Stoff von vorne – Frontalunterricht besser als sein Ruf

Eine Lehrerin steht vor einer Klasse und spricht zu den Schüler_innen. Wichtige Fakten und Schlüsselworte des Lerninhalts schreibt sie an die Tafel. Wenn es zu still wird oder Unruhe aufkommt, stellt sie Fragen und fügt die Antworten in den weiteren Stoff ein. Wenn die Schüler_innen Fragen nicht beantworten können, werden andere Aspekte des Stoffes zu vermittelt. Am Ende eines Themenblock überprüfen Aufgaben und Tests, ob der Stoff gut sitzt oder noch nachgelernt werden muß. Das ganze nennt sich Frontalunterricht und galt unter fortschrittlichen Pädagogen lange als Auslaufmodell von Lehrmethoden in der Schule. Selbstständiges Lernen der Schüler_innen in offenen Formen, zu zweit oder in kleinen Gruppen wird dagegen für besonders wirkungsvoll gehalten.

John Hattie, ein Bildungsforscher aus Neuseeland, gibt dem Frontalunterricht jetzt wieder gute Noten. Er hält andere Faktoren für gutes Lernen wichtiger, als nur die Methode des Unterrichts. Die Glaubwürdigkeit von Lehrern, klare Zielvorgaben am Anfang jedes Themenblocks sind genauso wichtig, wie die Rückmeldung von Schülern für die Lehrer am Ende jeder Stunde. Nur so können sie einschätzen, wo die Schüler im Verständnis des Stoffes stehen und wie es am besten weitergehen soll.In einer groß angelegten internationalen Studie stellte Hattie fest: Schüler lernen dann am besten, wenn Lehrer ihre Klasse stringent – also nachvollziehbar und streng nach Regeln und Plan – führen. Sie sollten alle Schüler stets im Griff haben und den Unterricht klar strukturieren. Es kommt weniger auf die Art und Methode an, mit der unterrichtet und gelernt wird, als vielmehr auf Glaubwürdigkeit und Qualität der Lehrer. Denn Lehrer müssen wie Schüler gefordert, gefördert und gelobt werden. Deshalb ist ein offener Unterricht seiner Ansicht nach weniger wirksam, als gut geführter Frontalunterricht. Deutlich wird aus seiner Studie, dass es nicht hilft, wenn  Unterrichtsmethoden zur Glaubens- oder Ideologie gemacht werden. Es kommt auf die Lehrer_innen und ihre Schüler_innen, auf den Stoff und die Ziele, die Unterrichtsmittel und viele weitere Faktoren an, die eine Schule anbieten kann.

Mehr zu erfahren über John Hattie auf der Webseite http://www.visiblelearning.de/
Im Film mit Interview ist er zu sehen unter
http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=36044

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