Archiv der Kategorie: Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage

Rassismus in unserer Sprache

Die Schulband studiert u.a. ihr Campus-Lied "no hate, no racism - show your courage" ein.

Die Schulband studiert u.a. ihr Campus-Lied „no hate, no racism – show your courage“ ein.

Von Rüdiger Loeffelmeier

Es gibt dankenswerterweise nur noch wenige Menschen in Deutschland, die die Begriffe „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ für eine bestimmte Süßigkeit verwenden. Oft sind diese Leute naiv, seltener offen rassistisch.

Während dieser Begriff also beinahe ausgestorben ist, halten sich andere latent oder offen rassistische Wörter hartnäckig in unserem Wortschatz. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Begriff „Zigeuner“, der eine lange Geschichte hat, der aber nie, wie immer gerne behauptet, wertneutral verwendet wurde. Immer verband sich nämlich mit der Bezeichnung „Zigeuner“ die Zuschreibung von negativen, sprich kriminellen oder für die „Normalgesellschaft“ gefährlichen Eigenschaften. Selbst in romantisch-verklärenden Volksliedern („Lustig ist das Zigeunerleben“) tauchen Stereotype auf, die eine Menschengruppe als nicht steuerzahlende, wildernde, sich nur dem Genuss hingebende Bande charakterisieren. Nicht erst im Nationalsozialismus führte diese Kriminalisierung zu Verfolgung und Mord, und auch heute kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Menschen, die in den Denkstrukturen des „Normalbürgers“ als „Zigeuner“ gelten.

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Film-Star Kostas Papanastasiou begrüßt Campus Berufsbildung e.V.

Kostas Papanastasiou  begrüßt Campus Berufsbildung e.V.

Am 16. März besuchte der Film- und Fernsehschauspieler Kostas Papanastasiou die Schulen von Campus Berufsbildung e.V. am Standort Geneststraße. Er wurde freudig von den Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Klassen begrüßt, die der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage“ (SOR/SMC) angehören.
Herr Papanastasiou ist unser offizieller Pate und  unterstützt auf diese Weise das Projekt „Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage (SOR/SMC)“. Hierbei handelt es sich um eine Bundesinitiative von und für alle Schülerinnen und Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung aktiv handeln und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten wollen.

Herr Papanastasiou ist nicht nur ein charismatischer Mensch, sondern auch ein Mann mit vielfältigen Interessen. Er erzählte gerne an dem Tag von seinem abwechslungsreichen und spannenden Leben.

Als er 19 war, verließ er seine griechische Heimat und ging zunächst nach Wien, kurze Zeit später nach Berlin, um dort Architektur an der Technischen Universität zu studieren.

1959 entschloss er sich, eine Schauspielausbildung zu machen. Zum selben Zeitpunkt war er auch schon als Sänger unterwegs.

Von 1967 bis 1974 wandte sich Herr Papanastasiou mit künstlerischen und politischen Mitteln aktiv gegen die Militärjunta in Griechenland. Zusätzlich war er mit deutschen Musikern und Liedermachern wie Ulrich Roski, Hannes Wader, Wolf Biermann und Dietrich Kittner global politisch aktiv gegen Folter, Terror und Verfolgung.

In 1972 eröffnete er das Lokal  „Terzo Mondo“ in Berlin, das er bis heute betreibt und in dem viele Künstler verkehren. Ferner wurde er als Darsteller in der Fernsehserie „Lindenstraße“ bekannt. Er spielte die Rolle eines Wirtes in einem griechischen Restaurant, das als Kulisse für viele Szenen dieser Serie diente.

Herr Papanastasiou ist bis heute gesellschaftlich sehr engagiert. Seit 2001 leistet er humanitäre Hilfe für Georgien.

Auch in der Künstlerszene ist er nach wie vor ziemlich aktiv. Er nimmt an internationalen Poesiefestivals teil und manchmal gibt er deutschlandweit Konzerte und singt südeuropäische Lieder.

Während seines Besuchs bei Campus wies Herr Papanastasiou darauf hin, dass es eine „Herzensangelegenheit“ für ihn sei, sich gegen „jede Form von Rassismus“ einzusetzen. Deshalb freue er sich auch, „unser“ Pate zu sein. Für ihn ist es sehr wichtig, Rassismus schon sehr früh zu bekämpfen und dabei bereits an den Wurzeln von Rassismus anzusetzen. Dies sieht er auch als Aufgabe von Schulen an.

Seine zutiefst humanistischen Überzeugungen spiegelten eine Geschichte aus seiner Familie wider, die er uns erzählte. Seine Eltern waren im Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht aktiv, die im Zweiten Weltkrieg Griechenland besetzt hatte. Dies hinderte jedoch seine Mutter nicht daran, auch deutschen Soldaten in Notsituationen zu helfen, indem sie ihnen Brot gab. Natürlich wurde sie von ihren Nachbarn gefragt, weshalb sie ihnen Brot gebe. Sie sagte: „Diese jungen Männer könnten meine Söhne sein. Ich würde mich auch freuen, wenn jemand meinen Söhnen Brot geben würde, wenn sie in der gleichen Situation wären.
Nicht zuletzt in diesem Vorbild wurzelt seine pazifistische und humanitäre Einstellung.

Herr Papanastasiou hat in Aussicht gestellt, uns bei dem nächsten „SOR-Tag“ am 21.09.2012 musikalisch zu unterstützen.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „SOR/SMC“ waren der Meinung, dass Herr Papanastasiou der richtige Pate für das Projekt ist, da er das Thema überzeugend mit Herz, Seele und Verstand vertreten hat.