Über das Lügen

Von Frau Philbert-Hasucha

Portal des Lügenmuseums am ehemaligen Standort in Gantikow (CC)

Portal des Lügenmuseums am ehemaligen Standort in Gantikow (Creative Commons Image)

Die Wahrheit zu sagen, ist ein hoher Wert in unserer Gesellschaft. (Fast) jeder behauptet von sich, niemals zu lügen, dabei flunkern wir alle ununterbrochen. Manche sagen, Menschen lügen bis zu zweihundert Mal am Tag.

Man lügt aus den unterschiedlichsten Gründen: Weil man einer Pummelfee, die stolz auf ihr neues, modernes Outfit ist, nicht sagen kann, dass sie darin mit ihrer fülligen Figur unmöglich aussieht; weil es unhöflich ist, dem Gastgeber zu sagen, dass sein liebevoll zubereitetes Essen einem nicht schmeckt oder weil man dem Lehrer, der eine Entschuldigung für‘s Zuspätkommen fordert, nicht sagen kann, dass man einfach keine Lust hatte, zum Unterricht zu kommen.

Wir lügen sogar, ohne uns dessen bewusst zu sein – zum Beispiel verändert sich in unserem Gedächtnis die Vergangenheit: Erlebtes wird im Rückblick immer vor dem Hintergrund der eigenen weiteren Entwicklung betrachtet, um bei uns den Eindruck entstehen zu lassen, wir wären eine konstante, kongruente Persönlichkeit. Schreiben wir uns beispielsweise die Eigenschaften ›eigenwillig‹ und ›selbstbewusst‹ zu, berichten wir zum Beleg entsprechende Episoden, die bis in unsere Kindheit zurückgehen: »Ich habe schon immer meinen Kopf durchgesetzt! Schon als Kleinkind habe ich meiner Mutter den Spinat auf die weiße Bluse gespuckt, weil ich ihn nicht essen wollte.« Die Mutter aber kann sich an diese Episode gar nicht erinnern. – Es gab gar keinen Spinat! Wir kennen dieses Klischee jedoch aus Erzählungen anderer und integrieren es in unsere eigene Biografie. Dabei sind wir zutiefst überzeugt, die Situation tatsächlich selbst erlebt zu haben. Erzählt man eine erlogene Begebenheit oft genug, so glaubt man schließlich selbst, dass es so gewesen ist. Aus diesem Grund sind auch Zeugenaussagen, die längere Zeit nach dem Ereignis gemacht werden, nur bedingt glaubhaft.

Als Schulleiter und Klassenlehrer wird man ständig belogen. Im Bewerbungsgespräch erzählen Interessenten, dass sie zwar in der Schule ein wenig faul gewesen seien, jetzt aber wollten sie diese Ausbildung unbedingt machen und natürlich würden sie nun nicht mehr zu spät kommen oder gar fehlen. Das allerdings ändert sich oftmals alles, sobald sie in der Schule angenommen sind – dann geht der alte Schlendrian oft weiter.

Fairerweise muss man sagen, dass Menschen auch hier den Reaktionen ihres Gehirns ausgeliefert sind – wenn sie nicht Energie aufwenden, dagegen anzugehen. In der Psychologie heißt das ›Umgebung triggert Verhalten!‹ Rauchern, die aufhören möchten, ist dies ein bekanntes Phänomen: Die Zigarette fehlt an den Orten und in den Situationen am meisten, wo man immer geraucht hat, wie beispielsweise nach dem Essen oder beim Telefonieren. An Orten wo man nie geraucht hat, fällt es dagegen auch leichter, auf den Glimmstengel zu verzichten. Aus diesem Grund sollen ehemalige Drogenabhängige auch ihre Lebenssituation umfassend verändern. Unser Gehirn steuert unser Verhalten zu mehr als 90 Prozent unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle. Das ist notwendig, um schnell handeln zu können. Würden wir über alles, was wir tun, erst nachdenken müssen – jeden Schritt jede Bewegung – wären wir langsamer als eine Schnecke. Nehmen wir über unsere Sinne eine Umgebung wahr, die wir kennen, so aktiviert unser Gehirn, die in dieser Umgebung gemachten Erfahrungen und Reaktionen, um das bekannte Verhaltensmuster abzuspulen. Sehen wir also einen Klassenraum mit Reihen von Tischen und Stühlen und einer Tafel und waren wir in der Schule ein schwatzhafter, unpünktlicher und zu Clownerien neigender Schüler, dann werden wir dieses Verhalten auch Jahre später in einer ähnlichen Situation wieder zeigen. Dieses Phänomen kann man übrigens nicht nur bei Schülern, sondern auch bei Lehrern in Sitzungen oder Fortbildungen beobachten.

Das Spektrum der Schullügen ist umfangreich, von Entschuldigungen, die man angeblich gefaxt hat (kleiner Tipp: bei Faxen immer Meldebericht als Nachweis aufheben!), über nicht wahrheitsgemäße Begründungen bis hin zu manipulierten Zeugniskopien.

Eine beliebte Lüge im Zusammenhang mit fehlenden beizubringenden Unterlagen ist, dass diese bei einem Rohrbruch oder Wohnungsbrand vernichtet worden seien. Rohrbruch ist übrigens auch eine beliebte Entschuldigung bei Zuspätkommen oder Fehlen. Installateure müssen Hochkonjunktur und zudem einen sicheren Job haben, so viele Rohrbrüche gibt es nach Aussagen von Schülern.

Beim Umzug gehen auch immer wieder Unterlagen wie Zeugnisse, abzuliefernde Hausarbeiten oder Berichte verloren. – Aber man sagt ja schließlich dreimal umziehen sei dasselbe wie einmal abzubrennen.

Omas sterben im Laufe der Ausbildung schon mal mehrfach. Und Kitas sind wirklich rücksichtslose Einrichtungen, die immer verlangen, dass das Kind Zuhause bleiben oder sofort abgeholt werden müsse (was durchaus auch wahr sein kann!). Auch Ärzte machen nur Termine in der Schulzeit, ganz zu schweigen von den Ärzten, die ohne Probleme Krankschreibungen ausstellen. Dazu muss man jedoch gerechterweise fragen, was dem Arzt denn anderes übrig bleibe als eine Krankschreibung, wenn der Patient behauptet, ihm sei so schlecht, schwindlig oder übel, dass er nicht zur Schule gehen könne.

Ehrliche Entschuldigen haben manchmal eine unfreiwillige Komik, wie diese hier: „Ich konnte heute morgen am Deuschunterricht nicht teilnehmen weil ich verschlaffen habe.“

Wie verhalten sich nun Lehrer richtig, die wissen, dass vieles, das ihnen da erzählt wird, nicht stimmt? ›Hart durchgreifen‹, fordern Mitschüler und mancher Kollege. Vielleicht sollte man sich aber nicht so aufregen, sondern einfach die Fehlzeit aufschreiben, die Zeit für Nachforschungen sparen und für effektivere Dinge einsetzen. Sind die Zensuren schlecht und wird das Fehlzeitenlimit überschritten, sollte aber ohne Ausnahme die Ausbildung zu Ende sein. Schließlich ist jeder ist seines Glückes Schmied! Ein kleiner Tipp für Schüler: Haben Sie Mut zur Wahrheit, wenn Sie Probleme haben, die zu Fehlzeiten führen. Lehrer wollen, dass ihre Schüler die Ausbildung schaffen und können dabei helfen, Ihre Probleme zu lösen.

Kleines Rätsel zum Thema Lügen

Ein Wanderer kommt an eine Weggabelung und er weiß nicht ob er nach rechts oder nach links gehen muss. An der Wegkreuzung steht ein Haus und der Wanderer beschließt dort nach dem Weg zu fragen. Als er näher kommt sieht eine Tafel auf der steht:

Lieber Wanderer

In diesem Haus wohnen Zwillinge, der eine lügt immer und der andere sagt immer die Wahrheit. Wenn du anklopfst öffnet einer von uns und du erhältst nur auf eine einzige Frage eine Antwort! Also überlege gut wie die Frage heißen muss, damit du danach weißt, welches der richtige Weg ist.

Welche Frage würdest du stellen?

2 Gedanken zu „Über das Lügen

  1. René Bork

    Welche Frage ich stellen würde?

    Guten Tag,
    Ein Glück in meinem Unglück sie hier anzutreffen, auch deshalb da ich den richtigen Weg nicht mehr weiss, daher brauche ich dringend eine Auskunft wie es hier jetzte weiter geht?!
    Ich komme aus dieser Wegabgabelung dort und hätte zu gern gewusst wohin mich der breitere Hauptpfad und auch die andere Abgabelung hinfürht?

    Vielen Danke & auf Nimmerwiedersehn

    Antworten
    1. Campus Südkreuz Beitragsautor

      Nur eine Frage soll gestellt werden! Die lautet: was würde dein Bruder antworten? Ob du die Lösung kundtust oder nicht, überlasse ich dir 😉
      Frau Philbert-Hasucha

      Antworten

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