Das Projekt HÖRMAL!

von Karsten Czura und Cleo Schöttler

hoermalDas Projekt ›HÖRMAL! Die Geschichte vom Tempelhofer Feld‹ soll informieren und außerdem aufmerksam und sensibel machen für das Tempelhofer Feld als Gedenkort. Durchgeführt haben das inklusive Projekt Jugendliche und junge Erwachsene unter der Leitung der Globalen Medienwerkstatt e.V. Eine Gruppe Auszubildender von CAMPUS war auch dabei und hat für das Projekt die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers auf dem Tempelhofer Feld recherchiert. Karsten Czura und Cleo Schöttler, zwei angehende Sozialassistenten der Campus-Projektgruppe, geben uns einen Einblick in die Projektphase und nehmen uns in ihrem Text sogar mit zur Eröffnung des Hörmuseums.

Die Projekttage

von Karsten Czura

Tag 1,  19.11.2014

Wir, also Schüler aus verschiedenen Klassen von Campus Berufsbildung e.V., treffen uns in einem Klassenraum, wo Joel und Jessica von der Medienwerkstatt auf uns warten. Sie stellen sich und ihr Projekt vor und fragen uns erstmal danach, was wir mit dem Tempelhofer Feld verbinden und wie wir den Platz nutzen. Die meisten sagen, dass sie die einzigartige, große Freifläche und die Freiheit des größten Parks Berlins genießen. – Es ist grotesk, denn dann erfahren wir, wie viele Zwangsarbeiterlager es in Berlin gab und speziell, wie die Lager im Norden des Tempelhofer Feldes aussahen und welche organisierte Maschinerie dahinter steckte. Wir denken an einen Zwangsarbeiter, wie er sich wohl fühlte, welche Sorgen er hatte und was es wohl für alltägliche Probleme gab, wenn man von einem Alltag im Zwangsarbeiterlager sprechen kann. Dafür verkleinern wir den Klassenraum mit einer Linie so , dass wir so viel Platz haben wie ein Zwangsarbeiter zum Wohnen. Die Enge ist bedrückend.

Tag 2, 20.11.2014

Joel und Jessica bringen uns Anschauungsmaterial in form eines alten Koffers aus den Dreißigern, gefüllt mit Fotos vom Leben im Lager, Zeitzeugenberichten und echten Ausgrabungsstücken einer Zwangsarbeiterbaracke des Tempelhofer Feldes. Zu einigen Fundstücken gibt es Infokarten, die diese näher erklären. Beispielsweise kann man aufgrund der Länge der dort gefundenen rostigen Nägel Rückschlüsse darauf ziehen, wie dünn die Wände der Baracken waren. Wir finden uns in Gruppen von zwei bis drei SchülerInnen zusammen und überlegen, wie wir passende Hörstücke zu diesen Themen schreiben können. Es ist schwierig, sich in die Zwangsarbeiter hineinzuversetzen, denn wir haben alles – sie hatten fast nichts.

Tag 3, 21.11.2014

Wir treffen uns am Morgen, gehen in unsere Gruppen zurück und arbeiten weiter an unseren Texten, die wir am Tag zuvor zu schreiben begonnen haben. Zwei Schüler und ich bearbeiten den Abschnitt ›Luftkrieg‹ und wir machen uns Gedanken darüber, wie es ist, als Zwangsarbeiter einen Fliegerangriff in einem Luftschutzgraben zu überstehen. Zum Vergleich: Die Deutschen saßen während der Luftangriffe in richtigen Bunkeranlagen. Die anderen Gruppen bearbeiten zum Beispiel Themenabschnitte wie ›Hygiene‹, ›Ernährung‹ oder forschen danach, wie die ZwangsarbeiterInnen die wenige Freizeit nutzten, die sie hatten. Am Ende haben wir unsere fertigen Texte aufgenommen und alle gemeinsam angehört. Joel und Jessica schneiden die einzelnen Hörstücke in ihrem Studio in der Medienwerkstatt zusammen und machen sie präsentierbar.

CleoKarsten

Links im Bild: unsere beiden Autoren bei der Eröffnungsveranstaltung.

Die Eröffnungsfeier

von Cleo Schöttler

Wir stehen auf dem riesigen Feld, Karsten und ich. Heute ist der große Tag der Eröffnungsfeier für das Hörmuseum HÖRMAL, bei dem wir mitgewirkt haben. Es hat gerade noch geregnet, der Boden ist nass. Langsam schiebt sich die Sonne durch die graue Wolkendecke. Das Tempelhofer Feld ist relativ leer, es sind nur wenige Menschen zu sehen. Man hört Vogelgezwitscher und Hundegebell. Freudig begrüßen wir Jessica, Joel und Tim, die Verantwortlichen von der globalen Medienwerkstatt.

Sechs Hörstationen sind schon aufgestellt und leuchten in einem auffälligen, postkutschengelben Farbton. Der Sockel einer einzelnen Station besteht im unteren Teil aus vier großen, grauen Steinplatten, in deren Mitte eine dicke Metallplatte steckt. Daran ist ein gelber Kasten befestigt. Am Ende der Stange befindet sich eine Solaranlage, die für den nötigen Strom sorgt. Die Hörstationen sind Selbstversorger.

Sobald man am gelben Kasten auf einen kleinen, silbernen Knopf drückt, spielt das Hörstück ab. Ich blicke in die Ferne und entdecke Herrn Reinhard Bernbeck, den Archäologen, der mit großen Schritten auf uns zukommt. Er trägt eine Mappe unter dem Arm. Mit seinem Team hat er auf dem Tempelhofer Feld, nahe dem Eingang Columbiadamm, Ausgrabungen durchgeführt.

Langsam füllt sich der Platz mit Menschen. Unter ihnen Schülerinnen und Schüler der teilnehmenden Schulen, Fotografen und die Presse. Und natürlich wie vier: Michael, Marcel, Karsten und Cleo von Campus Berufsbildung.

Eroeffnung1Es ist 16 Uhr. Mit einer kurzen Begrüßungsrede heißen uns die Mitarbeiter der Medienwerkstatt willkommen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung halten andere Personen von den verschiedensten Institutionen ihre Vorträge zum Projekt. Viele Zuschauer lauschen interessiert. Zwischendurch spielt eine Akkordeonspielerin und singt eigens zum Thema komponierte Lieder. Die Sonne scheint jetzt kräftig auf uns herunter, aber ein frischer Frühlingswind zieht auf und am Horizont zeigen sich bedrohlich-dunkle Wolken. Karsten raunt mir zu: »Hoffentlich bleibt es trocken.«

Nach dem Eröffnungsprogramm verteilt Jessica an alle Mitwirkenden einzelne rote Nelken als Dankeschön. Das Projekt ist geschafft! Nun darf der Audiospaziergang ausprobiert werden! Bis Oktober ist nun Zeit, das Hörmuseum zu besuchen.

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Ein Teil der Campus-Crew an einer der Hörstationen.

 

 

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