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SOR-Aktionstag am 20.09.2017 – Eindrücke

 

Unser diesjähriger Aktionstag »Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage« (SOR/SMC) stand ganz im Zeichen der anstehenden Bundestagswahl. So war das Motto dementsprechend »Einmischen-mitmischen-Gesellschaft gestalten“. Es war ein bunter Tag, der viel Gelegenheit zum Nachdenken bot. Hier ein kurzer Überblick über den Tag:

D a s   W a h l l o k a l (von 08.30-15 Uhr)

Wer nicht wählen geht, darf nicht motzen!

 Vier Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl konnte bereits in unserer Schule gewählt werden. Dazu hatten sich im Vorfeld die Sozialassistent*innen der Soz 32 intensiv mit dem Thema „Demokratie und Wahlen“ auseinandergesetzt. Es gab ein Wahllokal mit Wahlkabinen. Und es gab Listen aller wahlberechtigten Schüler*innen und Lehrer*innen. Das Ergebnis dieser schulinternen Wahl wichtig eindrucksvoll vom Ergebnis der echten Bundestagswahl ab:

D i e   W o r k s h o p s (von 9.00-12.00 Uhr):

 „Geschlechtergerechtigkeit/Gender Equality als Menschenrecht“

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 kennen, verstehen und vor allem anwenden. Das ist nur ein Ergebnis aus diesem  Workshop. Anna Kolling von Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung brachte einen Koffer voller spannender  Übungen mit in den Workshop – Übungen zu Geschlechtergerechtigkeit, die zum Nachdenken und zum Weiterdenken anregten. Die Einschränkung der Rechte für Frauen hat bei vielen für Erstaunen gesorgt.  Die Teilnehmer*innen dieses Workshops konnten unter anderem auch von ihren Erfahrungen im Erleben von Geschlechtergerechtigkeit berichten und gängige Rollenbilder diskutieren.

 „Siebdruck-Werkstatt – Vielfalt erleben!“

 

In diesem zweitägigen Workshop führte Mansour Ciss von Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung die Teilnehmer*innen in Teile der afrikanischen Kultur ein, besonders in die ghanaische Kultur und die dort verwendete Symbolsprache Adrinka. Er erzählte über Esskultur, Mode und Musik, bevor er schließlich die Drucktechniken Schablonendruck und Siebdruck vorstellte. Mithilfe dieser Techniken bedruckten die Teilnehmer*innen des Workshops unsere Campus-Beutel. Alle arbeiteten mit Adrinka-Symbolen und Motiven aus Afrika. Das Zusammenspiel zwischen neuem Wissen über Afrika und Anwenden von Drucktechniken empfanden viele als sehr interessant. Die bedruckten Beutel, allesamt Unikate, konnten danach auf Spendenbasis erworben werden. Alle Spenden gingen an den SoziAl e.V. Förderverein.

 

„Neue Herausforderungen im beruflichen Alltag durch rechtspopulistische Parteien?

Was kann ich tun als Erzieher*in?“

 Populistische Denkweisen sind wieder „in“. Die Schuld an sozialen Missständen wird dabei vor allem sozial niedriger stehenden Menschen zugewiesen. Nicht zuletzt auch den Menschen mit Migrationshintergrund. Leider machen Stereotypen und Vorurteile heutzutage auch nicht mehr vor der Kita halt. Manche Eltern bringen sie dorthin und einige Kinder greifen sie in diskriminierenden und ausgrenzenden Verhaltensweisen auf.  Im Workshop von Frau Eva Prausner vom Projekt ElternStärken tauschten sich die Teilnehmer*innen anhand von Fallbeispielen und Diskussionen über Strategien im Umgang mit diesen neuen Herausforderungen aus. Was können Erzieher*innen tun, wenn ein Kind nicht mit einem anderen Kind aufgrund seines Migrationshintergrundes spielen möchte?

 „Wirtschaft – Arbeit –  Interessen“:

 Marcelo Cardoso vom EPIZ e.V. begann mit der grundsätzlichen Klärung unterschiedlicher, zum Teil entgegengesetzter Interessen von Arbeitnehmer*innen gegenüber Arbeitgeber*innen. Danach simulierten die Teilnehmer*innen durch ein Planspiel Aspekte der Marktwirtschaft. Sie entdeckten dabei die Abhängigkeit der Löhne  von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens und reflektierten die Auswirkungen von unternehmensbezogenen „Tarifverhandlungen“ auf die eignen Verhandlungsmacht. Auch Fragen des Arbeitsrechts wurden schließlich vertieft, wie z.B. das Verfahren im Tarifkonflikt und das Streikrecht.

„Ölpalmenanbau und Menschenrechte“

Heike Kammer vom Engagement Global gGmbH/Bildung trifft Entwicklung zog mit 16 Jahren in die Welt und wurde eine Menschenrechts-/Friedens-Aktivistin unter anderem auch in Südamerika.

Sie erzählt, wie in Kolumbien Bauern gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden, wie die Armee, unter dem Vorwand regierungsfeindliche Guerillatruppen zu bekämpfen, grausame Morde an den Bauern verübte. Danach seien große Konzerne gekommen, sagt sie, und hatten das Land der Bauern übernommen. Sie bauten Ölpalmen in Monokultur an, um Palmöl zu produzieren – Palmöl, das heute in der Hälfte aller Fertigspeisen und Hygieneprodukte zu finden ist. Riesige Mengen des Palmöls werden zudem für Biosprit in Deutschland benötigt.

Die Konsequenzen sind bestürzend: Menschen, die bisher als Bauern oder im Regenwald leben konnten, verarmen nun in den Städten. Frauen und Mädchen müssen sich prostituieren, Männer arbeiten auf den Plantagen unter sklavenähnlichen Bedingungen. Die einseitige Bewirtschaftung laugt zudem die Böden derart aus, dass bereits nach zwei bis drei Jahren nichts mehr auf ihnen wächst.

Was können wir tun? Wir müssen beim Einkauf auf nachhaltige und faire Produkte achten und wir müssen wissen, dass nicht überall wo „Bio“ draufsteht, auch eine ökologische Lösung geboten wird (Siehe Biosprit).

 „Inklusion – Die große Herausforderung“

Andreas Fischer referierte über die große Herausforderung der Inklusion. Das Thema hatte viele Interessenten, sodass der Raum beinahe zerplatzte. Obwohl der Workshop für einige zu „vortragslastig“ ausfiel, regte das Thema doch sehr stark zum Weiterdenken an. Handlungssituationen mit Inklusionskontexten wurden durchgearbeitet und mit den eigenen Erfahrungen in Verbindung gebracht. Die Teilnehmer*innen wünschten sich im Anschluss auch für ihre Berufsbildung einen Methodenkoffer an die Hand, aus dem sie greifbare Vorgehensweisen für Inklusion schöpfen können.

„Rap für Gerechtigkeit – Rap für Chancengleichheit weltweit“

Florian Steindle von SOR/SMC leitete den Klassiker unter den Workshops. Zuerst tauchten die Teilnehmer*innen über ihre eigenen Erfahrungen mit HipHop in die Geschichte dieser Jugendbewegung ein, um schließlich eigene Raptexte zu produzieren. Diese Texte gaben sie dann vor dem beeindruckten Hofprogramm zum Besten. Immer wieder erstaunlich in welch kurzer Zeit die Teilnehmer*innen derartige Ergebnisse zustande bringen.

„5 Gramm“

Filmpräsentation und Diskussion

Die Auszubildenden der HEP 1 haben sich im Rahmen der Entwicklung eines Theaterstücks mit den nationalsozialistischen Massenmorden an geistig- und körperbehinderten Menschen beschäftigt. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen zum einen die Pflegerinnen, die ihre Mitwirkung an den Tötungen rechtfertigen mussten, und zum anderen die Opfer der als „Euthanasie“ getarnten Morde. Im Rahmen dieses Workshops stellten die Auszubildenden ihr Theaterstück, das sie aufgeführt und gefilmt hatten, vor, um es mit den Teilnehmer*innen zu diskutieren. Und in der Tat rief der Film große Betroffenheit hervor und wurde rege diskutiert.

D a s   H o f p r o g r a m m (von 12.00-13.00 Uhr)

 
Auch in diesem Jahr gab es nach den Workshops wieder ein buntes Hofprogramm mit vielen musikalischen Beiträgen unter anderem vom Rap-Workshop, vom Schulchor und vom Akwaba Gospel Choir. Zudem gab es auch wieder flammende Reden für Toleranz und dem Auftrag, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Wie schon das ganze Jahr über zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Dem Sonnenschein folgte ein kurzer, aber intensiver Regenguss, bevor sich der Himmel wieder klärte. Eisern hielten sich die Teilnehmer*innen des Aktionstages und ließen sich ihre gute Stimmung auch von dieser Wechselhaftigkeit nicht verderben.

  

D a s   B u f f e t (von 13.00 – 14.00 Uhr)

 

 

 

 

Im Anschluss an das Hofprogramm genossen alle das Buffet, welches von Mitarbeiter*innen der Schule zusammengestellt wurde. Zur Hälfte wurde es am Vortag von den Altenpfleger*innen der AP 25 vorbereitet und zur anderen Hälfte kam es aus den heimischen Küchen unserer Schüler*innen. Am frühen Morgen hatten viele Schüler*innen selbst zubereitete Speisen aus den verschiedensten Kulturen in Tupperdosen an einen zentralen Ort gebracht. Diese wurden dann von unseren Lehrerinnen aufbereitet und zusammengestellt. Das herrlich angerichtete Buffet wurde von den Teilnehmer*innen des Aktionstages mit großer Freude und viel Lob verschlungen. Es war der gelungene Abschluss eines gelungenen Tages.

D e r   E v a l u a t i o n s b a u m

Der Erzieher*innen der E 20 und E 22 entwarfen zum Zweck der Evaluation einen sehr kreativ gestalteten blätterlosen Baum. Die Teilnehmer*innen konnten am Ende des Tages ihre Kommentare in Form von Blättern an den Baum hängen. Am Ende des Tages war der Baum dann tatsächlich blätterbehangen und strotzte vor Feedback-Kommentaren.

D o k u m e n t a t i o n

Der diesjährige SOR-Tag wurde von den Sozialassistent*innen der Soz 34 dokumentiert. Dabei ist unter anderem ein Video entstanden, welches unter folgendem Link zu betrachten ist:

Wer, wie, was vorhat? – Gesprächsrunde mit Vertreter*innen politischer Parteien

Am 24. September ist Bundestagswahl und nicht allein aus diesem Grund steht das Jahr bei Campus unter dem SOR-Motto: „Einmischen/mitmischen: Gesellschaft gestalten!“. Wie schon vor vier Jahren, lädt unsere Schule Politiker*innen aus den größten Parteien ein. Sie sollen unseren Schüler*innen zu den Themen „Bildungspolitik“, „Soziales und Gesundheit“ und „Migration“ Rede und Antwort stehen. Zuerst sollen Sie sich positionieren und danach werden sie knallhart befragt. Für schüchterne Schüler*innen wird eine Twitter-Box herumgegeben, in diese ihre Fragen werfen und vorlesen lassen können.

Den Auftakt der Runde machte der Generalsekretär der Berliner FDP, Sebastian Czaja. Er stellte sich gestenreich und tapfer den Fragen der Schüler*innen. Allerdings wirkte er überrascht von der Menge der gestellten Fragen. Nicht auf alles konnte er zufriedenstellend antworten und gab schließlich zu, nicht in allen Themenbereichen Experte sein zu können. Das war ehrlich und wirkte sympathisch. Neben den von uns vorgegebenen Themen, interessierte unsere Schüler*innen besonders die Position zur Mietpreissituation in Deutschland und das Konzept des Bürgergeldes. Die FDP steht weiterhin für Deregulierung und Entbürokratisierung im Sinne eines unkomplizierten Staates. Ob das allerdings bei den derzeitigen Entwicklungen die beste Lösung sei, wurde von unseren Schüler*innen kritisch hinterfragt.

Dr. Laura Dornheim ist Kandidatin der Grünen Liste für die Bundestagswahl. Themenschwerpunkte von Frau Dr. Dornheim sind Digitalisierung und Geschlechtergerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Ihre Positionierung zu den vorgegeben Themen fiel zeitlich knapp aus. Daraus ergab sich aber mehr Zeit für die Fragerunde mit den Schüler*innen. Die Diskussion mit den Schüler*innen umfasste Fragen nach der Mietpreisbremse ebenso wie Fragen nach Konzepten für bessere Arbeitsbedingungen im sozialen Bereich. Laut Frau Dornheim fordern die Grünen grundsätzlich mehr Geld für den sozialen Bereich und eine höhere Besteuerung von „Superreichen“. Man mag gespannt sein, ob dies wirklich in die Tat umgesetzt werden würde.


Im Lauf der nächsten Wochen werden noch weitere Parteien eingeladen: die CDU, die SPD, die Piraten und die Linke. Alle sollen sich in ähnlicher Art und Weise positionieren und sich den Fragen unserer Schüler*innen stellen. Denn es geht uns nicht darum, Werbung für eine spezifische Partei zu machen. Stattdessen wollen wir die Vielfalt in unserer Parteienlandschaft präsentieren und darüber unsere Schüler*innen motivieren, durch ihre Stimme bei der nächsten Bundestagswahl die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Der eine oder andere mag sich fragen: Huch, da fehlt aber noch eine Partei. In der Tat wurde innerhalb des Lehrer*innenkollegiums recht kontrovers über die Frage diskutiert, ob auch die AfD eingeladen werden solle. Viele empfanden dies als unvereinbar mit unserem Engagement für „Schule ohne Rassismus“ und haben sich deshalb gegen eine Einladung der AfD ausgesprochen. Andere wiederum sehen die AfD als demokratisch wählbare Partei an, die man gleichberechtigt zu Wort kommen lassen müsse. Wir haben uns am Ende demokratisch gegen eine Einladung der AfD entschieden.

Da wir eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD und dem damit verbundenen Rechtspopulismus aber dennoch wichtig und notwendig finden, wird Frank Metzger vom apabiz e.V. eingeladen, eine Gesprächsrunde zur AfD zu leiten. Einige kennen Herrn Metzger vielleicht sogar noch von einem Workshop auf unserem letzten SOR-Tag. In jedem Fall dürfen wir gespannt sein auf weitere heiße Gesprächsrunden, die uns hoffentlich dabei helfen, uns ein Bild von der Parteienlandschaft in Deutschland zu machen.