medizin bei Stocks förderte, entstand diese beeindruckend detaillierte und fachlich äußerst versierte Abschlussarbeit. Die Preiswürdigkeit der Arbeit wurde von Dr. Hüsemann und vom Koordinator des Ausbildungsgangs Heilerziehungspflege Torsten Fähnrich erkannt. Gemeinsam entschieden sich Fähnrich, Stocks und Dr. Hüsemann die Arbeit einzureichen – mit Erfolg.

Zukunftsfragen der Heilerziehungspflege

Der Beruf Heilerziehungspflege ist ein Beruf, der von außen schwer zu greifen ist. Wenn man sich mit der Berufsbezeichnung auseinandersetzt, stellt man schnell fest, dass hier versucht wurde, einige Teilgebiete aus dem Beruf in einem Begriff zusammen zu würfeln. Dass man mit dem Begriff Heilerziehungspflege dem Anspruch einer Arbeit auf Augenhöhe nicht gerecht werden kann, wurde auch bei der Jahrestagung Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung in der Bundesrepublik Deutschland BAG HEP e.V.  diskutiert. Eine kurze Zusammenfassung dieser definitorischen Debatte könnte sein: weg mit dem Heilbegriff, her mit der Teilhabe. Der Weg zur wahrhaftigen Augenhöhe und einer inklusiven Gesellschaft ist ein langer und steiniger Weg.

In Berlin steht die Ausbildung zu diesem Beruf derweil ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Die Aspekte der Prüfungsordnung im Land und ihre benachteiligenden Aspekte für die Schüler*innen sind auch in der Ausbildungszeit von Stocks nicht unbemerkt geblieben. Durch das Wissen darüber, dass im Falle eines Scheiterns im Kolloquium ein gesamtes Schuljahr wiederholt werden muss, entsteht ein enormer Druck. Schließlich ist die Durchführung einer Ausbildung nicht nur eine Frage des Erlernens bestimmter Inhalte, sondern auch eine Herausforderung finanzieller Natur. Ein Jahr verlängern zu müssen, wäre also auf vielerlei Ebenen dramatisch und auch aus pädagogischer Sicht völlig unnötig. Welche weiteren Hürden auf dem Weg zum*zur Heilerziehungspfleger*in erklommen werden müssen, kann hier nachgelesen werden.

Stocks hat diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Wie er Campus mitteilte, war die Berufswahl zunächst eine Entscheidung um sich sein tägliches Brot zu verdienen. Im Laufe der Zeit, entwickelte sich eine Liebe zu seinem Beruf. Die Qualifikation durch seine Ausbildung bei Campus öffnet ihm nun Türen in seiner zukünftigen Arbeit mit Menschen mit Behinderungen.

Das Projekt zur Abschlussarbeit

Stocks Facharbeit rankt sich um ein theoretisches Gerüst zu Sprache und Sprechen bei gesunden Menschen.  In Zusammenarbeit mit dem Assistenznehmer und seiner Sprachtherapeutin führte er dann über mehrere Wochen Übungseinheiten mit dem übergreifenden Ziel der Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten zur Förderung der sozialen Teilhabe durch. Stocks fasst zusammen, dass beim Assistenznehmer eine deutliche Zunahme des Stimmvolumens sowie der Betonung von Emotionen beim lauten Lesen festzustellen ist. Zudem betont Stocks, dass eine zunehmende Eigenverantwortlichkeit bei der Durchführung des Projekts durch den Assistenznehmer stattgefunden hat. Durch die in der Arbeit erworbenen medizinischen Fachkenntnisse, konnte Stocks Möglichkeiten und Grenzen des Assistenznehmers ausloten die ihm vorher so nicht bewusst waren. Ihn begleitete daher auch die Frage nach der Individualität in der heilerziehungspflegerischen Arbeit. Wann muss man Grenzen anerkennen und wann sind sie verschiebbar?

Schlaich Preis Verleihung

Marko Stocks bei der Verleihung des Schlaich-Preises im November 2019

Im Rahmen dieses Projekts wurden zweifelsfrei Grenzen verschoben. Seinen Abschluss fand das Projekt dort, wo das Niederreißen von Grenzen und die Sehnsucht nach Freiheit programmatisch ist – auf einer Theaterbühne. Im Rahmen einer theatralischen Lesung im Theaterhaus Berlin Mitte las der Assistenznehmer aus “Der kleine Prinz”. Marko Stocks stellte im November 2019 seine Arbeit bei der Verleihung des Schlaich Preises in Potsdam vor. Den Abschluss bei Campus hatte er da schon länger in der Tasche. Die Begegnung mit Dr. Hüsemann und Torsten Fähnrich war also auch eine kleine Wiedersehensfeier. Eine Erinnerung an den Abschluss, während schon längst neue Anfänge gemacht sind.

 

Das Leben der Kinder in Sibirien

Abschied von Jamal

Es gab viele unvergessliche Eindrücke für unsere beiden Weltenbummlerinnen. Aber jede Reise muss einmal enden.  Frau Ladenkova und Frau S. hatten sich jedoch vorgenommen, auch noch ein wenig über das Schulsystem in Sibirien zu lernen.

Wie funktioniert das Schulsystem in Sibirien?

Am „Ende der Welt“ leben die Kinder neun Monate im Jahr in einem Internat und besuchen dort die Schule. Sie kehren erst während der Sommerferien für drei Monate zu ihren Familien zurück.

Wie ist das Leben im Internat?

Die Kinder leben in modernen und liebevoll gestalteten Wohneinheiten. Es gibt Aufenthaltsräume mit Computern und TV sowie Küchen, in welchen man gemeinsam kocht. Die Betreuer kümmern sich herzlich um die Kinder und unterstützen sie in allen Lebenslagen.

Auch gibt es nach dem Unterricht viele Arbeitsgemeinschaften. Dazu gehören u. a. Schach, Gartenbau, Umweltschutz und diverse Sportarten.

Eine ganz besondere Ehre

Am „Tag des Rentiers“ besuchen die Nenzen ihre Kinder im Internat. Frau Ladenkova und Frau Schulz wurden dazu eingeladen. Ein aufregender Tag! Die beiden nahmen Anteil an den Lernfortschritten der Kinder und freuten sich mit den stolzen Eltern. 

Das war ein schöner Abschluss einer abenteuerlichen Reise.

 

Exkursion zum Schwarzlicht Minigolf

Unsere Kaufleute für Büromanagement aus der KBM A 11a sind vergangenen Mittwoch zum Schwarzlicht Minigolf am Tempelhofer Hafen aufgebrochen. Dabei standen der Spaß und das gemeinschaftliche Miteinander im Vordergrund. Dadurch wurde der Klassenzusammenhalt nochmals verstärkt. Nach vielen gespielten Bahnen und gemeinsamen Stunden ging es wieder nach Hause.

KBM A 11 | Campus Berlin Büromanagement KBM A 11 Ausflug_2 | Campus Berlin Büromanagement

Büromanagement – So macht Unterricht doch Spaß

Mit neuem Elan ging es am nächsten Tag zurück zum Standort Charlottenburg um dem IHK-Abschluss einen weiteren Schritt näher zu kommen.KBM A 11 Ausflug_3 | Campus Berlin Büromanagement

Neue Ausstattung im Alboin Kontor des Standorts Südkreuz

Am Standort Alboin, Nebenstandort von Campus Südkreuz, gibt es mittlerweile eine neue Ausstattung. Nachdem dieser Nebenstandort bereits im Sommer 2018 vollständig saniert wurde, sind im Laufe des Jahres 2019 neue Möbel eingetroffen. Der Alboin Kontor wurde nach dem Design von byandydesign saniert und mit neuen Möbeln von softlinefurniture ausgestattet. Im Werkraum, der sich im Erdgeschoss befindet, können die Schüler*innen nun an massiven Tischen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und die leichten, rollenden Stühle machen sich ideal für handwerkliche Tätigkeiten. Dies stellen unsere Schüler*innen regelmäßig mit tollen Projekten unter Beweis, zum Beispiel beim Skulpturworkshop der SOR-Tage oder beim Erstellen von Traumwelten. Im großen Raum des Standorts befinden sich bequeme Bürostühle. Die neue Technik dafür steht bereits in den Startlöchern! Außerdem hat der Standort eine neue Küche bekommen. Diese wird sowohl von Schüler*innen als auch Lehrer*innen genutzt. Für Gruppenarbeiten, sportliche Aktivitäten oder sonstige Bedürfnisse nach alternativem Sitzen haben die Räumlichkeiten weiterhin Sitzhocker verschiedener Größen. So macht Schule Spaß!