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SOR-Aktionstag am 20.09.2017 – Eindrücke

 

Unser diesjähriger Aktionstag »Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage« (SOR/SMC) stand ganz im Zeichen der anstehenden Bundestagswahl. So war das Motto dementsprechend »Einmischen-mitmischen-Gesellschaft gestalten“. Es war ein bunter Tag, der viel Gelegenheit zum Nachdenken bot. Hier ein kurzer Überblick über den Tag:

D a s   W a h l l o k a l (von 08.30-15 Uhr)

Wer nicht wählen geht, darf nicht motzen!

 Vier Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl konnte bereits in unserer Schule gewählt werden. Dazu hatten sich im Vorfeld die Sozialassistent*innen der Soz 32 intensiv mit dem Thema „Demokratie und Wahlen“ auseinandergesetzt. Es gab ein Wahllokal mit Wahlkabinen. Und es gab Listen aller wahlberechtigten Schüler*innen und Lehrer*innen. Das Ergebnis dieser schulinternen Wahl wichtig eindrucksvoll vom Ergebnis der echten Bundestagswahl ab:

D i e   W o r k s h o p s (von 9.00-12.00 Uhr):

 „Geschlechtergerechtigkeit/Gender Equality als Menschenrecht“

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 kennen, verstehen und vor allem anwenden. Das ist nur ein Ergebnis aus diesem  Workshop. Anna Kolling von Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung brachte einen Koffer voller spannender  Übungen mit in den Workshop – Übungen zu Geschlechtergerechtigkeit, die zum Nachdenken und zum Weiterdenken anregten. Die Einschränkung der Rechte für Frauen hat bei vielen für Erstaunen gesorgt.  Die Teilnehmer*innen dieses Workshops konnten unter anderem auch von ihren Erfahrungen im Erleben von Geschlechtergerechtigkeit berichten und gängige Rollenbilder diskutieren.

 „Siebdruck-Werkstatt – Vielfalt erleben!“

 

In diesem zweitägigen Workshop führte Mansour Ciss von Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung die Teilnehmer*innen in Teile der afrikanischen Kultur ein, besonders in die ghanaische Kultur und die dort verwendete Symbolsprache Adrinka. Er erzählte über Esskultur, Mode und Musik, bevor er schließlich die Drucktechniken Schablonendruck und Siebdruck vorstellte. Mithilfe dieser Techniken bedruckten die Teilnehmer*innen des Workshops unsere Campus-Beutel. Alle arbeiteten mit Adrinka-Symbolen und Motiven aus Afrika. Das Zusammenspiel zwischen neuem Wissen über Afrika und Anwenden von Drucktechniken empfanden viele als sehr interessant. Die bedruckten Beutel, allesamt Unikate, konnten danach auf Spendenbasis erworben werden. Alle Spenden gingen an den SoziAl e.V. Förderverein.

 

„Neue Herausforderungen im beruflichen Alltag durch rechtspopulistische Parteien?

Was kann ich tun als Erzieher*in?“

 Populistische Denkweisen sind wieder „in“. Die Schuld an sozialen Missständen wird dabei vor allem sozial niedriger stehenden Menschen zugewiesen. Nicht zuletzt auch den Menschen mit Migrationshintergrund. Leider machen Stereotypen und Vorurteile heutzutage auch nicht mehr vor der Kita halt. Manche Eltern bringen sie dorthin und einige Kinder greifen sie in diskriminierenden und ausgrenzenden Verhaltensweisen auf.  Im Workshop von Frau Eva Prausner vom Projekt ElternStärken tauschten sich die Teilnehmer*innen anhand von Fallbeispielen und Diskussionen über Strategien im Umgang mit diesen neuen Herausforderungen aus. Was können Erzieher*innen tun, wenn ein Kind nicht mit einem anderen Kind aufgrund seines Migrationshintergrundes spielen möchte?

 „Wirtschaft – Arbeit –  Interessen“:

 Marcelo Cardoso vom EPIZ e.V. begann mit der grundsätzlichen Klärung unterschiedlicher, zum Teil entgegengesetzter Interessen von Arbeitnehmer*innen gegenüber Arbeitgeber*innen. Danach simulierten die Teilnehmer*innen durch ein Planspiel Aspekte der Marktwirtschaft. Sie entdeckten dabei die Abhängigkeit der Löhne  von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens und reflektierten die Auswirkungen von unternehmensbezogenen „Tarifverhandlungen“ auf die eignen Verhandlungsmacht. Auch Fragen des Arbeitsrechts wurden schließlich vertieft, wie z.B. das Verfahren im Tarifkonflikt und das Streikrecht.

„Ölpalmenanbau und Menschenrechte“

Heike Kammer vom Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung zog mit 16 Jahren in die Welt und wurde eine Menschenrechts-/Friedens-Aktivistin unter anderem auch in Südamerika.

Sie erzählt, wie in Kolumbien Bauern gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden, wie die Armee, unter dem Vorwand regierungsfeindliche Guerillatruppen zu bekämpfen, grausame Morde an den Bauern verübte. Danach seien große Konzerne gekommen, sagt sie, und hatten das Land der Bauern übernommen. Sie bauten Ölpalmen in Monokultur an, um Palmöl zu produzieren – Palmöl, das heute in der Hälfte aller Fertigspeisen und Hygieneprodukte zu finden ist. Riesige Mengen des Palmöls werden zudem für Biosprit in Deutschland benötigt.

Die Konsequenzen sind bestürzend: Menschen, die bisher als Bauern oder im Regenwald leben konnten, verarmen nun in den Städten. Frauen und Mädchen müssen sich prostituieren, Männer arbeiten auf den Plantagen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Die einseitige Bewirtschaftung laugt zudem die Böden derart aus, dass bereits nach zwei bis drei Jahren nichts mehr auf ihnen wächst.

Was können wir tun? Wir müssen beim Einkauf auf nachhaltige und faire Produkte achten und wir müssen wissen, dass nicht überall wo „Bio“ draufsteht, auch eine ökologische Lösung geboten wird (Siehe Biosprit).

 „Inklusion – Die große Herausforderung“

Andreas Fischer referierte über die große Herausforderung der Inklusion. Das Thema hatte viele Interessenten, sodass der Raum beinahe zerplatzte. Obwohl der Workshop für einige zu „vortragslastig“ ausfiel, regte das Thema doch sehr stark zum Weiterdenken an. Handlungssituationen mit Inklusionskontexten wurden durchgearbeitet und mit den eigenen Erfahrungen in Verbindung gebracht. Die Teilnehmer*innen wünschten sich im Anschluss auch für ihre Berufsbildung einen Methodenkoffer an die Hand, aus dem sie greifbare Vorgehensweisen für Inklusion schöpfen können.

„Rap für Gerechtigkeit – Rap für Chancengleichheit weltweit“

Florian Steindle von SOR/SMC leitete den Klassiker unter den Workshops. Zuerst tauchten die Teilnehmer*innen über ihre eigenen Erfahrungen mit HipHop in die Geschichte dieser Jugendbewegung ein, um schließlich eigene Raptexte zu produzieren. Diese Texte gaben sie dann vor dem beeindruckten Hofprogramm zum Besten. Immer wieder erstaunlich in welch kurzer Zeit die Teilnehmer*innen derartige Ergebnisse zustande bringen.

„5 Gramm“

Filmpräsentation und Diskussion

Die Auszubildenden der HEP 1 haben sich im Rahmen der Entwicklung eines Theaterstücks mit den nationalsozialistischen Massenmorden an geistig- und körperbehinderten Menschen beschäftigt. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen zum einen die Pflegerinnen, die ihre Mitwirkung an den Tötungen rechtfertigen mussten, und zum anderen die Opfer der als „Euthanasie“ getarnten Morde. Im Rahmen dieses Workshops stellten die Auszubildenden ihr Theaterstück, das sie aufgeführt und gefilmt hatten, vor, um es mit den Teilnehmer*innen zu diskutieren. Und in der Tat rief der Film große Betroffenheit hervor und wurde rege diskutiert.

D a s   H o f p r o g r a m m (von 12.00-13.00 Uhr)

 
Auch in diesem Jahr gab es nach den Workshops wieder ein buntes Hofprogramm mit vielen musikalischen Beiträgen unter anderem vom Rap-Workshop, vom Schulchor und vom Akwaba Gospel Choir. Zudem gab es auch wieder flammende Reden für Toleranz und dem Auftrag, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Wie schon das ganze Jahr über zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Dem Sonnenschein folgte ein kurzer, aber intensiver Regenguss, bevor sich der Himmel wieder klärte. Eisern hielten sich die Teilnehmer*innen des Aktionstages und ließen sich ihre gute Stimmung auch von dieser Wechselhaftigkeit nicht verderben.

  

D a s   B u f f e t (von 13.00 – 14.00 Uhr)

 

 

 

 

Im Anschluss an das Hofprogramm genossen alle das Buffet, welches von Mitarbeiter*innen der Schule zusammengestellt wurde. Zur Hälfte wurde es am Vortag von den Altenpfleger*innen der AP 25 vorbereitet und zur anderen Hälfte kam es aus den heimischen Küchen unserer Schüler*innen. Am frühen Morgen hatten viele Schüler*innen selbst zubereitete Speisen aus den verschiedensten Kulturen in Tupperdosen an einen zentralen Ort gebracht. Diese wurden dann von unseren Lehrerinnen aufbereitet und zusammengestellt. Das herrlich angerichtete Buffet wurde von den Teilnehmer*innen des Aktionstages mit großer Freude und viel Lob verschlungen. Es war der gelungene Abschluss eines gelungenen Tages.

D e r   E v a l u a t i o n s b a u m

Der Erzieher*innen der E 20 und E 22 entwarfen zum Zweck der Evaluation einen sehr kreativ gestalteten blätterlosen Baum. Die Teilnehmer*innen konnten am Ende des Tages ihre Kommentare in Form von Blättern an den Baum hängen. Am Ende des Tages war der Baum dann tatsächlich blätterbehangen und strotzte vor Feedback-Kommentaren.

D o k u m e n t a t i o n

Der diesjährige SOR-Tag wurde von den Sozialassistent*innen der Soz 34 dokumentiert. Dabei ist unter anderem ein Video entstanden, welches unter folgendem Link zu betrachten ist:

SOR-Aktionstag 20. September 2017

2017 ist nicht nur das Jahr der sinnflutartigen Regenfälle, sondern 2017 ist auch ein Wahljahr. Der Bundestag wird gewählt und damit indirekt auch der oder die Bundeskanzler*in. Vier Tage vor dieser wichtigen Wahl findet unser jährlicher SOR-Aktionstag statt. Wie könnte da das Motto anders lauten als „Einmischen-mitmischen-Gesellschaft gestalten“. Schon das ganze Schuljahr steht unter diesem Motto.

Als Schule halten wir es tatsächlich für unsere Pflicht, unseren Schüler*innen grundlegendes politisches (Fakten-)Wissen zu ermöglichen. In diesem Zuge haben wir in den letzten Wochen alle wichtigen demokratischen Parteien in unsere Schule eingeladen, damit diese ihre politischen Programme darlegen und in einen Dialog mit unseren Schüler*innen treten. Denn wir glauben, dass nur informierte Bürger*innen tatsächlich im Sinne einer Demokratie mitwirken können, um eine Gesellschaft aktiv zu gestalten.

Am 20.09.2017 werden wir wie jedes Jahr im Rahmen des SOR-Aktionstages zahlreiche spannende Workshops anbieten, die ganz unter dem Motto „Einmischen-mitmischen-Gesellschaft gestalten“ stehen. Sie sollen unsere Schüler*innen vor allem dabei unterstützen, eine eigene politische Meinung herauszubilden. Dabei liegt uns allerdings besonders die Stärkung von Charaktereigenschaften wie Mut, Toleranz, Solidarität oder Fairness am Herzen. So gibt es beispielsweise einen Workshop zum Thema „Wirtschaft – Arbeit – Interessen“, in dem es unter anderem darum geht, wie Arbeitnehmer*innen mutig ihre Interessen gegenüber Arbeitgeber*innen verfolgen und durchsetzen können. In einem anderen Workshop geht es wiederum um die Mitgestaltungsmöglichkeiten von Schüler*innen an der Schule. Dann können sich die Schüler*innen in einigen Workshops mit dem eigenem Konsumverhalten und dessen Konsequenzen für andere Menschen auf der Welt auseinandersetzen. Sie können sich dabei also die Frage stellen, ob das alles noch fair ist. Auch Toleranz und Solidarität wird in vielen Workshops eine Rolle spielen. Sei es unter dem Stichwort der Mediendarstellung von Menschen mit einer Migrationsgeschichte, der anhaltenden Frage der Geschlechtergerechtigkeit oder den Stolpersteinen der inklusiven Gesellschaft.

Kontrovers wurde zuletzt unsere Haltung gegenüber der AfD diskutiert, die wir als einzige der wichtigen Parteien nicht eingeladen hatten und der wir damit den Dialog mit unseren Schüler*innen verweigerten, wie man einwenden könnte. Auch das wird ein Thema in einigen Workshops sein.

Campus Berlin SOR-Aktionstag 2016

Nach den Workshops wird uns wieder ein Hofprogramm erwarten, gespickt mit einigen Reden und musikalischen Beiträgen. Bei letzteren erwarten wir natürlich vor allem gespannt die Ergebnisse aus dem Rap-Workshop.

Des Weiteren werden die Sozialassistent*innen der Soz 32 am Aktionstag ein Wahllokal für alle Schüler*innen organisieren. Dadurch können die Schüler*innen unserer Schule bereits vier Tage vor der eigentlichen Wahl, ihre Stimme abgeben und sich für eine Partei entscheiden. Ausgezählt werden die Stimmen dann im Anschluss an den SOR-Tag.

Die Evaluation des Aktionstages wird in diesem Jahr mittels eines „Feedback-baums“ stattfinden, der, wie unten zu sehen ist, gerade von den Erzieher*innen der E20 und E22 entworfen wird.

Campus Berlin SOR-Tag Evaluationsbaum

Campus Berlin SOR-Tag „Feedback-baum“

Wer, wie, was vorhat? – Gesprächsrunde mit Vertreter*innen politischer Parteien

Am 24. September ist Bundestagswahl und nicht allein aus diesem Grund steht das Jahr bei Campus unter dem SOR-Motto: „Einmischen/mitmischen: Gesellschaft gestalten!“. Wie schon vor vier Jahren, lädt unsere Schule Politiker*innen aus den größten Parteien ein. Sie sollen unseren Schüler*innen zu den Themen „Bildungspolitik“, „Soziales und Gesundheit“ und „Migration“ Rede und Antwort stehen. Zuerst sollen Sie sich positionieren und danach werden sie knallhart befragt. Für schüchterne Schüler*innen wird eine Twitter-Box herumgegeben, in diese ihre Fragen werfen und vorlesen lassen können.

Den Auftakt der Runde machte der Generalsekretär der Berliner FDP, Sebastian Czaja. Er stellte sich gestenreich und tapfer den Fragen der Schüler*innen. Allerdings wirkte er überrascht von der Menge der gestellten Fragen. Nicht auf alles konnte er zufriedenstellend antworten und gab schließlich zu, nicht in allen Themenbereichen Experte sein zu können. Das war ehrlich und wirkte sympathisch. Neben den von uns vorgegebenen Themen, interessierte unsere Schüler*innen besonders die Position zur Mietpreissituation in Deutschland und das Konzept des Bürgergeldes. Die FDP steht weiterhin für Deregulierung und Entbürokratisierung im Sinne eines unkomplizierten Staates. Ob das allerdings bei den derzeitigen Entwicklungen die beste Lösung sei, wurde von unseren Schüler*innen kritisch hinterfragt.

Dr. Laura Dornheim ist Kandidatin der Grünen Liste für die Bundestagswahl. Themenschwerpunkte von Frau Dr. Dornheim sind Digitalisierung und Geschlechtergerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Ihre Positionierung zu den vorgegeben Themen fiel zeitlich knapp aus. Daraus ergab sich aber mehr Zeit für die Fragerunde mit den Schüler*innen. Die Diskussion mit den Schüler*innen umfasste Fragen nach der Mietpreisbremse ebenso wie Fragen nach Konzepten für bessere Arbeitsbedingungen im sozialen Bereich. Laut Frau Dornheim fordern die Grünen grundsätzlich mehr Geld für den sozialen Bereich und eine höhere Besteuerung von „Superreichen“. Man mag gespannt sein, ob dies wirklich in die Tat umgesetzt werden würde.


Im Lauf der nächsten Wochen werden noch weitere Parteien eingeladen: die CDU, die SPD, die Piraten und die Linke. Alle sollen sich in ähnlicher Art und Weise positionieren und sich den Fragen unserer Schüler*innen stellen. Denn es geht uns nicht darum, Werbung für eine spezifische Partei zu machen. Stattdessen wollen wir die Vielfalt in unserer Parteienlandschaft präsentieren und darüber unsere Schüler*innen motivieren, durch ihre Stimme bei der nächsten Bundestagswahl die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Der eine oder andere mag sich fragen: Huch, da fehlt aber noch eine Partei. In der Tat wurde innerhalb des Lehrer*innenkollegiums recht kontrovers über die Frage diskutiert, ob auch die AfD eingeladen werden solle. Viele empfanden dies als unvereinbar mit unserem Engagement für „Schule ohne Rassismus“ und haben sich deshalb gegen eine Einladung der AfD ausgesprochen. Andere wiederum sehen die AfD als demokratisch wählbare Partei an, die man gleichberechtigt zu Wort kommen lassen müsse. Wir haben uns am Ende demokratisch gegen eine Einladung der AfD entschieden.

Da wir eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD und dem damit verbundenen Rechtspopulismus aber dennoch wichtig und notwendig finden, wird Frank Metzger vom apabiz e.V. eingeladen, eine Gesprächsrunde zur AfD zu leiten. Einige kennen Herrn Metzger vielleicht sogar noch von einem Workshop auf unserem letzten SOR-Tag. In jedem Fall dürfen wir gespannt sein auf weitere heiße Gesprächsrunden, die uns hoffentlich dabei helfen, uns ein Bild von der Parteienlandschaft in Deutschland zu machen.

Babyn Jar – Zur Aktualität eines Kriegsverbrechens

Vor beinahe genau 75 Jahren ermordeten deutsche SS-Truppen mit Unterstützung der Wehrmacht nahezu 40.000 Juden in einer Schlucht in der Nähe von Kiew/Ukraine. Unter den Ermordeten befanden sich viele Frauen und Kinder. Zurzeit erinnert eine Ausstellung der Berliner Stiftung ‚Topographie des Terrors’ an diese und zahlreiche andere Massenerschießungen im Zeitraum 1941 bis 1944 auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion. Da die damaligen Täter perfide genug waren, ihre Taten auch noch zu fotografieren, sind diese Massenmorde gut dokumentiert.

Eine Fotoserie von einer solchen Massenerschießung wurde von dem deutschen Polizisten Gustav Hille aufgenommen. Auf den Fotos zu sehen ist der Ablauf der 1942 durchgeführten Erschießung einer Gruppe von jüdischen Frauen und Kinder, die aus der Kleinstadt Misotsch (damals Polen, heute Ukraine) stammten. Man sieht, wie sich die verängstigten Menschen ausziehen müssen, wie sie dicht aneinander in einer Reihe stehend auf ihre Erschießung warten und wie schließlich zwei Männer mit Gewehren über die toten, nackten Körper der Frauen und Kinder gehen, um etwaige Überlebende zu erschießen. so-starben-die-juedischen-frauen-von-mizocz
Quelle: picture alliance / CPA Media Co.

Ein Detail des letzten Fotos hat mich besonders erschüttert. Man sieht dort den Körper eines etwa vierjährigen Kindes, das tot auf dem Bauch liegt. Unmittelbar neben ihm liegt eine Frau, vermutlich die Mutter des Kindes, die ihren linken Arm auf den Rücken des Kindes gelegt hat, so, als wollte sie ihr Kind vor der tödlichen Kugel beschützen. Die Ausweglosigkeit dieses letzten Versuchs, das Leben des Kindes zu retten bzw. ihm kurz vor dem sicheren Tod noch ein verzweifeltes Gefühl des Schutzes zu vermitteln, rührte mich zutiefst und lässt mich nicht mehr los.

 Diese Fotos sind über 70 Jahre alt, sie besitzen aber dennoch auch in der Gegenwart eine wichtige Bedeutung. Einerseits mahnen sie uns, die Gräueltaten, die in der Zeit des Nationalsozialismus von Deutschen begangen wurden, niemals zu vergessen. Andererseits fordern sie uns dazu auf, solche Verbrechen niemals wieder zuzulassen oder zu dulden.

 Beide Appelle scheinen jedoch heutzutage immer weniger wirksam zu sein. Das sich immer mehr ausbreitende rechtsextremistische Gedankengut von Pegida, NPD, AfD und Co. tendiert dazu, die nationalsozialistische Vergangenheit zu verleugnen oder sogar zu verherrlichen. Noch ist dies nur eine Minderheit in Deutschland. Gleichzeitig aber schauen wir, also die Mehrheit, hier und heute tatenlos dabei zu, wie jeden Tag immer wieder Menschen in Syrien und in anderen Kriegsgebieten ermordet werden. Bilder von getöteten oder schwer verletzten Kindern rütteln uns zwar immer wieder auf und führen zu Betroffenheit, die großen Demonstrationen gegen dieses sinnlose Morden haben aber bislang nicht stattgefunden.

 Woran liegt das? Sind uns diese Kriege und das damit verbundene Sterben egal? Sind wir abgestumpft durch die vielen schrecklichen Meldungen? Oder sind wir einfach zu bequem, auf die Straße zu gehen und ein Ende des Mordens zu fordern?

 Der zu erwartende Einwand, dass die Politik ja doch nicht auf die Demonstrant*innen hört, mag berechtigt sein. Die Vorstellung aber, dass an jedem Wochenende in vielen deutschen Städten zigtausend Menschen beharrlich für Frieden und ein Ende des Mordens demonstrieren, könnte diesen Einwand aber durchaus entkräften. Es käme halt auf einen Versuch an. Aber wahrscheinlich sind wir doch zu bequem, der Mutter, die ihr Kind vor der tödlichen Kugel schützen will, zu helfen.

Rüdiger Loeffelmeier

 P.S.: Die erwähnten Bilder sind zu finden unter https://www.welt.de/geschichte/article158435562/Tausendfacher-Mord-als-Alltag-und-Belustigung.html

 

 

SOR-Aktionstag bei Campus Berufsbildung e.V.

schule-ohne-rassismusUnter dem Motto »Gerechtigkeit und Chancengleichheit weltweit« fand  am 21.09.2016 unser diesjähriger Aktionstag »Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage« (SOR/SMC) statt.

Von um 9 bis 12 setzten sich unsere Schüler*innen in zahlreichen Workshops unter anderem mit Themen wie diesen auseinander:

  • Was kann man tun, damit Lebensmittel für alle reichen können?
  • Wie kann man selbst aktiv für einen fairen Handel werden?
  • Wie kann man Rap als Ausdrucksform nutzen, um sich für Chancengleichheit weltweit einzusetzen?
  • Ist die AfD wirklich eine Alternative?
  • Welches sind meine kulturellen Wurzeln und was ist das Typische und was Gemeinsamkeiten verschiedener Kulturen?
  • Wie lässt sich Graffiti und Street Art als Ausdrucksform für Chancengleichheit und Gerechtigkeit benutzen?

Diese und viele weitere spannende Fragen wurden betreut durch Experten aus verschiedensten Bereichen aktiv von unseren Schüler*innen diskutiert und Ergebnisse aus diesen Diskussionen in verschiedenste Ausdrucksformen übertragen – z.B. in Rap-Texte, in Graffiti-Transparente, in ein mit Resten von Wahlplakaten gedecktes „House-of-Rights“. Das Angebot war so vielfältig und zugleich interessant, dass einige Auszubildende zutiefst bedauerten, nicht an mehreren Workshops gleichzeitig teilnehmen zu können.moderation-sor-tag

Um 12 Uhr begann das Hofprogramm, welches von zwei beredten und charismatischen Auszubildenden moderiert…

reden-sor-tag

 

 

… und durch flammende Reden zum Thema „Gerechtigkeit und Chancengleichheit“ angeheizt wurde.

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Als schließlich Auszubildende ihre in kürzester Zeit geschriebenen Rap-Texte zum Besten gaben, brach das Publikum in Jubelstürme aus.

graffiti-workshop-sor-tag

 

Und auch der Graffiti-Workshop präsentierte seine atemberaubenden Ergebnisse, …schulchor-sor-tag

 

 

 

 

… bevor der Schulchor schließlich mit einem rundum gelungenen Auftritt das Programm würdig abrundete.

 

buffet-sor-tag

 

Nach dem Hofprogramm erwartete alle ein von den Auszubildenden selbst vorbereitetes multikulturelles Essen, das geradezu ein Hochgenuss für den Gaumen war. Auch hierfür gebührt ihnen außerordentlicher Dank.

Mit gefüllten Mägen ging es dann an das Wiederherrichten der für die Workshops umgestalteten Räumlichkeiten. Dabei packten so viele fleißige Hände mit an, dass die Arbeit in null Komma nichts erledigt war.

Alles in allem war es ein Tag, der neben der angenehmen Geselligkeit auch viele Denkanstöße gab,

Schule im Kino: Eindrücke vom Kinotag der Geneststraße.

selmaMitte November war Kinotag in der Geneststraße und über zweihundert TeilnehmerInnen aus unseren unterschiedlichen Schulen haben sich morgens um kurz vor neun im Odeon-Kino an der Hauptstraße in Schöneberg getroffen, um gemeinsam ›Selma‹ anzusehen.

Im Film ›Selma‹ geht es um den bewegenden, gewaltlosen Kampf der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, die um das Wahlrecht für die aforamerikanische Bevölkerung der USA ringt. Ganz zentral sind im Film die Selma-nach-Montgomery-Märsche aus dem Jahr 1965. Deshalb ist ›Selma‹ auch namensgebend für den Film von Regisseurin Ava DuVernay aus dem Jahr 2014.

Die Organisations-Crew hat sich für diesen Film entschieden, weil er ihnen – obwohl Geschichtsdrama – nach wie vor aktuell erscheint für Themen, die uns alle auch heute betreffen: Rassismus, Ausgrenzung, Ungerechtigkeit. Damit fiel die Wahl auf die Auseinandersetzung mit einem Anliegen, das uns im Rahmen aller Projekte unserers SOR-Projekts – ›Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‹ intensiv beschäftigt.

War es ganz zu Beginn noch recht unruhig im Kinosaal – bis alle sich eingerichtet hatten und am Popcorn knusperten, so wich diese Unruhe nach kurzer Zeit einer großen Gebanntheit und stellenweise auch großer Betroffenheit der Teilnehmenden, denn Selma ist alles andere als ein Popcorn-Film zum Wohlfühlen, sondern regt zur Auseinandersetzung und zum Nachdenken an.

In diese Auseinandersetzung ging es – zurück in der Schule angekommen – anschließend in den einzelnen Klassen. Das Besondere: Die TeilnehmerInnen der Ausbildungsgänge Sozialassistenz, Altenpflege und Heilerziehungspflege haben auf der Basis von Arbeitsanregungen und Brainstormings zum Großteil selbst entschieden, welche Themen und Aspekte sie in einer Erarbeitung vertiefen oder diskutieren möchten. So haben einige ein Charakterprofil von Martin Luther King erstellt, andere sind der Frage nachgegangen, ob er in ihren Augen ein typischer ›Held‹ ist, der auch heute noch ein Vorbild sein kann. Die Rolle der Medien und der Berichterstattung in Form von Bildern für die Bürgerrechtsbewegung wurde untersucht und auch die Bedeutung, die Religion für Martin Luther King (auf der Basis der filmischen Darstellung) hatte.

Engagierte Diskussionen gab es auch zu der Frage, die ein Reporter im Film stellt: »Ist die Bürgerrechtsbewegung wirklich gewaltfrei, wenn sie Gewalt bewusst provoziert?« Hier gingen die Meinungen durchaus auseinander und die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit diesen Fragen war intensiv und konstruktiv.

Eine andere Klasse aus dem Ausbildungsgang Sozialassistenz hat den Film zum Anlass genommen, nach möglichen Gründen für rassistische Positionen in unserer Zeit zu suchen und sich zu fragen, wie man ihnen am besten begegnen kann – ganz gleich ob privat oder im Beruf.

Nach viel angeregter Diskussion, Auseinandersetzung und kleinen Präsentationen zum Thema gingen die Teilnehmenden am Ende des Schultages zufrieden, aber auch nachdenklich auseinander. Die Themen sind ganz offenbar mit diesem Tag nicht abgeschlossen – was auch das Organisationsteam freut, denn dass das Nachdenken nach der Schule weitergeht, haben sich natürlich alle Beteiligten gewünscht.

Das Organisationsteam schaute anschließend zufrieden auf diesen Ausnahme-Tag und beschloss: So ein Kinotag soll unbedingt wiederholt werden. Und dank des Sponsorings, durch eine Beteiligung von Campus an den Kosten der Karten für die einzelnen TeilnehmerInnen, war das Ganze für alle überaus erschwinglich und kann so ganz bestimmt auch für alle wieder einmal möglich sein!

Die BIlder zeigen Impressionen aus den Arbeitsgruppen der Klassen Soz 19 und Soz 22.

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Links:

Interessantes Begleitmaterial zum Film:

http://www.selma.studiocanal.de/download/Selma_Filmpaedagogisches_Begleitmaterial.pdf

 

 

 

 

 

 

Courage zeigen! Wie geht das? / Aktionstag bei Campus Berufsbildung e.V. am 03.09.2014

logo_sor_580Unter dem Motto »Courage zeigen!« fand unser diesjähriger Aktionstag »Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage« (SOR/SMC) statt.
Am Vormittag beschäftigten wir uns in unterschiedlichen Workshops mit den Auszubildenden mit Fragen wie diesen: Wie kann ich Courage zeigen, ohne mich selbst zu gefährden? Wie kann ich subtile Situationen wahrnehmen, die eskalieren können? Wie kann ich im Alltag auf rassistische Äußerungen reagieren? Das Workshop-Angebot war sehr vielfältig.

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Auftaktveranstaltung SOR / SMC

Am 21. September 2011  fand unser Aktionstag  zum Thema „SCHULE OHNE RASSISMUS“ und  „SCHULE MIT COURAGE“  statt.

„Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage ist eine Bundesinitiative von und für Schülerinnen und Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten wollen.

Unsere Berufsfachschulen für Altenpflege und Sozialassistenz sowie die Fachschule für Sozialpädagogik der Campus Berufsbildung haben sich gemeinsam entschlossen, ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen und sich der Initiative anzuschließen.

Wir laden Sie ein, den Aktionstag mitzuerleben… virtuell.