Archiv für den Monat: Februar 2011

Inflation und Arbeitsmarkt

Niedrige Inflation ist kein Gift für den Arbeitsmarkt

Einige namhafte Ökonomen wie die Nobelpreisträger James Tobin und George Akerlof warnten wiederholt davor, dass eine niedrige Inflationsrate unter Umständen zu höherer Arbeitslosigkeit führt. Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt jedoch, dass der Effekt zu vernachlässigen ist.

Tobin und Akerlof argumentierten, dass eine niedrige Inflationsrate es Firmen erschwert, ihre Lohnkosten zu senken, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Bei einer hohen Inflation reicht es bereits aus, keine Lohnerhöhungen vorzunehmen. Die Reallöhne sinken auf diese Weise automatisch: Die Nominallöhne bleiben zwar gleich, zugleich steigen jedoch die Preise. Bei einer niedrigen Inflation wären für entsprechende Kosteneinsparungen dagegen sinkende Nominallöhne erforderlich, also echte Lohnsenkungen: Die Beschäftigten bekommen weniger Lohn überwiesen als zuvor. Davor würden Firmen häufig zurückschrecken, um die Motivation und Produktivität der Beschäftigten nicht zu gefährden. Auch tarifvertragliche und andere arbeitsrechtliche Regelungen können dem entgegenstehen.  Statt die Löhne zu senken würden Firmen dann verstärkt Arbeitsplätze abbauen, um Einsparungen zu erreichen.

Die Firmen üben aber tatsächlich von vornherein Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen, um zu vermeiden, später die Löhne vielleicht wieder senken zu müssen. Zudem berücksichtigen sie bei Lohnverhandlungen, ob sie in der Vergangenheit auf eigentlich gewünschte Lohnkürzungen verzichtet haben, und führen in diesem Fall keine oder nur geringe Lohnerhöhungen durch.

Unterm Strich beeinflusst diese Lohnstarrheit das durchschnittliche Lohnniveau also kaum. Daher sind auch keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung zu erwarten.