Zwischen den Fluren

Was Alltag in der Pflege bedeuten kann

Ein Erfahrungsbericht

Unsere Mitarbeiterin Friederike Aps hat vor Jahren einige Monate in einem Seniorenheim in der Küche gearbeitet. Nun hat sie diese Zeit reflektiert. Von der Pflege, Gefühlen, Überforderung, Schmerz und schönen Momenten


Der emotionalste und intensivste Job, den ich gemacht habe, war die Arbeit in einer Küche für ein Pflegeheim in Berlin Charlottenburg. Nie hat mich ein Job so dermaßen an meine körperlichen und mentalen Grenzen gebracht, nie hat ein Job so mein Herz erfüllt wie dieser. Die Schichten waren brutal. Die Bedingungen streng. Wir durften das Essen nach der Ausgabe nicht anrühren, auch wenn wir kurz davor waren es zu entsorgen. Natürlich haben wir es trotzdem gegessen, heimlich in den verstecken Ecken der Katakomben der Küche. Wir durften keine Trinkflaschen bei uns tragen. In der Nachmittagsschicht war ein Küchenangestellter allein für das fünfstöckige Haus verantwortlich. Kaffee, Abendbrot, kompletter Abwasch. Nach meiner Schicht war mir manchmal schwarz vor Augen, ich konnte nicht mehr richtig stehen. Tagtäglich habe ich mich an meine Grenzen gebracht, für Mindestlohn.

Um mich herum waren die Pfleger. Kraftvoll sind sie von Zimmer zu Zimmer, flogen durch die Flure. Ich erinnere mich an diese unerschütterliche Energie, diese Stärke, die sie von irgendwo her nahmen. Es ist ein Wahnsinnsjob. Ich war als Küchenmitarbeitern das letzte Glied der Kette. In den ersten Wochen kam mir die Arbeit vor wie ein kontinuierliches Getöse. Schreiende Pfleger, schreiende Bewohner und die meisten Küchenmitarbeiter haben auch geschrien. Einige Schichten haben sich angefühlt, wie ein andauernder Nervenzusammenbruch.

Zigarettenstummel wurden leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt

Der Anker in der Pflege ist die Zeit. Wenn man gut in der Zeit war, also pro Bewohner nur die angemessene Zeit verbracht hat (bei der Essenausgabe konnte man maximal drei Minuten pro Tür verbringen) dann hatte man alles im Griff. Unsere Körper waren Maschinen. Jeden Tag haben wir versucht die Zeit zu beherrschen, unsere Körper weiter zu drillen, ein bisschen schneller die Brote zu schmieren, ein bisschen schneller zu laufen, ein bisschen schneller die Wägen zu schieben. Es war ein Wettkampf. Unsere Beine trugen uns jeden Tag ein bisschen schneller durch die Flure, unsere Hände arbeiteten jeden Tag ein bisschen effektiver.

Die einzigen Momente der Stille, radikale Zäsuren mitten im Getöse, waren die Zigarettenpausen. Dort saßen wir alle beisammen, Pfleger und Küchenmitarbeiter. Die Kollegen klammerten sich an ihre Zigaretten als würden sie ihnen Halt geben. Die Pfleger redeten über die Bewohner. Sie werteten aus, wer gekratzt oder gebissen worden ist, sprachen über Krankenhäuser, den Tod, die Abläufe, die Wut auf die Chefetage. Dann erwähnten sie belanglose Privatthemen, mit dem Blick nach draußen, in die ferne Freiheit. Wir konnten sie nicht sehen. Zigarettenstummel wurden einer Zeremonie gleichend leidenschaftlich in Aschenbecher gedrückt, die Beine wieder auf dem Sprung, die Schlüsselbänder ragten aus den Hosen hervor, die Zigarettenschachteln wurden verstaut und dann ging es weiter, rein ins Getöse und wir sind ihnen gefolgt mit unseren Mittagswägen.

Irgendwann fühlte ich das, was die Pflege zu einem tollen Beruf macht

Mit der Zeit habe ich mich an die Abläufe und den Alltag der Küche und Pflege gewöhnt und die Routine trat ein. Damit hatte ich die Möglichkeit Geschichten und Gesichter hinter den Türen zu sehen. Ich habe wahrhaftig Menschen sehen können. Die Freude und das Strahlen in den Augen, wenn man mit ihrem Lieblingsessen vor ihnen stand. Ich sah die Dankbarkeit, das ehrliche Lob wenn man alles richtig aufgetischt und wenn man sich Wünsche gemerkt hat.

Ich bekam die begeisterte Begrüßung von Lieblingsbewohnern, welche sich an mich erinnerten und mich bevorzugten. Sie sahen morgens zum Frühstück augenzwinkernd zu mir rüber und erklärten begeistert ihren Nachbarinnen, dass sie heute ein besonders schönes Frühstück bekommen würden, da ich ja nun da wäre und ich wisse genau was gewollt ist. Ich gab besonders viel Marmelade auf das Brot und Frischkäse dazu. Sie liebten den Frischkäse und wollten immer ein extra Schälchen. Das sie eigentlich gar nicht kriegen durften. Am Tisch am Fenster musste der Früchtetee immer gefüllt bleiben, kalt werden. Nie durfte nachgeschenkt werden. Die anderen Tische waren Koffeinsüchtig. Und für drei besonders nette Damen gab es immer ein bisschen extra Obstsalat. Über das Gezeter der Bewohnerin ganz hinten links, konnte ich  (und musste ich) irgendwann einfach hinweghören.

Elegant bin ich an den Rollstuhlgriffen vorbei getänzelt. Niemals hängen bleiben, niemals anrempeln. Nicht zu sehr runterbeugen, nicht zu laut reden, aber immer beherzt und freundlich. Und schneller, schneller, schneller, damit Zeit für das Eigentliche bleibt. Hände auf Schultern. Einen kleinen Schnack im Vorbeirennen halten. Den Pflegern beruhigend die fertig gemachten Teller in die Hand drücken und ihnen Mut zu sprechen. Irgendwann war ich eine Meisterin in diesem Job. Ich fühlte das was die Pflege auszumachen scheint. Das was zurückkommt, dass was einem die Energie dafür gibt. 

Völlig allein am Kaffeetisch

Es gab einen Bewohner, den ich nie vergessen werde. Ich sah ihn nie lächeln. Der Depression folgt die Isolation. Er war zornig und grummelig, dadurch unbeliebt, man wollte mit ihm nicht viel zu tun haben. Dabei war er Opfer seiner Trauer, seine Frau längst von ihm gegangen. Diesem, für die Pflege alltäglichem Geschehen, konnte man nicht die Empathie entgegenbringen, die er gebraucht hätte. Er wirkte allein und isoliert, seiner Trauer und seiner Depression ausgesetzt. Sein Anblick war der einer personifizierten Bitterkeit. Das alt sein, das Warten auf den Tod ist ungnädig, brutal und schmerzerfüllt.

Ich ging mit ihm um wie mit jedem der Bewohner. Unerschüttert und vollgepumpt mit Adrenalin begrüßte ich ihn täglich voller Inbrunst, stürmte in seine Welt, lächelte ihn an, aber ging dann nicht weiter auf ihn ein. Ich ermunterte ihn nicht, ich versuchte ihm lediglich meine Wärme in den Raum zu stellen, ohne sie ihm ungewollt an den Kopf zu werfen und eine Reaktion zu erwarten. Eines Tages saß er völlig allein am Kaffeetisch. Noch heute kommen mir mit diesem Bild die Tränen. Ich brachte ihn seinen Kaffee. Es war Kekstag, wie immer streng abgezählt. Ich sagte etwas Herzliches, und er aß seinen Keks schnell auf. Ich war, angesichts meines strengen Zeitablaufs, längst über alle Berge. Dennoch ging ich nochmal zu ihm zurück und ich legte ihm lächelnd ein paar weitere Kekse auf den Teller. Ich erinnere mich daran, wie er ihn in die Hand nahm. Ich drehte mich um und der Bewohner, der niemals lacht, grinste mich freundlich an.


Du hast auch eine bewegende Geschichte zu erzählen? Du möchtest deine Gedanken zu deinem Beruf mit uns teilen? Dann schreib uns! Wir freuen uns auf dich. #wirsinddiepflege

Neugierig auf die angehenden Pfleger bei Campus? Unsere Besten wurden kürzlich gekürt. Schaut hier

Auszeichnung für Campus Absolvent

Marko Stocks bekommt Preis der Ludwig Schlaich Stiftung

Ein Text von Friederike Aps 

Ein Anfang kann vielerlei bedeuten. Ängste, Herausforderungen, aber auch Vorfreude. Wenn man etwas anfängt, steht die Frage im Raum: Wie mache ich das? Die Antwort ist immer die gleiche: einfach loslegen. Denn wenn man das geschafft hat, ist man schon mitten drin. So verhält es sich auch mit der Abschlussarbeit am Ende einer Ausbildung. Sie soll bestenfalls der Meilenstein sein, das glorreiche Ende, das Aushängeschild auf dem Weg zum Beruf. Oder einfach der sehnlichst erwünschte Abschluss, die letzte Pflicht die man noch zu erfüllen hat, bevor man das Zeugnis in den Händen halten darf. Marko Stocks, Heilerziehungspflegeabsolvent des Campus Berufsbildung e.V. stand ebenfalls vor dieser Herausforderung. Er verfasste seine Arbeit zum Thema: „Besser verstanden und gehört werden – Förderung kommunikativer Fähigkeiten bei infantiler Cerebralparese und Dysarthrie“.

Eine Abschlussarbeit mit Perspektive

Eine Abschlussarbeit kann auch als Beitrag zum jeweiligen fachlichen Diskurs fungieren. Dem gibt die Verleihung des Stiftungspreises der Dr. Ludwig Schlaich Stiftung bei der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung (BAG HEP e.V. ) eine Plattform. Indem Projekte und Facharbeiten aus dem Bereich der Heilerziehungspflege gefördert werden, können diese nach außen getragen und damit perspektivisch die Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen verbessert werden. Ein toller Motivator, dem sich Marko Stocks beim Verfassen seiner Arbeit noch gar nicht bewusst war.

Stocks bekommt Auszeichnung für Abschlussarbeit

Marko Stocks, Heilerziehungspfleger

Marko Stocks hat seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger bei Campus berufsbegleitend absolviert. Er arbeitet bei der Neue Lebenswege GmbH Berlin. Für die Wahl seines Themas war unter anderem sein Interesse am Fach Medizin ausschlaggebend. Konkret entwickelte sich das Projekt basierend auf den Wünschen seines Assistenznehmers, ein junger Mann mit infantiler Cerebralparese und Dysarthrie. Er äußerte gegenüber Stocks den Wunsch, bei seiner Teilnahme in Laientheatergruppen einen größeren Sprechanteil bekommen zu können. Daraus entwickelte sich das Vorhaben eines systematischen Sprechtrainings. In Verbindung mit dem für Stocks als inspirierend empfundenen Unterricht bei Dr. Jens Hüsemann, der das Interesse am Fach Medizin bei Stocks förderte, entstand diese beeindruckend detaillierte und fachlich äußerst versierte Abschlussarbeit. Die Preiswürdigkeit der Arbeit wurde von Dr. Hüsemann und vom Koordinator des Ausbildungsgangs Heilerziehungspflege Torsten Fähnrich erkannt. Gemeinsam entschieden sich Fähnrich, Stocks und Dr. Hüsemann die Arbeit einzureichen – mit Erfolg.

Zukunftsfragen der Heilerziehungspflege

Der Beruf Heilerziehungspflege ist ein Beruf, der von außen schwer zu greifen ist. Wenn man sich mit der Berufsbezeichnung auseinandersetzt, stellt man schnell fest, dass hier versucht wurde, einige Teilgebiete aus dem Beruf in einem Begriff zusammen zu würfeln. Dass man mit dem Begriff Heilerziehungspflege dem Anspruch einer Arbeit auf Augenhöhe nicht gerecht werden kann, wurde auch bei der Jahrestagung Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege und Heilerziehung in der Bundesrepublik Deutschland BAG HEP e.V.  diskutiert. Eine kurze Zusammenfassung dieser definitorischen Debatte könnte sein: weg mit dem Heilbegriff, her mit der Teilhabe. Der Weg zur wahrhaftigen Augenhöhe und einer inklusiven Gesellschaft ist ein langer und steiniger Weg.

In Berlin steht die Ausbildung zu diesem Beruf derweil ganz anderen Herausforderungen gegenüber. Die Aspekte der Prüfungsordnung im Land und ihre benachteiligenden Aspekte für die Schüler*innen sind auch in der Ausbildungszeit von Stocks nicht unbemerkt geblieben. Durch das Wissen darüber, dass im Falle eines Scheiterns im Kolloquium ein gesamtes Schuljahr wiederholt werden muss, entsteht ein enormer Druck. Schließlich ist die Durchführung einer Ausbildung nicht nur eine Frage des Erlernens bestimmter Inhalte, sondern auch eine Herausforderung finanzieller Natur. Ein Jahr verlängern zu müssen, wäre also auf vielerlei Ebenen dramatisch und auch aus pädagogischer Sicht völlig unnötig. Welche weiteren Hürden auf dem Weg zum*zur Heilerziehungspfleger*in erklommen werden müssen, kann hier nachgelesen werden.

Stocks hat diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Wie er Campus mitteilte, war die Berufswahl zunächst eine Entscheidung um sich sein tägliches Brot zu verdienen. Im Laufe der Zeit, entwickelte sich eine Liebe zu seinem Beruf. Die Qualifikation durch seine Ausbildung bei Campus öffnet ihm nun Türen in seiner zukünftigen Arbeit mit Menschen mit Behinderungen.

Das Projekt zur Abschlussarbeit

Stocks Facharbeit rankt sich um ein theoretisches Gerüst zu Sprache und Sprechen bei gesunden Menschen.  In Zusammenarbeit mit dem Assistenznehmer und seiner Sprachtherapeutin führte er dann über mehrere Wochen Übungseinheiten mit dem übergreifenden Ziel der Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten zur Förderung der sozialen Teilhabe durch. Stocks fasst zusammen, dass beim Assistenznehmer eine deutliche Zunahme des Stimmvolumens sowie der Betonung von Emotionen beim lauten Lesen festzustellen ist. Zudem betont Stocks, dass eine zunehmende Eigenverantwortlichkeit bei der Durchführung des Projekts durch den Assistenznehmer stattgefunden hat. Durch die in der Arbeit erworbenen medizinischen Fachkenntnisse, konnte Stocks Möglichkeiten und Grenzen des Assistenznehmers ausloten die ihm vorher so nicht bewusst waren. Ihn begleitete daher auch die Frage nach der Individualität in der heilerziehungspflegerischen Arbeit. Wann muss man Grenzen anerkennen und wann sind sie verschiebbar?

Schlaich Preis Verleihung

Marko Stocks bei der Verleihung des Schlaich-Preises im November 2019

Im Rahmen dieses Projekts wurden zweifelsfrei Grenzen verschoben. Seinen Abschluss fand das Projekt dort, wo das Niederreißen von Grenzen und die Sehnsucht nach Freiheit programmatisch ist – auf einer Theaterbühne. Im Rahmen einer theatralischen Lesung im Theaterhaus Berlin Mitte las der Assistenznehmer aus “Der kleine Prinz”. Marko Stocks stellte im November 2019 seine Arbeit bei der Verleihung des Schlaich Preises in Potsdam vor. Den Abschluss bei Campus hatte er da schon länger in der Tasche. Die Begegnung mit Dr. Hüsemann und Torsten Fähnrich war also auch eine kleine Wiedersehensfeier. Eine Erinnerung an den Abschluss, während schon längst neue Anfänge gemacht sind.

 

Das Leben der Kinder in Sibirien

Abschied von Jamal

Es gab viele unvergessliche Eindrücke für unsere beiden Weltenbummlerinnen. Aber jede Reise muss einmal enden.  Frau Ladenkova und Frau Schulz hatten sich jedoch vorgenommen, auch noch ein wenig über das Schulsystem in Sibirien zu lernen.

Wie funktioniert das Schulsystem in Sibirien?

Am „Ende der Welt“ leben die Kinder neun Monate im Jahr in einem Internat und besuchen dort die Schule. Sie kehren erst während der Sommerferien für drei Monate zu ihren Familien zurück.

Wie ist das Leben im Internat?

Die Kinder leben in modernen und liebevoll gestalteten Wohneinheiten. Es gibt Aufenthaltsräume mit Computern und TV sowie Küchen, in welchen man gemeinsam kocht. Die Betreuer kümmern sich herzlich um die Kinder und unterstützen sie in allen Lebenslagen.

Auch gibt es nach dem Unterricht viele Arbeitsgemeinschaften. Dazu gehören u. a. Schach, Gartenbau, Umweltschutz und diverse Sportarten.

Eine ganz besondere Ehre

Am „Tag des Rentiers“ besuchen die Nenzen ihre Kinder im Internat. Frau Ladenkova und Frau Schulz wurden dazu eingeladen. Ein aufregender Tag! Die beiden nahmen Anteil an den Lernfortschritten der Kinder und freuten sich mit den stolzen Eltern. 

Das war ein schöner Abschluss einer abenteuerlichen Reise.

 

Exkursion zum Schwarzlicht Minigolf

Unsere Kaufleute für Büromanagement aus der KBM A 11a sind vergangenen Mittwoch zum Schwarzlicht Minigolf am Tempelhofer Hafen aufgebrochen. Dabei standen der Spaß und das gemeinschaftliche Miteinander im Vordergrund. Dadurch wurde der Klassenzusammenhalt nochmals verstärkt. Nach vielen gespielten Bahnen und gemeinsamen Stunden ging es wieder nach Hause.

KBM A 11 | Campus Berlin Büromanagement KBM A 11 Ausflug_2 | Campus Berlin Büromanagement

Büromanagement – So macht Unterricht doch Spaß

Mit neuem Elan ging es am nächsten Tag zurück zum Standort Charlottenburg um dem IHK-Abschluss einen weiteren Schritt näher zu kommen.KBM A 11 Ausflug_3 | Campus Berlin Büromanagement

Neue Ausstattung im Alboin Kontor des Standorts Südkreuz

Am Standort Alboin, Nebenstandort von Campus Südkreuz, gibt es mittlerweile eine neue Ausstattung. Nachdem dieser Nebenstandort bereits im Sommer 2018 vollständig saniert wurde, sind im Laufe des Jahres 2019 neue Möbel eingetroffen. Der Alboin Kontor wurde nach dem Design von byandydesign saniert und mit neuen Möbeln von softlinefurniture ausgestattet. Im Werkraum, der sich im Erdgeschoss befindet, können die Schüler*innen nun an massiven Tischen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und die leichten, rollenden Stühle machen sich ideal für handwerkliche Tätigkeiten. Dies stellen unsere Schüler*innen regelmäßig mit tollen Projekten unter Beweis, zum Beispiel beim Skulpturworkshop der SOR-Tage oder beim Erstellen von Traumwelten. Im großen Raum des Standorts befinden sich bequeme Bürostühle. Die neue Technik dafür steht bereits in den Startlöchern! Außerdem hat der Standort eine neue Küche bekommen. Diese wird sowohl von Schüler*innen als auch Lehrer*innen genutzt. Für Gruppenarbeiten, sportliche Aktivitäten oder sonstige Bedürfnisse nach alternativem Sitzen haben die Räumlichkeiten weiterhin Sitzhocker verschiedener Größen. So macht Schule Spaß!

 

       

 

Courage meets Soul

Ein Text von Friederike Aps 

Die Aktionstage als Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage (kurz SOR) 2019 sind am Samstag den 12.10. Ende gegangen. Dank einer konzentrierten Lernatmosphäre konnten nachhaltige Diskussionen geführt und tolle Lernerfolge erzielt werden. Wie jedes Jahr, fanden Workshops zu den Themen Zivilcourage sowie Rassismus und Diskriminierung im Alltag statt. Dieses Jahr fokussierten sich die Veranstalter der Campus SOR Tage auf das Thema Menschenrechte. Es gab unter anderem Workshops zum Thema Diversität in Comics, einen Crashkurs für Gebärdensprache und Kurse die sich mit unterschiedlichen Ansätzen, dem Thema Menschenrechte annäherten. Simone Zaugg, Kunstlehrerin, hat in den Jahren zuvor mit einem Graffitiworkshop die SOR Themen auf beeindruckende Weise visualisiert. In diesem Jahr entschied sie sich für einen neuen Ansatz. Sie gestaltete einen Kurs, der sich mit der Sprache der Plakate im Zeitalter von YouTube und Influencern beschäftigte. Besonders beliebt war der Workshop Transmenschen in der Pflege, wo sich der Frage nach dem Geschlecht angenähert wurde. Auch die SOR-Klassiker haben stattgefunden: es wurden wieder ungeahnte Schauspieltalente und tolle Sänger*innen unter den Schüler*innen entdeckt.

Boussa Thiam bringt SOR Soul bei

Campus Berlin kann sich über eine neue SOR- Patin freuen – die Moderatorin und Sängerin Boussa Thiam. An den Workshoptagen im September hat Boussa die Schule besucht und mit den Stimmen der Schüler*innen einen spannenden Podcast erstellt. Die enorme Sensibilität gegenüber den Themen Diskriminierung und Alltagsrassismus der Schüler*innen ist absolut bemerkenswert und spiegelt sich im Podcast wider. Den gab es am Präsentationstag auch direkt auf die Ohren – SOR von Schüler*innen für Schüler*innen. Das Bühnenprogramm wurde von den Teilnehmenden leidenschaftlich getragen und zeigte die Potentiale der Berufsschüler*innen von Campus Berlin auf vielfältige Weise. Der Auftritt von Boussa und ihrer Schwester N’gone als The Thiams war ein souliger Ausklang arbeitsreicher Projekttage: bei den kühlen Temperaturen lassen sich die Gründe für die geringe Teilnehmerzahl gegen Ende erahnen. The Thiams sind ein stimmgewaltiges Frauenduo mit tollen Vibes, welche die Energie vom Campus SOR Projekt weitertragen.

SOR erstmals für Teilzeitklassen

Es gab eine Besonderheit in diesem Jahr: da die berufsbegleitenden Klassen zuvor nicht an den SOR Tagen teilnehmen konnten, wurde beschlossen, einen weiteren SOR Tag an einem Samstag anzubieten. Samstag, der 12. Oktober stand also dieses Jahr ganz unter dem Motto Courage. Mit dieser Botschaft kann man nie deutlich genug werden – mit einer Schweigeminute wurde an diesem Tag den Opfern des Terroranschlags in Halle gedacht, der am Mittwoch zuvor zwei Menschen aus dem Leben riss.

Eugen berichtet, wie er nach seinem Abschluss bei Campus beruflich durchgestartet ist

Ich habe die Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten in der Fachrichtung Fremdsprachen bei Campus absolviert. Am besten haben mir der Englisch- und Spanischunterricht gefallen, obwohl ich seitdem kein Spanisch mehr gesprochen habe. Englisch war extrem hilfreich. Dadurch beherrschte ich es nicht perfekt, aber es war eine gute Grundlage.

Nach meinen Abschluss bei Campus bin ich als Assistent der Geschäftsführung bei einem Werkzeugverkauf eingestiegen. Meiner Meinung nach der langweiligste Job, den ich für zwei Monate je gemacht habe. Gleich danach habe ich in Storkow einen Job als strategischer Einkäufer angenommen und bin nach Königs Wusterhausen gezogen. Durch diesen Job konnte ich beruflich sehr viel reisen, z. B. mehrere Male nach China sowie nach England, Irland, Italien,  Slowenien, Tschechien, Polen, in die Schweiz und die Slowakei. Garantiert habe ich ein paar vergessen. Dieser Job half mir, meine Englischkenntnisse enorm zu verbessern. Viereinhalb Jahre bin ich in diesem Job geblieben und entschloss mich, Wirtschaftsinformatik zu studieren. Nach zwei Semestern merkte ich aber, dass es nichts für mich ist, wechselte an die HWR und studierte Public Administration.

Neben dem Studium arbeitete ich bei Delivery Hero als Werkstudent im Bereich Procurement. Es war damals noch ein Start Up und sehr schnell verliebte ich mich in diese chaotische Firmenkultur, Freibier, Parties, junge und coole Kollegen, flache Hierarchie. Nach 1,5 Jahren wurde ich als Associate Buyer eingestellt und sehr schnell merkte ich, dass mir IT Projekte am meisten Spaß machten. Ich übernahm Projekte für die Konsolidierung lokaler Verträge zu großen MSAs, führte erstmalig Local billing ein, verhandelte Summen im 7-stelligen Bereich und wurde schnell befördert. Aktuell arbeite ich als Category Manager IT im Procurement bei der Delivery Hero SE.

Ich liebe meinen Job! Das Beste ist, dass ich nur mit Leuten arbeite, die auch so denken und an einem Strang ziehen. Ich kann selbstständig arbeiten, niemand schreibt mir vor, wie ich mein Ziel erreichen muss.

Maria Martin erzählt, wie ihr die Ausbildung bei Campus im Studium und im Beruf geholfen hat

Ich heiße Maria Martin und habe erst die zweijährige Berufsausbildung zur staatlich geprüften Assistentin mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft und dann die einjährige FOS bei Campus Berufsbildung e.V. absolviert. Die Zeit bei Campus empfand ich als eine sehr schöne und vor allem nützliche Zeit in meinem Leben und in meiner schulischen und beruflichen Laufbahn. Die Lehrer waren immer sehr hilfsbereit, kompetent und inspirierend. Der Unterricht ist sehr gut strukturiert und interessant. Mit verschiedenen Ausflüge und Projekten wurde der Zusammenhalt in den Klassen gestärkt und die Zeit abwechslungsreich und spannend gestaltet.

Dadurch ist der Kontakt zu vielen Schülern über die Zeit bei Campus geblieben und erwies sich als sehr hilfreich, z.B. in der Studienzeit und im Berufsleben. Ich habe nach der FOS angefangen BWL an der Universität Potsdam zu studieren und das Wissen aus der Ausbildung und ebenso aus der FOS hat mir sehr geholfen, vor allem in den Bereichen Buchführung, Marketing und Personal. Ebenso hilft mir das Wissen weiterhin in meinem Job als Praxismanager – bei der Personalabrechnung, Personalführung und Witschaftlichkeitsprüfung. Alles in allem kann ich Campus als Einrichtung sehr empfehlen und ich würde auf die Zeit und das erworbene Wissen dort nicht verzichten wollen.

Überleben in der Tundra

Das Leben in der Tundra ist hart und birgt viele Herausforderungen und Gefahren. Es herrschen extreme Bedingungen: bis zu -50° im Winter, Schnee, wenige Tierarten und Permafrostboden, welcher das Anbauen der meisten Pflanzen unmöglich macht.

Frau Ladenkova und Frau Schulz sind beeindruckt, mit wie viel Stärke und Pragmatismus die Nenzen ihr Leben meistern.

Jeder in der Familie hat seine Aufgabe, und nur dadurch können sie unter diesen Bedingungen leben. Bei den Nenzen geht es nicht darum, ob man Lust hat im Haushalt zu helfen, sondern um das Überleben der Familie.

 Überleben in der Tundra1

Wie sieht das Leben der Nomadenfamilie aus?

Bis zu zweimal im Monat müssen die Nenzen ihr gesamtes Hab und Gut zusammenpacken und damit weiter ziehen, um genug Nahrung zu finden. Wenn ein passender Ort gefunden wird, baut die Mutter den Tschum auf, während der Vater jagen geht.  Der Tschum wird mit einem Ofen ständig beheizt. Für die Frischluftzufuhr sorgt eine Öffnung an der Decke.

Jede Familie besitzt drei Schlitten, je einen Schlitten für die Lebensmittel, Kleidung und den Tschum. Aus hygienischen Gründen müssen die Lebensmittel immer auf einem separaten Schlitten mitgeführt werden. Das Essen kann leicht verderben, da es zum Großteil aus rohen Fisch und Fleisch besteht

Auch die Religion spielt bei den Nenzen eine bedeutende Rolle. Die am Weitesten verbreitete Glaubensrichtung ist der Schamanismus. Eine Christianisierung erfolgte nur oberflächlich. Auch heute noch werden in den Familien Schamanen ausgebildet, welche böse Geister verjagen und Erkrankungen heilen.

Überleben in der Tundra3 Überleben in der Tundra4

Aber was machen eigentlich die Kinder? Gehen Sie überhaupt zur Schule?

Erfahren Sie im nächsten Beitrag mehr über das Leben der Kinder in der Tundra; Schule, Hobbies etc.

Alltag einer Schulleiterin

Frau Philbert-Hasucha, Schulleiterin des Standortes Berlin Südkreuz von Campus Berlin, hat zehn Tage lang die Geschehnisse aus Ihrem Alltag notiert

So mancher fragt sich, was eine Schulleitung eigentlich den ganzen Tag macht. Ich mache selten Unterricht, begrüße hin und wieder neue Klassen oder verabschiede Examensklassen mit einem Glas Sekt. Ansonsten sieht man mich mit meiner Hündin Mila und in der Küche, wenn ich mir einen Kaffee hole. Ich kann Sie aber beruhigen – meine Chefs passen in der Tat auf, dass ich auch arbeite. Am besten versteht man wahrscheinlich den Alltag einer Schulleitung wenn man sich mal den Ablauf einzelner Tage anschaut. Deshalb habe ich einmal zehn Tage lang für Sie Tagebuch geführt!

MONTAG

Ein langer Wochenstart

Die Facharbeiten der Erzieher stehen an. Ich hatte eine Besprechung mit der Koordination für die Erzieherausbildung bezüglich der Themen. Im Anschluss bekamen wir Besuch von einem Kooperationspartner aus der Pflege, mit einer kleinen Delegation aus der Ukraine. Die Leitung der ukrainischen Pflegeschule ist sehr interessiert an unseren Ausbildungen. Für ein Treffen in der Senatsverwaltung, welche am Donnerstag ansteht, musste ich ein Konzept ausarbeiten.

Am Abend war ich bei einem informellen Abendessen des Vorstandes vom Pflegeschulbund (dem ich angehöre) und Vertretern der Senatsverwaltung Bildung  sowie der Senatorin Kalayci (früher Kolat) mit ihrer Staatssekretärin. Das Treffen fand anlässlich der Pflegeausbildungsreform statt. Die neue Ausbildung soll im Frühjahr 2020 starten und finanzielle sowie organisatorische Probleme sind zu besprechen.

Schulleiterin Philbert-Hasucha

Frau Philbert-Hasucha und Herr Griesbaum

DIENSTAG

Ein neuer Tag

Nach diesem langen Montag (das Essen ging bis 23 Uhr) war ich heute etwas müde. Aber der Alltag geht selbstverständlich weiter! Der Morgen begann mit einem Gespräch mit meinem Chef über diverse organisatorische Dinge. Anschließend hatte ich ein weiteres Gespräch mit unserer neuen SOR Patin Boussa Thiam. Es ging um ihre möglichen Aktivitäten und ihre Teilnahme am SOR-Tag im September. Danach hatte ich ein Gespräch mit der Lehrerin, welche für das Bonusprogramm zuständig ist, zur Abstimmung des Konzeptes für das Bonusprogramm, das wir am Donnerstag in der Senatsverwaltung vorstellen müssen. Am Nachmittag habe ich eine Lehrprobe begleitet. Eigentlich wäre da noch ein Nachmittagstermin zum „Salongespräch des Berliner Bündnisses für Pflege“ gewesen. Aber dazu war es dann zu spät.

MITTWOCH

Kalender sind das A und O

Heute habe ich mit Herrn Fähnrich, Koordinator für die Heilerziehungspflege, die Dokumente für die neue Zertifizierung des Leitungslehrganges besprochen. Es mussten Kalender für die zwei neuen Sozialassistentenklassen erstellt werden und auch eine Abstimmung mit dem Raumplan war erforderlich. Ich habe den Kalender für die neue berufsbegleitende Klasse im September erstellt und ausprobiert ob wir einen Tageskurs anbieten können. Das Ergebnis: ja das geht! Die Räume reichen aus. Danach habe ich mich mit unserem Administrator getroffen um die Verteilung und Registrierung von Schlüsseln und diverse Kleinigkeiten zu besprechen. Am Nachmittag war große Teamsitzung mit allen Mitarbeitern.

DONNERSTAG

Der Tag der Entscheidung

Heute war der große Tag! Es fiel die Entscheidung, ob unser Konzept für die Gelder aus dem Bonusprogramm angenommen wird. Dazu hatte ich einen Termin mit meinem Chef und der verantwortlichen Mitarbeiterin für die Lernwerkstatt bei der Senatsverwaltung für Bildung. Hurra! Das Konzept wurde angenommen. Das bedeutet, dass wir Gelder für den Aufbau einer Lernwerkstatt erhalten.

Am Nachmittag habe ich zu Hause einen ersten Entwurf für ein Anschreiben verfasst, welches an mögliche zukünftige Kooperationspartner für die neue Pflegeausbildung gehen soll. Ich habe noch ein paar Mails beantwortet aber dann früh Feierabend gemacht und war lange mit Mila spazieren.

Freitag und Samstag

Pflege im Umbruch

Es fand die Delegiertenversammlung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBFK) statt. Daran nahm ich als Vorstandsmitglied des DBFK Nord-Ost teil. Das wichtigste Thema war das Aktionsprogramm des Verbandes ‚Pflege 2020-2030‘.

Und wieder MONTAG

Alltag im Büro

Heute hatte ich keine festen Termine. Daher konnte ich diverse Büroarbeiten erledigen, wie zum Beispiel Zeugnisse und Verträge unterschreiben und Anfragen von Mitarbeitern beantworten. Ich habe den Brief für mögliche Kooperationspartner der neuen Pflegeausbildung fertig gestellt und die Absichtserklärung formuliert. Außerdem habe ich alle Mitarbeiter über das Vorgehen im Projekt Bonusprogramm‘ informiert. Dazu habe ich auch den Mitarbeiterworkshop zur Lernwerkstatt im August geplant.

DIENSTAG

Die Zukunft der Sozialassistenz

Der Alltag geht weiter: am Vormittag war der Hauptstadtkongress Pflege und Gesundheit. Am Nachmittag hatte ich eine Besprechung mit dem Sozialassistenten – Team über einen möglichen veränderten Schwerpunkt der Ausbildung. Anschließend habe ich neue Kurse und Mitarbeiter in Moodle Plattform eingepflegt.

MITTWOCH

Tag der Inspiration

Ich war wieder beim Hauptstadtkongress. Es fanden Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen und dem LaGeSo über die die Finanzierung der Pflegeschulen im Rahmen der neuen Pflegeausbildung statt. In den Verhandlungspausen, in denen sich die Krankenkassenvertreter langwierig beraten, habe ich diesen Blogbeitrag über meine Tätigkeiten geschrieben. Am Abend habe ich noch die Post gelesen und die wichtigsten Dinge beantwortet.

So schnell vergehen zehn Tage –  und damit endet mein öffentliches Tagebuch.